Werbung
Werbung
Werbung

Mazda MX-30: Mazdas erster Stromer, künftig optional wieder mit Wankel!

Mit dem MX-30 stellte Mazda in Tokyo seinen ersten Stromer vor – der später wieder mit Einscheiben-Wankelmotor als Range-Extender kommen wird.

Von Tokyo nach Sintra: Dort stellte Mazda den MX-30 vor. | Foto: G. Soller
Von Tokyo nach Sintra: Dort stellte Mazda den MX-30 vor. | Foto: G. Soller
Werbung
Werbung
Gregor Soller

Die Elektromobilität startet bei Mazda eher ungewöhnlich: Mit einem SUV-Coupé, dass sich mit einem 35,5-kWh-Akku bescheidet und auch bei den Fahrleistungen Maß hält, dafür aber auch beim Gewicht – und, noch wichtiger auch bei der Well-to-Wheel-Bilanz. Daher die Akkugröße: Denn mit dem 35,5-kWh-Akku bleibt der MX-30 gegenüber einem Mazda-3-Diesel immer im Vorteil, selbst wenn die Batterie nach 8 Jahren oder 160.000 Kilometern getauscht werden muss!

Damit ist Mazda der erste Hersteller, der dies überhaupt in seine Gesamtbilanz einrechnet. Zum Gewicht will man noch nichts sagen, es dürfte aber eher unter als über 1750 Kilogramm liegen. Deshalb sparte man sich auch einen größeren AC-Lader: 6,6 kW ist das Maximum, per DC gehen am Schnelllader bis zu 50 kW. Dann wäre der MX-30 in knapp einer Stunde bereit für die nächste Etappe, die allerdings nicht viel länger als 200 Kilometer am Stück ausfallen dürfte.  

Ganz klar: Mit dem MX-30 zielt man vor allem auf Privatkunden respektive Zweitwagennutzer, die es nicht aufs Kilometerfressen abgesehen haben. Auch die Leistung bleibt mit 105 kW (146 PS) und 265 Nm Drehmoment ziemlich exakt im Rahmen dessen, was man im Alltag braucht. Wie BMW und PSA nutzt auch Mazda eine multifunktionale Plattform, hier die Mazda-eigene Kompakt-Plattform, auf der auch der Mazda 3 und CX-30 stehen. Und natürlich wird der MX-30 mit dem CX-30 auf dem gleichen Band in Hiroshima gefertigt. Die prismatischen Zellen für den Akku kommen ebenfalls aus Japan und werden von Panasonic zugeliefert. Interessant: Der Akku ist mit 20 Schrauben von unten an den speziellen Crashkäfig geschraubt, der den MX-30 um 40 Prozent Torsionssteifer machen soll als den CX-30. Wie dieser verfügt der Stromer über Frontantrieb, was laut Theo Falk, Mitarbeiter der Powertrain Group of Mazda Europe, vor allem der Rekuperation helfen soll, denn an den Vorderrädern entstehen 70 bis 80 Prozent der Bremsleistung. Und weil wir gerade bei Prozenten sind: Die Gewichtsverteilung hat Mazda natürlich ziemlich genau an die magische 50-50 Grenze zwischen Vorder- und Hinterachse heranentwickelt.  

Wir haben schon mal Platz genommen, obwohl das im Messeprototypen, der extra von Tokio nach Lissabon eingeflogen wurde, gar nicht erlaubt war. Aber: Vorn findet man bestens Platz, der Fond fällt dagegen eher „kompakt-kuschelig“ aus, verwöhnt aber mit Sofa-Atmosphäre und gegenläufig öffnenden Türen, das man ihn leichter entern kann.

Zum Fahren packte Mazda eine CX-30-Hülle auf die neue Basis, um einen Eindruck zu geben, was einen ab September 2020 dann erwarten wird. Glasklares Fahrverhalten mit einer feinen Lenkung und einem herrlich direkt ansprechenden „Fahrpedal“. Dabei kommt der Stromer flott in die Hufe und gefällt mit knackigem Einlenkverhalten, was Mazda durch dezente elektronische Eingriffe an der Hinterachse fördert. Den Frontantrieb haben die Japaner jedenfalls gut wegkaschiert und man wünscht sich ob des direkten Fahrverhaltens eigentlich auch eine niedriger bauende Karosserie – doch das Gros der Kunden bevorzugt nun mal den SUV. Das Geräusch klingt, obwohl extra für Europa komponiert, etwas nach Trambahn, bleibt aber unauffällig. Die kurvigen Straßen um das portugiesische Sintra nahm der Prototyp jedenfalls wieselflink.

Aus Portugal stammt übrigens auch der Kork, der innen als Einleger und Akzentmaterial benutzt wird. Zusammen mit nicht aus Portugal stammenden Recyclingstoffen aus PET Flaschen für die Türverkleidungen und Sitzbezügen, die ebenfalls zu 20% aus Recyclingmaterial bestehen. So erzeugt Mazda das Jinba Ittai-Gefühl, was damit übersetzt werden könnte, das Ross und Reiter zu einer Einheit verschmelzen.

Und um diese „Einheit“ akustisch nicht zu stören und die Gewichtsbilanz nicht unnötig zu verschlechtern, flanscht man ab Ende 2021 eben noch einen Einscheiben-Wankelmotor an die E-Maschine unter der Motorhaube an, der dann als Range-Extender dient. Da er immer im optimalen Wirkungsbereich laufen kann, soll auch sein Sprit- und Öldurst, den Mazda bei den RX-Modellen nie komplett beseitigen konnte, Geschichte sein. Der Einstieg ins Elektrozeitalter beginnt bei Mazda ungewöhnlich, aber nichts destotrotz durchdacht!

Die Preise starten für die „First Edition“, die ab März vorbestellt werden kann, bei 33.990 Euro brutto, das sind gut 28.560 Euro netto – vor Abzug der Umweltprämie. Für Deutschland plant Mazda für 2020 noch mit rund 2.500 Einheiten.

Was bedeutet das?

Mazda bringt mit dem MX-30 den Wankel zurück – allerdings später, als optionalen Range-Extender. Und startet auch sonst erfrischend eigenwillig, aber trotzdem durchdacht ins Zeitalter der Elektromobilität. Großes Lob verdient vor allem die Lebenszyklusanalyse samt angenommenem Akkutausch!

Printer Friendly, PDF & Email
Werbung