Mercedes-Benz beteiligt sich an Akkuhersteller ACC

Mit der Beteiligung will Mercedes-Benz einen „europäischen Batterie-Champion mit globalen Ambitionen“ aufbauen. Bisher sind Total Energie und Stellantis an ACC beteiligt. Sie begrüßten den Neuzugang.

Große Ambitionen: Gemeinsam mit Total und Stellantis soll ein europäischer Akkuchampion entstehen. | Foto: Mercedes-Benz
Große Ambitionen: Gemeinsam mit Total und Stellantis soll ein europäischer Akkuchampion entstehen. | Foto: Mercedes-Benz
Gregor Soller

Mercedes-Benz beteiligt sich am europäischen Batteriezellenhersteller Automotive Cells Company (ACC), um die Entwicklung und Produktion von Hochleistungsbatteriezellen und -modulen der nächsten Generation voranzutreiben. Im Juli 2021 kündigte die Marke mit dem Stern an, dass sie bis zum Ende des Jahrzehnts bereit sein will, vollelektrisch zu werden – überall dort, wo es die Marktbedingungen zulassen. ACC wurde 2020 gegründet und verbindet jetzt die Expertise von Stellantis, Total Energie und Mercedes-Benz mit komplementären Kompetenzen und Erfahrungen. Ziel ist es, europäischer Marktführer für Batteriezellen und -module zu werden, die saubere und effiziente Mobilität für alle ermöglichen. Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Bordeaux (Frankreich) wurde bereits in Betrieb genommen. Der Pilotstandort in Nersac (Frankreich) wird Ende dieses Jahres die Produktion aufnehmen.

Mercedes-Benz braucht bis 2029 mehr als 200 Gwh Akkukapzität

Für das angestrebte Ziel benötigt Mercedes-Benz bis zum Ende der 2020er Jahre Kapazitäten von insgesamt mehr als 200 Gigawattstunden und plant dafür, gemeinsam mit Partnern weltweit acht Zellfabriken zu errichten, davon vier alleine in Europa. Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG will damit die Schlagzahl und Unabhängigkeit erhöhen:

„Mercedes-Benz verfolgt eine äußerst ambitionierte Transformationsstrategie. Die Beteiligung ist ein strategischer Meilenstein auf unserem Weg zur CO2-Neutralität. Gemeinsam mit ACC werden wir Batteriezellen und -module in Europa entwickeln und effizient produzieren – maßgeschneidert auf die spezifischen Anforderungen von Mercedes-Benz.“

Durch die Partnerschaft sichere man sich die Lieferumfänge, nutze Skaleneffekte. Außerdem will man den Kundinnen und Kunden „überlegene Batterietechnologie“ bieten. Källenius ergänzt:

„Außerdem leisten wir einen Beitrag dazu, dass Europa ein Zentrum der Automobilindustrie bleibt – auch im Zeitalter der Elektromobilität. Im Zuge der neuen Kooperation plant ACC, die Kapazität seiner europäischen Werke mehr als zu verdoppeln. Das stärkt auch die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Europas bei der Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen.“

Mercedes-Benz investiert über sieben Milliarden Euro

Die Gesamtinvestition in ACC umfasst mehr als sieben Milliarden Euro - in einer Kombination aus Eigenkapital, Fremdkapital und öffentlicher Förderung -, um bis Ende des Jahrzehnts Kapazitäten von mindestens 120 Gigawattstunden in Europa zu erreichen. Mercedes-Benz wird im kommenden Jahr einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag investieren. In Summe bleiben die Investitionen unter einer Milliarde Euro. Die Transaktion unterliegt den üblichen Vollzugsbedingungen, einschließlich der Vereinbarung über die endgültige Dokumentation sowie die behördlichen Genehmigungen. Yann Vincent, CEO von ACC, ergänzt:

„Mercedes-Benz als neuen Anteilseigner bei uns zu begrüßen, ist ein wichtiger Meilenstein für ACC. Mercedes-Benz beweist Vertrauen in unsere Technologie-Roadmap und Produktwettbewerbsfähigkeit. Dies stärkt das Geschäftspotenzial von ACC deutlich und untermauert unsere ehrgeizigen Wachstumspläne. Das ist unser Beitrag zu einer elektrischen und nachhaltigen Zukunft."

