Meinungsbeitrag

Marcus meint: Dinosaurier erschweren den Sport

Elektromobilität entwickelt sich aktuell in die falsche Richtung: Größer, stärker und schwerer löst keine Probleme.

 

Diplomdesigner und New-Mobility-Experte Marcus Anlauff beschäftigt sich seit Jahren mit der E-Mobilität und den Details, die man noch besser machen könnte.
Diplomdesigner und New-Mobility-Experte Marcus Anlauff beschäftigt sich seit Jahren mit der E-Mobilität und den Details, die man noch besser machen könnte.

Ich komme gerade vom Parkschein holen zurück, da parkt rechts von mir ein größeres SUV ein. An Einsteigen ist nicht mehr zu denken, da der Wagen den Parkplatz komplett ausfüllt. Auch der Fahrer stellt nun fest, dass er die Fahrertür nicht weit genug öffnen kann. Schließlich schwingt die Heckklappe per Fernbedienung auf und der Besitzer kommt mir mit einer Sporttasche entgegengekrabbelt.

Wieviel Auto braucht der Mensch?

Das SUV ist derzeit eine der erfolgreichsten Fahrzeugklassen, aber auch die kontroverseste. Den Auftakt machte 1963 der Jeep Wagoneer es folgte 1970 der Range Rover, um englischen Adel kommod auf den Landsitz zu befördern. Mit dem Geländewagenboom der 1980er-Jahre folgten in den 1990ern immer mehr abgesoftete Interpretationen des Themas, allen voran der Toyota RAV4 und bald die Mercedes M-Klasse. Letztere schaukelte publikumswirksam durch die ersten Jurassic-Park-Folgen. Das SUV war geboren – bezeichnenderweise inmitten einer Welt der Dinosaurier…

Hoch sitzen und Abenteuerimage sind „sexyier“ als CO2-Reduktion

Die hohe Sitzposition, Sicherheitsaspekte und das Abenteurerimage sind nur einige Gründe, die zum Erfolg des SUVs beitrugen.

Nun hat es den Sprung in das Elektrozeitalter geschafft. Viele Hersteller bieten elektrische SUVs an, obwohl die Dinosaurier eigentlich keine gute Basis für ein effizientes Elektroauto sind. Groß, schwer, wenig aerodynamisch und mit vergleichsweise wenig Platzangebot.

Erinnern wir uns noch einmal, warum vor über 10 Jahren die Weichen für die Elektromobilität gestellt worden: Schon damals war erkennbar, dass sich wirksame Klima- und Nachhaltigkeitsziele nur erreichen lassen, wenn auch der Individualverkehr einen maximalen möglichen Beitrag leistet. Der Verkehr sollte umweltfreundlicher werden, mit weniger Auswirkungen auf Klima und Gesundheit.

Kapitalismus vor Ressourcen-Schonung: Große Autos bedeuten große Rendite

Den elektrischen Antrieb haben inzwischen alle Hersteller im Angebot. Bei den anderen Faktoren, die den Wirkungsgrad positiv beeinflussen, ist die Mission „maximal möglicher Beitrag“ wieder aus dem Focus geraten. Verlangt werden die üblichen größeren Bauformen und das wird von den Herstellern gern bedient.

Ein kompaktes E-Auto mit der kreativen Variabilität und dem Platzangebot eines Renault 4 oder Fiat Panda, hat es dagegen bisher nicht bis in die Fertigung geschafft. In der elektrischen Version werden gerade diese kompakten Autos fahrdynamisch ein ganz neues Erlebnis. Bevor man sich für das Übliche entscheidet, sollte man den Kleineren unbedingt eine Chance geben. Und für ganz viele Fälle braucht es nicht mal ein Auto – in den Städten ist man mit Fahrrad oder E-Bike meist viel schneller am Ziel.


Wie geht es weiter in der Elektromobilität?

Wir befinden uns immer noch in der Anfangsphase des Übergangs. Die Kompromisse und Zwischenlösungen, wie
z.B. der Hybrid, werden wieder verschwinden. Der Wandel wird über mehrere Fahrzeuggenerationen laufen und mit der Einflechtung innovativer Technologien verbunden sein, die nur der rein elektrische Antrieb zulässt. Zudem wird die engmaschige Ladeinfrastruktur große Batterien sehr bald überflüssig machen.

was bedeutet das?

Im Jurassic Park ist das kleine innovative Elektrofahrzeug schon in der vorletzten Folge auf Fahrt gewesen. Vielleicht hilft es, den Weg aus dem Dinosaurierzeitalter heraus zu finden.

 

Printer Friendly, PDF & Email