Macron will Frankreich zu Europas Elektro-Leitmarkt machen

Französischer Präsident kündigt 8-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm zur Stützung der Autoindustrie und Förderung der E-Mobilität an. Renault will man weitere Kredite gewähren. PSA skeptisch gegenüber Prämien.

Hoffnungsträger: Emmanuel Macron will Frankreich zum Nummer-1-Standort für E-Autofertigung in Europa machen und vor allem Renault durch die Krise helfen. Jüngst erfolgte in Paris der Startschuss für den Einsatz von 500 elektrischen Renault ZOE im Rahmen des E-Carsharingdienstes Zity. | Foto: Renault
Hoffnungsträger: Emmanuel Macron will Frankreich zum Nummer-1-Standort für E-Autofertigung in Europa machen und vor allem Renault durch die Krise helfen. Jüngst erfolgte in Paris der Startschuss für den Einsatz von 500 elektrischen Renault ZOE im Rahmen des E-Carsharingdienstes Zity. | Foto: Renault
Johannes Reichel

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat ein acht Milliarden Euro großes Hilfspaket für die einheimische Autoindustrie angekündigt und will damit Frankreich zum Leitmarkt und Top-Produktionsstandort für Elektromobilität in Europa machen. Im ersten Schritt soll dabei eine bereits ab der kommenden Woche geltende Erhöhung der staatlichen E-Auto-Prämie beitragen, die dann von 6.000 auf bis zu 7.000 Euro steigt, bei Fahrzeugen bis 45.000 Euro. Darüber sinkt der Bonus bis 60.000 Euro auf 3.000 Euro und entfällt über dieser Summe komplett. Erstmals sollen sich auch Hybrid-Fahrzeuge gefördert erwerben lassen, mit bis zu 2.000 Euro, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Dazu soll es Abwrackprämien für Privatleute sowie Beihilfen für Firmenflotten geben. Auf eine temporär begrenzte Abwrackprämie von bis zu 3.000 Euro sollen drei Viertel der Franzosen Anspruch haben. Diese gilt auch für neueste Diesel- und Benzinmodelle. Beim Kauf eines E-Fahrzeugs und Verschrottung eines alten Modells gäbe es noch einmal 5.000 Euro extra, womit der Zuschuss auf maximal 12.000 Euro steigen könnte, wobei sich die Stilllegungsprämie auf Einkommen unter 18.000 Euro bezieht. Firmenflotten will man statt des jüngst auf 3.000 Euro gesenkten Betrags jetzt wieder mit bis zu 5.000 Euro Kaufzuschuss unterstützen, hier ebenfalls bis 45.000 Euro Gesamtfahrzeugpreis. Auch die Errichtung von Ladeinfrastruktur will der Staat finanziell unterstützen.

Bis 2025 will man eine Million E-Autos fertigen

Macron hatt anlässlich eines Besuchs des französischen Zulieferers Valeo das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2025 im Land eine Million Elektrofahrzeuge zu bauen, wozu man allerdings wohl auch Plug-in-Hybride zählt. "Unser Land wäre nicht das gleiche ohne seine großen Marken - Renault, Peugeot, Citroen", erklärte Macron am Dienstag laut DPA. Macron sprach zugleich von einer "beispiellosen Krise der Branche. In Frankreich war die Produktion in der Autoindustrie um über 90 Prozent eingebrochen, derzeit stehen 400.000 Fahrzeuge auf Halde. Über das Hilfspaket hinaus will der französische Staat auch mit fünf Milliarden Euro an Krediten bei Renault gerade stehen.

Lokale Wertschöpfung - Renault muss Akkus tauschen

Als Bedingungen für die Restrukturierung sieht Mactron aber eine starke lokale Wertschöpfung speziell bei Zukunftsantrieben oder auf Feldern wie dem autonomen Fahren, die auch Thema bei einem runden Tisch mit Gewerkschaften und Lokalpolitikern sein soll. Unterdessen kündigte die Groupe PSA bereits an, die Elektro-Version des Kompakt-SUV Peugeot 3008 im französischen Souchaux produzieren zu wollen. Renault zieht die Fertigung eines Elektromotors aus Asien nach Frankreich ab und will bis 2024 alleine 240.000 Modelle mit reinem Elektroantrieb produzieren.

Die Regierung will auch, dass Renault der Batterieallianz aus PSA/Opel und SAFT beitritt, die im vergangenen Jahr begründet worden war. Bisher bezieht Renault die Akkus vom koreanischen Spezialisten LG Chem, um sich vom Erzrivalen aus dem eigenen Land abzugrenzen, soll aber den Umstieg bereits akzeptiert haben. Verknüpfen muss das der schon vor der Corona-Krise schwächelnde Hersteller mit einem strikten Milliarden-Sparprogramm, das auch Werksschließungen umfassen dürfte. Auf Arbeitsplatzgarantien hat der französische Staat, mit 22 Prozent größter Anteilseigner bei Renault verzichetet. 

PSA hält nichts von staatlichen Prämien

Die Groupe PSA zeigte sich hingegen kritisch gegenüber staatlichen Förderungen. „Wir sind nicht sonderlich interessiert an Maßnahmen, die den Markt in eine bestimmte Richtung drehen sollen. Mittelfristig kann sich das als schädlich für die ganze Industrie erweisen“, erklärte der Frankreich-Chef von PSA, Jean-Philippe Imparato vor kurzem. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestätigte die Groupe PSA am Dienstag, dass dies die offizielle Konzernposition sei. Am Ende der Laufzeit etwaiger Kaufprämien sei es immer auch zu starken Einbrüchen bei der Nachfrage gekommen, so die Argumentation.

Printer Friendly, PDF & Email