„Mercedes-Benz beteiligt sich mit 33 Prozent an ACC. Als gleichberechtigter Anteilseigner neben TotalEnergies und Stellantis erhalten wir damit zwei von insgesamt sechs Sitzen im Aufsichtsrat von ACC“, so Markus Schäfer, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und Mercedes-Benz AG; verantwortlich für Daimler Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars COO. Er ergänzt dazu:

„Wir werden unsere EQ-Modelle weiterhin nur mit den fortschrittlichsten und nachhaltigsten Batteriezellen ausstatten. Dafür bringen wir uns mit Technologie und Produktions-Know-how bei ACC ein. Mercedes-Benz wird die High-End-Zellentwicklung ab 2023 mit seinem neu geplanten Pilotwerk ‚Mercedes-Benz Drive-Systems Campus‘ in Stuttgart ergänzen.“

ACC wird Mercedes-Benz bereits ab Mitte der Dekade mit leistungsfähigen Batteriezellen und -modulen aus seinen Produktionsstandorten beliefern. Der Batteriezellenhersteller prüft den Ausbau seines Produktionsnetzwerks um weitere Standorte in Europa. Mercedes-Benz verfolgt mittlerweile „weitreichende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich der Batterietechnologie“. Das Unternehmen bringt sein Know-how in das Joint Venture mit ein und unterstützt den Ausbau des Produktionsnetzwerks von ACC auf Basis der Mercedes-Benz Qualitätsstandards.

Mit Saft, einer Tochtergesellschaft von TotalEnergies, verfügt Mercedes-Benz über einen Partner mit über 100 Jahren Erfahrung im Bereich langlebiger Batteriesysteme sowie Elektro- und Hybridantriebe. Stellantis bringt durch seine Markenvielfalt, Größe und globale Präsenz Industrialisierungskompetenz in das Joint Venture ein. Mercedes-Benz Kunden können von der einzigartigen Kombination aus technologischem Know-how, Produktionserfahrung und den Skaleneffekten des Joint Ventures profitieren. Durch die Beteiligung treibt Mercedes-Benz die Industrialisierung von hochentwickelten und nachhaltigen Zelltechnologien in Europa voran. Mercedes-Benz erweitert sein etabliertes Partnerportfolio, um den Lokalisierungsgrad in der Beschaffung von Batteriezellen und -modulen als Schlüsseltechnologien für das Zeitalter der Elektromobilität abzusichern.

Hochflexibler modularer Akkubaukasten

Mercedes-Benz setzt auf einen modularen, hochgradig standardisierten Batteriebaukasten, der durch einheitlich konstruierte Komponenten und Schnittstellen die Integration von Batteriezellen und -modulen von unterschiedlichen Entwicklungspartnern ermöglicht. Ziel der Partnerschaft ist die gemeinsame Entwicklung von Zellen und Batteriemodulen, die den hohen Anforderungen an Energiedichte, Ladeleistung und Performance von Mercedes-Benz gerecht werden. Über die gemeinsame Expertise der Partner in Zelltechnologie und Zellproduktion können differenzierende Variationen im Modulbaukasten durch Zellchemie und Zellhöhe optimal dargestellt werden. Darüber hinaus forschen die Partner an weiteren Technologiesprüngen, zum Beispiel im Hinblick auf Hochsilizium-Anoden- und Festkörperbatterien.

Mit der sogenannten „Ambition 2039“ verfolgt Mercedes-Benz das Ziel von CO2-Neutralität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die CO2-neutrale Fertigung von Batteriezellen ist dabei ein wichtiger Baustein und eine konkrete Anforderung an alle Partner. Daher wird auch ACC vorrangig Strom aus erneuerbaren Energien für die Fertigung von Hochleistungsbatterietechnologien verwenden. Weitere wichtige Nachhaltigkeitsaspekte sind der verantwortungsvolle Rohstoffbezug sowie der schonende Umgang mit Ressourcen: Für die Batteriezellen werden ausschließlich Rohstoffe aus zertifiziertem Abbau genutzt. Zudem reduzieren die Partner kritische Materialien mit dem Einsatz neuer Technologien. Für einen geschlossenen Rohstoffkreislauf werden Batteriezellen von ACC zu über 95 % recyclingfähig sein.

Was bedeutet das?

Europa und die europäischen Autohersteller brauchen eigene Akkus und Zellen, um nicht komplett von asiatischen Zulieferern abhängig zu sein. Der Batteriezellenhersteller ist ein wichtiger Partner für die Europäische Union, um im Rahmen des Green Deals die Nachhaltigkeitsanforderungen für eine grüne Batterie in Europa umzusetzen. Und Mercedes-Benz schwimmt sich so in Sachen Akku- und Zellfertigung ein Stück weit frei. 

 

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