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Magna testet ADAS im Safaripark

Der Automobil Zulieferer und Fertiger testet zukünftige Fahrerassistenzsysteme in einem deutschen Safaripark. So soll die Software darauf trainiert werden, Hirsche, Löwen, Kamele, Giraffen und Büffel besser zu erkennen. Ein Konzernsprecher betont: Tiere waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Vorsicht, Hirsch. Mithilfe von realen und ausgestopften Tieren lernt die Software dazu.| Foto: Magna
Vorsicht, Hirsch. Mithilfe von realen und ausgestopften Tieren lernt die Software dazu.| Foto: Magna
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Thomas Kanzler

Der Zoo und Safaripark im unterfränkischem Sailauf nahe Aschaffenburg bekommt seit zwei Jahren ungewöhnlichen Besuch. Magna Ingenieure fahren am Steuer eines Geländewagens, der mit einem Prototyp eines Frontkamerasystems und Sensoren ausgestattet ist, mit einer Geschwindigkeit von weniger als 4 Meilen pro Stunde (etwa 6,5 km/h) durch den Safaripark. So soll die Software der Kamera darauf zu trainieren werden, Tiere zu erkennen, die auf oder in der Nähe von Straßen in der ganzen Welt auftauchen könnten, von Kängurus in Australien bis zu Kühen in Indien. Magna erhielt von der Parkverwaltung die Erlaubnis, die Forschung durchzuführen.

„Während unserer Zeit im Safaripark haben wir so viele Szenarien wie möglich abgedeckt, einschließlich Tag und Nacht, Sonne und Regen", sagt Schaefer, der als Teil eines Magna-Elektronikteams in Sailauf, Deutschland, Daten sammelt. „Das Ziel ist es nicht, sich den Tieren schnell zu nähern. Wir bewegen uns etwa mit Schrittgeschwindigkeit."

Laut Schaefer benötigt die Software 500 Datenproben von jedem Tier, das die Straße überquert oder vor der Kamera auftaucht, für das Training und die Validierung. Tiere seien unberechenbar, und ADAS müsse jede Art von Tier aus allen verschiedenen Perspektiven erkennen.

Mit ADAS gegen Wildunfälle

Die ADAS-Technologie ist ein wichtiger Bestandteil des Autos der Zukunft. Sie soll Todesfälle und Verletzungen bei Mensch und Tier verhindern, indem sie die Zahl der Autounfälle und die schwerwiegenden Folgen derer, die nicht vermieden werden können, reduziert. Durch OEM-spezifische ADAS-Funktionen können die Automobilhersteller einen Wettbewerbsvorteil auf dem Markt erzielen.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

In Deutschland 250.000 Wildunfälle im Jahr

Jährlich verletzten sich in Deutschland bei Wildunfällen zwischen 2000 und 3000 Menschen, davon werden 500 bis 1000 schwer verletzt und 10 bis 20 sterben. Pro Jahr ereignen sich 200.000 bis 250.000 schwere Wildunfälle mit Paarhufern. Ein Unternehmenssprecher präsentierte zudem die aktuellen Zahlen aus den Vereinigten Staaten. Demnach ereignen sich in den USA jedes Jahr schätzungsweise 1 bis 2 Millionen Zusammenstöße zwischen Fahrzeugen und großen Tieren, wie z. B. Rehen, bei denen nach Angaben der Federal Highway Administration etwa 200 Menschen ums Leben kommen, 26.000 verletzt werden und mindestens 8 Milliarden Dollar an Sachschäden und anderen Kosten entstehen.

Wildunfälle machen laut einer Studie des Deutschen Jagdverbandes aus dem Jahr 2020 etwa 5 Prozent der Autounfälle in Deutschland aus. Der Jagdverband schätzt, dass mehr als eine Million Wildtiere jedes Jahr auf diese Weise getötet werden; die meisten Kollisionen passieren mit Rehen und Wildschweinen.

Auch Tests mit ausgetopften Tieren

Das ADAS-Datenerfassungsteam greift manchmal auch auf Präparatoren zurück, um ihre Studien zu unterstützen, da es nicht immer notwendig ist, mit einem echten Tier zu arbeiten. Da die Modelle aber dreidimensional sein müssen, haben die Ingenieure einen ausgestopften Elch und ein ausgestopftes Wildschwein gemietet und auf dem Parkplatz ihres Standorts aufgestellt.

„Eine Computersimulation ist in diesem Stadium nicht so genau wie eine reale Situation", erklärte Schaefer. „Wir können auch nicht nur mit Bildern oder Ausschnitten von Tieren arbeiten."

Er ist überzeugt, dass eine zukünftige ADAS-Technologie Wildunfälle vermeiden könnte. Das Sammeln von Daten mit echten Tieren ist ein wichtiger Teil der ADAS-Entwicklungsphase. Nico Hauck, ein Magna-Ingenieur und Leiter der ADAS-Datenerfassung in Sailauf, erklärte, das Team sei durch die Sicherheitsaspekte seiner Arbeit motiviert. Seit 22 Jahren fährt Hauck Rettungsfahrzeuge und ist Teil des Rettungsteams in seiner Heimatstadt Eichenbühl, Deutschland.

„Wenn man Unfälle sieht, fragt man sich: 'Warum kann das nicht vermieden werden?'" sagte Hauck. „Deshalb sammeln wir bei unserer Arbeit bei Magna die bestmöglichen Daten - um das Fahren sicherer zu machen."

Daten von Tieren im Safaripark, Menschen im Einkaufszentrum

Zusätzlich zu den Forschungen im Safaripark hat das Magna-Datenerfassungsteam von der Leitung eines örtlichen Einkaufszentrums in Deutschland die Erlaubnis erhalten, ADAS-Szenarien auf dem Parkplatz mit Fußgängern, Einkaufswagen und Rollstühlen zu beobachten. In den vergangenen zwei Jahren hat das Magna-Datenerfassungszentrum in Sailauf rund 20 Millionen Gigabyte oder 30.000 Stunden Daten aus der ganzen Welt gesammelt, vom Verhalten von Tieren bis hin zu Verkehrsschildern und Verkehrsstaus. Die Datensammlung soll die Entwicklung der ADAS-Technologie für das Auto der Zukunft beschleunigen.

Was bedeutet das?

Sehr kreativ. Statt rund um die Welt zu jetten trainieren die Magna-Ingenieure die Software im Safaripark - und das Verhalten von Fußgängern und Rollstuhlfahrern auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Entwicklung von Spitzentechnologie in der freien Wildbahn.

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