Mazda: Sprit aus Algen soll Verbrenner klimaneutral machen

Bereits seit 2016 arbeitet die Mazda Motor Corporation gemeinsam mit der Hiroshima University und dem Tokyo Institute of Technology an flüssigem Biokraftstoff aus Mikroalgen. Das ist vielversprechend.

Grüne Welle: Mit Flüssigkraftstoff aus Algen orientiert sich Mazda an der Realität. Und die wird den Verbrenner noch länger brauchen. Doch so wird der klimaneutral. | Foto: Mazda
Grüne Welle: Mit Flüssigkraftstoff aus Algen orientiert sich Mazda an der Realität. Und die wird den Verbrenner noch länger brauchen. Doch so wird der klimaneutral. | Foto: Mazda
Johannes Reichel

Der japanische Automobilhersteller Mazda hat sich zum Ziel gesetzt, im Vergleich zu 2010 eine Verringerung der CO2-Emissionen des Unternehmens um 50 Prozent bis 2030 und um 90 Prozent bis 2050 zu erreichen und setzt dabei auch auf die Entwicklung eines Biokraftstoffs aus Algen. Der Automobilhersteller betrachtet dabei auch die ganzheitliche „Well-to-Wheel"-Perspektive, die die CO2-Emissionen von fossilem Kraftstoff von der Ölquelle bis zum Einsatz auf der Straße sowie aus der Stromerzeugung zum Vergleich mit Elektrofahrzeugen korrekt berücksichtigt. Als Teil der „Well-to-Wheel"-Initiative hat Mazda einen Multi-Solution-Ansatz entwickelt, um den gesamten CO2-Ausstoß seiner Fahrzeugflotte zu reduzieren, ohne dabei Kompromisse bei Fahrspaß und Leistung seiner Fahrzeuge einzugehen, wie man verspricht. Beispiele für dieses Konzept sind die Mazda M Hybrid Technologie und der neue Skyactiv-X Benzinmotor mit Kompressionszündung, die in den Modellen Mazda3 und im Mazda CX-30 verfügbar sind.

CO2-Reduzierung für Verbrennungsmotoren

Für eine nachhaltige CO2-Reduzierung hält Mazda die Entwicklung eines erneuerbaren Flüssigkraftstoffs für unerlässlich. Denn der Hersteller geht von der Annahme aus, dass Verbrennungsmotoren in Kombination mit einer Elektrifizierung auch 2030 noch etwa 95 Prozent der global produzierten Fahrzeuge ausmachen werden und dass Flüssigkraftstoff bis mindestens 2040 in der individuellen Mobilität dominierend bleiben wird. Da der Algen-Biokraftstoff bei der Verbrennung nur so viel CO2 freisetzt, wie zuvor durch das Wachstum der Algen durch Photosynthese der Atmosphäre entzogen wurde, hält der Hersteller diesen Ansatz für entscheidend, um eine CO2-Neutralität von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu erzielen.

Keine Konkurrenz zum Teller: Algenkraftstoff wächst parallel

Mikroalgen-Biokraftstoff habe neben dem niedrigen Flammpunkt als erneuerbarer Flüssigkraftstoff zahlreiche positive Eigenschaften, wirbt man weiter. Dieser Kraftstoff entsteht aus einer Biomasse, die nicht in Konkurrenz zu pflanzlichen Lebensmitteln auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut werden müsse. Denn die Algen könnten auf Flächen gezüchtet werden, die für die Landwirtschaft ungeeignet sind. Der Ertrag aus Mikroalgen sei zudem um ein Vielfaches größer als bei Kraftstoffen aus anderer Biomasse. Darüber hinaus sei der Bioalgenkraftstoff biologisch abbaubar und umweltschonend.

Differenziert: Mazda setzt auf Stromer in "regenativen" Märkten

Reine Elektrofahrzeuge will der Hersteller in erster Linie in Regionen einführen, die Strom zu einem größeren Anteil aus erneuerbaren Energiequellen erzeugen oder bestimmte Fahrzeugtypen einschränken, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. So führen die Japaner iher erstes vollständig selbst entwickeltes Elektrofahrzeug, den Mazda MX-30, jetzt auch im deutschen und europäischen Markt ein. Die deutschen Händler werden den MX-30 in der zweiten Jahreshälfte 2020 anbieten können.

Was bedeutet das?

Verbrennungsmotoren werden auch in naher Zukunft bei vielen Autos verbaut werden. Auch deshalb setzt Mazda auf die Entwicklung von Bio-Flüssigkraftstoff, der so entwickelt wird, dass eine CO2-Reduzierung möglich ist. Ein durchaus lohnender Ansatz. Denn ein ressourcenschonender Anbau und biologische Abbaubarkeit sind Vorteile des Kraftstoffs mit Mikroalgen. Vor allem aber träte man nach dem bisher völlig vernachlässigten Biomethan den Beweis an, dass Kraftstoffe für konventionelle Maschinen sehr wohl klimaneutral sein können und man mithin auch im bestehenden System der Verbrennungsmotoren nachhaltig mobil sein kann - unter Beibehaltung der Wertschöpfungs- und Zulieferketten sowie der Infrastruktur. Allemal vielversprechender ist das als immer weiter die Synfuels-Hoffnung zu bedienen, wie das manche politische Kreise aus Unkenntnis der Materie tun. fs/jr

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