Mazda: 90 Jahre Effizienz

Schon Unternehmenspatriarch Jujiro Matsuda, der Mazda ab 1921 leitete, verfolgte eine Vision innovativer Mobilitätslösungen, mit minimalem Energieverbrauch bei maximalem Fahrvergnügen.

Mit einer rollenden, per Joystick gesteuerten Blase überraschte Mazda zum Beispiel auf der Tokyo Motorshow 1970. | Foto: Mazda
Mit einer rollenden, per Joystick gesteuerten Blase überraschte Mazda zum Beispiel auf der Tokyo Motorshow 1970. | Foto: Mazda
Gregor Soller

Mazda startet mit dem MX-30 in die Elektromobilität, forciert diese künftig mit Toyota – und hat so auch Potenzial, das Thema Brennstoffzelle weiterzuentwickeln, das gar nicht so neu ist: Denn das Unternehmen aus Hiroshima hat im Archiv gekramt und etliche spannende Ansätze zu Antrieben der Zukunft hervorgeholt.  Bereits der allererste, 1930 vorgestellte und ein Jahr später in Serie produzierte Mazda Motor-Transporter vom Typ Go soll durch eine konkurrenzlose Effizienz im Vergleich zu konventionellen Lastwagen gepunktet haben. Auch die Agilität des Mazda-Go galt als Sensation, zu verdanken war sie neuartigen Leichtbau-Techniken. Seitdem steht laut Mazda auch intelligenter Leichtbau im Fokus der Fahrzeugentwicklung. Herausragendes aktuelles Beispiel ist der Mazda MX-5, dessen geringes Gewicht zusammen mit Skyactiv Technologien zur Effizienz und Leichtfüßigkeit beiträgt. Dagegen ist der neue elektrische Mazda MX-30 das Ergebnis eines selbstbewussten E-Weges, der bereits 1972 mit dem Mazda Chantez EV begann und auch frühe Brennstoffzellen-Typen umfasst.

Doch kehren wir zurück zum Lastendreirad „Go“, das 1931 in Serie startete: Es war dynamischer als andere Lasten-Transporter, vor allem aber energieeffizient zu einer Zeit,. als dieses Wort noch gar nicht existierte. Bereits 1938 schon Mazda ein verbrauchssenkendes Viergang-Getriebe nach. 1960 präsentierte Mazda mit dem R360 Coupé den ersten Leichtbau-Pkw. Mit nur 380 Kilogramm Leergewicht war der Sportler das leichteste in Japan produzierte Auto und das damals leichteste viersitzige Coupé weltweit. Konsequenter Einsatz von Aluminium bei Karosseriebauteilen, Interieureinrichtung und Antriebsaggregaten bis hin zu leichtem Acryl für das Panoramarückfenster bewirkten diese Gewichtsreduktion, die mitverantwortlich war für ein Plus an sportivem Fahrspaß und gleichzeitig besonders niedrigen Verbrauchswerten.

Mutig war Mazda auch immer bei der Antriebstechnik: Man entwickelte die Kreiskolben-Motoren weiter und schaffte damit als einziger Hersteller eine Millionenauflage. Spannend ist aber die Eignung für nachhaltige Kraftstoffarten wie Wasserstoff, die Kreiskolben-Motoren auszeichnet. Das demonstrierte erstmals 1991 das Concept Car Mazda HR-X, 1995 der Mazda 626 Capella Hydrogen Rotary Kombi und ab 2006 in kommerziellen Leasingprogrammen auch der Mazda RX-8 Hydrogen RE, während der Mazda5 Premacy Hydrogen RE Hybrid ab 2005 erstmals einen mit Wasserstoff betriebenen Kreiskolben-Motor mit einem seriellen Hybridsystem kombinierte. Heute ist es der Mazda MX-30 als erstes vollelektrisches Großserienmodell des japanischen Herstellers, in dem künftig ein kompakter Kreiskolben-Motor als Reichweitenverlängerer eingesetzt werden soll.

