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Lynk & Co wird nicht in Belgien produzieren

In einem Interview mit der Plattform „Automotive News Europe“ erklärte Lynk & Co-CEO Alain Visser die Pläne der neuen Marke in Europa.

Mit dem 01 wird man 2020 in Europa starten. | Foto Lynk & Co
Mit dem 01 wird man 2020 in Europa starten. | Foto Lynk & Co
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Gregor Soller

Eigentlich hätten die Geely-Marke Lynk & Co, ab 2020 Autos im belgischen Volvo-Werk Gent gefertigt werden sollen – stattdessen holt man die Fahrzeuge jetzt aus China. Ein „Missing Lynk“ für Belgien sozusagen. Den Anfang soll das Kompakt-SUV 01 machen, das sich seine Architektur mit dem Volvo XC40 teilt. Das teilte CEO Alain Visser gegenüber der Plattform „Automotive News“ mit. Grund für die Lynk-Fertigung in China: Laut Visser sei Gent voll mit dem gut laufenden XC 40 ausgelastet. Außerdem kosten zwei Standorte natürlich doppelten Aufwand und natürlich fertigt man ein Auto in China in der Regel immer billiger als in Belgien. Erschwerend kommt die Schwäche des chinesischen Marktes hinzu, der auch Geely und Co trifft. Visser bestätigte auch, dass Lynk & Co in Europa ausschließlich Elektro- und Plug-in-Hybrid-Modelle anbieten will. Auf die Frage, ob er sich Lynk & Co in naher Zukunft als vollelektrische Marke vorstellen könne, antwortete Visser: „Ja, das wird sicherlich passieren. Die Frage ist nur wann.“

Das Spannende an der neuen Marke ist aber das Vertriebsmodell, das fast ausschließlich online abläuft und - nach Volvo-Vorbild - das Abo als Hauptvertriebskanal sieht. Neben dem Auto soll man dann auch diverse Services buchen können. Umfragen in den USA und Europa hätten ergeben, dass selbst potenzielle Kunden, die sich „kein Auto“ leisten könnten, bis zu 500 Euro monatlich für Mobilität ausgeben, sich dessen aber nicht bewusst seien. Und: Lynk & Co wird keine Billigmarke werden, weshalb die Abos eher im Bereich von 300 Euro plus x pro Monat starten dürften. Was deutlich mehr werden dürfte, wenn man „kurz“ mietet, denn im Gegensatz zu Volvo, wo man mindestens 24 Monaten mieten muss, plant Lynk & Co keine Mindestmietdauer, denn laut Visser sei langfristige Bindung „das größte Problem des traditionellen Kauf- und Leasingmodells“. Insofern sollten sehr schnell junge Gebrauchtwagen in die Flotte zurückfließen, die man dann günstiger anbieten könne.

Service und Werkstatt sollte das Volvo-Netz übernehmen, doch im Abomodell kostet das Lynk & Co Geld, wie Visser erklärt: „Hier verlieren wir aber Geld, denn bei einem Abo ist der Service ein Teil der Kosten“, erklärt der CEO und fügt an:

 „Je mehr unsere Autos repariert werden müssen, desto weniger verdienen wir.“

Mehrmarkenhändlern mit Lotus, Volvo und Polestar erteilte er eine Absage, denn Lynk & Co lasse sich hierarchisch nicht einordnen, sondern sei „einfach eine weitere Marke“, außerdem glaube man nicht mehr daran, dass Kunden künftig noch in Autohäuser kämen.

Was bedeutet das?

Lynk soll als „neue Marke“ vor allem junge Kunden ansprechen und zu Beginn mit alternativen Antrieben starten. Man darf gespannt sein, ob die Marke „alternativ“ genug oder „zu alternativ“ ist, um in Europa schnell viele Kunden zu generieren. Immerhin plant Visser für 2021 schon mit 500.000 Einheiten. Weitere Frage: Wenn auch Volvo immer mehr Modelle aus China bezieht und sich der Markt dort noch weiter eintrübt - verbleibt dann eines Tgaes überhaupt noch eine Produktion in Europa? Immerhin definiert sich Lynk & Co selbst als „neue Automarke in einer Welt, die eigentlich keine neuen Automarken mehr braucht“ – Mut haben sie jedenfalls!
 

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