Maxus: Große Pläne mit Budget-E-Van und neuem 3,5-Tonner

SAIC launcht den vollelektrischen und preiswerten "eDeliver 3" im VW-Bus-Format mit 53 kWh-Akku und 320 km Reichweite. Zudem kommt die neue Generation 3,5-Tonner, erst als Diesel, wohl bald elektrisch. 

Konsequent elektrisch: Der Maxus eDeliver 3 kommt nur als Stromer und nimmt VW Transporter, Vito & Co ins Visier. | Foto: SAIC/Maxus
Konsequent elektrisch: Der Maxus eDeliver 3 kommt nur als Stromer und nimmt VW Transporter, Vito & Co ins Visier. | Foto: SAIC/Maxus
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der führende chinesische Automobilhersteller SAIC forciert seine Transportermarke Maxus und launcht in diesen Tagen die neuen Generation des 3,5-Tonnen-Vans, die den Namen Deliver 9 trägt. Sie basiert auf einer komplett neuen Plattform, verfügt über einen neu entwickelten 2,0-Liter-Diesel-Motor und löst den LDV Maxus ab, den es nur als EV80 in Vollelektrovariante einstweilen weiter gibt. Darüber hinaus teilte der Hersteller, der 2009 die Reste der britischen Marke LDV übernommen hatte, mit, dass dieser Markenname nun zugunsten von Maxus wegfällt. Zudem kommt wie angekündigt eine komplett neuer Kompakttransporter ausschließlich mit Elektroantrieb, die auf den Namen eDeliver 3 hört. Alle Neuheiten sollten ursprünglich auf der Birmingham Motor Show am 28. April präsentiert werden, die allerdings wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Nun soll es gegen Ende Mai eine virtuelle Präsentation geben, Details zu den Fahrzeugen wurden aber schon vorab bekannt.

"Die Dinge verändern sich im Moment auf allen Geschäftsfeldern rasant, aber wir sind zuversichtlich, dass wir uns anpassen können. Maxus ist eine dynamische Marke und wir sehen es als gute Gelegenheit zu beweisen, wie innovativ unsere Marke und unsere Produkte sind", meint Mark Barrett, General Manager beim europäischen Generalimporteur Harris Automotive Distributors (MAXUS).

 

eDeliver 3: Zum Verkaufsstart nur mit 53 kWh-Akku

Zum kleineren Van eDeliver 3, den es als erstes Fahrzeug der Marke ausschließlich als Elektro-Variante gibt, waren bereits im vergangen Jahr auf der Messe in Birmingham erste Details vorgestellt worden. Das Fahrzeug tritt in der Klasse der Kompakttransporter um die 3,0 Tonnen Gesamtgewicht an und wird von einem 85-kW-Elektromotor angetrieben. In der aktuellen Vorabinformation ist allerdings nur noch von einer Akku-Variante mit 52,5 kWh Kapazität die Rede. Ursprünglich war auch ein kleinerer Akku mit 35 kWh avisiert. Die Lithium-Ionen-Batterie stammt vom chinesischen Anbieter CATL und dürfte leistungsfähiger sein als die Lithium-Eisenphosphat-Energiespeicher im EV80.

Die Reichweite wird jetzt mit 320 km im NEFZ und 240 km im WLTP angegeben. Außerdem soll es eine DC-Schnellladeoption für das Fahrzeug geben. Karosserieseitig will der Hersteller zwei Längen mit unterschiedlichem Radstand anbieten, deren Ladevolumina 5,0 und 6,0 Kubikmeter betragen. Die Nutzlast liegt zwischen 600 und 1.000 kg. Auch eine Fahrgestellversion für Kühl- oder Kofferaufbauten könnte es geben. Die Preise sollten dem Vernehmen nach bei etwa 25.000 Euro starten, Priorität hat der europäische "Heimatmarkt" Großbritannien. Die Marke Maxus soll in 50 Ländern weltweit vertrieben werden. Der Verkauf für die beiden neuen Modelle sei bereits gestartet, heißt es. 

Andere Ansprüche: Drei Längen und Höhen

Der größere Van eDeliver 9 erinnert vom Design her an den Ford Transit, basiert aber auf einer eigenständigen Plattform. Er verfügt über einen neuen, nach Euro VI sauberen 2,0-Liter-Diesel-Motor mit 120 kW Leistung (163 PS) bei 375 Nm Drehmoment und zweistufiger EGR sowie SCR-Abgasreinigung und Start-Stop-System. Er soll besonders geräuscharm arbeiten, das Laufgeräusch in der Kabine bei nur 47 dBA liegen. Kombiniert werden ein serienmäßiges 6-Gang-Handschalt- oder optionales Automatikgetriebe. Zu vermuten ist, dass der Hersteller zeitnah eine rein elektrisch angetriebene Variante folgen lässt, die den in die Jahre gekommenen EV80, der noch auf einer LDV-Plattform fußt, ablöst. Der Transporter wird in drei Höhen und drei Längen und Radständen sowie als Kasten, Mini-Bus und Fahrgestell angeboten. Das Ladevolumen beträgt maximal 13 m³, die Ladehöhe zwischen 1,79 (Heckantrieb) und maximal 2,12 Meter.

Front- und Heckantrieb, umfangreiche Fahrerassistenz

Wie bei Ford, Renault, VW oder Daimler wird es den Maxus ebenfalls mit Front- oder Heckantrieb geben. Letztere Varianten sind in Tonnagen bis zu 3.800 (L2) oder 4.000 Kilogramm (L3) erhältlich. Die Gesamtlänge beträgt zwischen 5,18 und 5,94 Meter, die Breite liegt mit 2,06 Meter ebenfalls auf klassenüblichem Niveau. Für Verzögerung sorgen rundum Scheibenbremsen in 16-Zoll-Rädern, zum Serienumfang gehört neben dem neuesten Bosch-ESP und einem Hill-Holder auch ein AEBS mit aktiver Notbremse. Überhaupt will der Hersteller bei den Fahrerassistenzsystemen auf Augenhöhe mit der starken Konkurrenz operieren: Standardmäßig ist neben einem Tempomaten auch ein Spurverlassenswarner an Bord, optional dank elektrohydraulischer Lenkung eine aktive Spurassistenz sowie Tot-Winkel-Warner sowie ein Abstandstempomat (ACC) erhältlich. Ein Rückfahrsensor gehört Serie, ein Parksensor für die Frontpartie ist optional.

Im Interieur gehört bei dem Dreisitzer-Kastenwagen ein 4,2"-Zoll-TFT-Display im Kombiinstrument immer zum Standard. Daneben gibt es ein Infotainmentsystem mit 10,2"-Screen. Außerdem kann der Kunde ein schlüsselloses Zugangssstem oder eine 236-Grad-Öffnung der Hecktüren extra ordern.

Was bedeutet das?

Die chinesische Marke Maxus, einst aus der britischen Marke LDV hervorgegangen, plant, mit neuen Vans international groß durchzustarten. Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass das gelingt. Vor allem weil sich hier moderne Technologie und E-Antrieb mit einem verlockend günstigen Preis paaren. Vor allem der eDeliver 3 dürfte ziehen bei den Kunden. Schon der altbackene EV80 stößt als preisgünstiger und geräumiger E-Transporter auf beachtliches Interesse. Das dürfte noch größer werden, wenn Maxus einen eDeliver 9 nachlegt. 

 

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