Wild auch der erste Schritt zur Einführung lokal emissionsfrei fahrender Elektrofahrzeuge: Auf der Tokyo Motor Show 1970 avancierte das futuristische Hybrid-Concept EX005 zum Publikumsmagneten durch die kühne Kombination aus Kreiskolben-Triebwerk mit Elektromotor, für futuristische Fahrfreude sorgten zudem in Diamantenform angeordnete Räder, deren mittlere per Joystick gelenkt wurden. Damit konnte sich EX005 auf der Stelle drehen. 1972 zeigte der Mazda Chantez EV, wie flink ein batterieelektrischer Cityflitzer für die japanischen Metropolregionen sein kann. Einen damals für den Verkehrsalltag noch zu großen Zeitsprung in die Ära autonomer Automobilität wagte 1973 der computergesteuerte, elektrische angetriebene Mazda CVS im Design eines Vans. Ebenfalls dem Strom der Zeit enteilt, aber schon praxistauglich präsentierten sich zum Ende des letzten Jahrtausends Mazda E-Mobile mit Brennstoffzellentechnik. Während andere Hersteller damals noch über die Brennstoffzelle diskutierten, erprobte Mazda diese Antriebstechnik 1997 zuerst im kompakten Demio und 2001 im Familienvan Premacy.

Aber auch das Thema Solarzellen ging man bereits sehr früh an: Im Familienvan Mazda Bongo Sky Lounge von 1983 lieferten Solarzellen den Strom für die Klimaanlage, ebenso erfolgte ab 1993 die Klimatisierung im verschiedenen Varianten des Mazda 929. Auch die Elektromotoren der ab 2010 in Japan angebotenen Mazda2 EV/Demio EV bezogen ihre Energie teilweise aus einer mit Solarenergie versorgten Ladeinfrastruktur. Mit bis zu 200 Kilometern Reichweite und flotten Fahrleistungen gingen die Mazda2 EV/Demio EV in japanischen Leasingprogrammen in Serie und forcierten die Leichtbaustrategie: Gegenüber der Vorgänger-Generation speckte dieser Mazda2 durch den Einsatz hochfester und ultrahochfester Stähle ab.

Und Mazda bleibt diesem Eigensinn treu: Anstatt sich nur auf eine Antriebsart zu konzentrieren, verfolgt das Unternehmen einen mehrgleisigen Ansatz, der die Vor- und Nachteile verschiedener Antriebsarten berücksichtigt und Konventionen hinterfragt. Diese Strategie führte zu den revolutionären Skyactiv Technologien, die im Mazda CX-5 von 2012 erstmals in Serie gingen und innovative Motoren, Getriebe sowie Karosserie- und Fahrwerkstechnologien umfassen. Neue hoch verdichtete Skyactiv-G Benzinmotoren und niedrig verdichtete Skyactiv-D Dieselmotoren heben Effizienz, Leistung und Abgaswerte auf vorteilhafte Werte. Noch weiter geht der erstmals 2019 vorgestellte Skyactiv-X, ein Verbrennungsmotor, der zum ersten Mal die Vorzüge von Benziner und Diesel vereint. Alle drei Motorenkonzepte standen erstmals im Mazda CX-30 zur Wahl, der so seine Treibstoffeffizienz optimiert, aber auch das Fahrerlebnis auf ein neues Niveau bringt.

Was bedeutet das?

Mazda feiert Geburtstag und bleibt sich treu: Auch künftig werden die Japaner eigene Wege. Bemerkung am Rande: Mazda Classic hat mit dem Automobil Museum Frey eine der größten Sammlungen nicht in Hiroshima, sondern in der Augsburger Innenstadt. Über Öffnungszeiten und Exponate informiert das Museum unter www.mazda-classic-frey.de oder über www.facebook.com/MazdaClassicFrey.

 

Printer Friendly, PDF & Email