Lynk & Co launcht Auto-Abo und Hybrid-SUV

Mit einem PHEV und HEV des SUV-Models 01 auf Volvo XC40-Basis startet die chinesische Geely-Tochter ein neues Konzept, bei dem man das Auto nicht besitzt, sondern für eine Monatsrate von 500 Euro nutzt. Und will kurze Lieferfristen durch reduzierte Ausstattung realisieren.

Volvo lässt grüßen: Auf Basis der XC40-Plattform entstand ein gefälliges SUV-Design, das vor allem junge Käufer ansprechen soll. | Foto: Lynk&Co
Volvo lässt grüßen: Auf Basis der XC40-Plattform entstand ein gefälliges SUV-Design, das vor allem junge Käufer ansprechen soll. | Foto: Lynk&Co
Johannes Reichel

Mit einer betont reduzierten Modellauswahl und einem völlig neuen Konzept des Nutzens statt Besitzens startet der neue chinesische Anbieter Lynk & Co in den europäischen Markt. Auf Basis des Volvo XC40 und der CMA-Plattform wurde in Schweden ein 4,54 Meter langen SUV designt und entwickelt, der als Plug-in-Hybrid (PHEV) und geschlossener Hybrid (HEV) vorfährt. Die PHEV-Version übernimmt die Antriebstechnik von Volvo und soll bis zu 70 Kilometer reine elektrische Reichweite bieten. Im WLTP-Zyklus gibt der Hersteller einen Verbrauch von 1,1 l/100 km für das Fahrzeug an, was bei Langstreckeneinsätzen unrealistisch sein dürfte. Für Vortrieb sorgt beim 2,35 Tonnen schweren PHEV ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 180 PS Leistung und 265 Nm Drehmoment, der ergänzt um einen 60-kW-Elektromotor (160 Nm) auf 261 PS Systemleistung kommt. Die Lithium-Ionen-Batterie mit 17,6 kWh (14 nutzbar) ist im Mitteltunnel verbaut und soll an der Haushaltssteckdose in fünf Stunden geladen sein.

Bei der geschlossenen HEV-Variante, die mit 2,23 Tonnen etwas leichter ist, übernimmt der Dreizylinder-Benziner mit 140 PS (215 Nm) außer bei Anfahrvorgängen und kurzen Strecken fast die komplette Antriebsarbeit, unterstützt von einem kleinen 40-kW-E-Motor (130 Nm) und einer kleinen Lithium-Ionen-Batterie mit 1,8 kWh (0,7 nutzbar), was sich zu einer Systemleistung von 197 PS summiert. Hier soll der Verbrauch im Zyklus bei 6,6 l/100 km liegen. Die Kraftübertragung übernimmt in beiden Fällen ein Siebengang-Automatik-Getriebe. Das Kofferraumvolumen gibt der Hersteller mit 466 l in beiden Versionen an, maximal kann man bei umgeklappten Sitzen 1.213 l verstauen.

Nutzen statt besitzen - aber man kann es auch kaufen

Zentraler Aspekt ist das Vertriebskonzept: Die Fahrzeuge können zwar, müssen aber nicht erworben werden, sondern man tritt quasi einen Club bei, dessen Mitgliedschaft sich Monat für Monat verlängern lässt. Die Gebühr dafür beträgt 500 Euro. Enthalten sind Versicherung und Wartung. Alternativ kann man aber auch nur anmieten, wenn man ein Fahrzeug benötigt und zahlt dann nutzungsbezogen. Auch die Möglichkeit, sein Auto unkompliziert mit anderen zu teilen, ist in dem Konzept vorgesehen. Basis dafür ist eine App-basierte Plattform, über die sich das private Sharing abwickeln lässt. Der Zugang erfolgt über einen digitalen Schlüssel, der per Code versandt wird. 
 

Die SUV-Modelle sollen binnen kürzester Zeit verfügbar sein, dank einer konsequent reduzierten Auswahlmöglichkeit und einem umfangreichen Ausstattungspaket schon in der Basis. So sind etwa nur zwei Farben verfübgar, schwarz und blau. Die Lieferfrist soll dadurch so kurz sein, dass Nutzer in nur drei Tagen auf das Auto zurückgreifen können. Dem Umweltaspekt trägt man im Interieur mit der Verwendung von Econyl-Materialien aus Recycling-Fasern Rechnung.

Auch die Konnektivität der Fahrzeuge soll von Anfang an auf hohem Niveau liegen. So ist ein großformatiger Touchscreen ebenso Serie, wie Online-Navigation, eine Social-Media-Kamera sowie eine eigene Cloud-Lösung. Selbstverständlich sind "Updates over the Air" sowie die Fernabfrage von Wartungsdaten durch Lynk & Co, inklusive der Benachrichtigung der Kunden, wann der Service fällig wird.

"Heute führen wir einen komplett neuen Ansatz zum Besitz und Mobilität ein, eine radikale Lösung für eine neue Generation von konnektiven Kunden, die Mobilität zu ihren Bedingungen wollen", erklärte Lyny&Co-CEO Allain Visser.

Aus seiner Sicht räume man damit ein über 100 Jahre altes Modell des Vertriebs und Eigentums an einem Fahrzeug auf und wolle den Besitz eines Autos damit vereinfachen.

Was bedeutet das?

Man ist ja hin- und hergerissen, bei all den Abos und revolutionären Neuansätzen, die da derzeit durch die Mobilitätsbranche wabern. Bei Lynk & Co stellt sich die Frage: Gibt es das nicht schon - und nennt sich einfach Auto-Abo? Anbieter wie Like2Drive, Vive-Le-Car oder Cluno haben doch genau dieses Bedürfnis nach Flexibilität zum Geschäftsmodel erhoben, das der chinesisch-schwedische Anbieter jetzt für sich als Urheberschaft reklamiert. Auch die technische "Mutter" Volvo bietet ja seit kurzem ein Auto-Abo an. Wo liegt also der "USP", die Alleinstellung?

Vielleicht in der Mischung: Dass man das Auto auch teilen kann, ist ein neuer Aspekt, den allerdings auch Volvo schon mal ventiliert hat. Dass es sich um Hybrid-Fahrzeuge handelt, ist ein weiterer Aspekt. Und dass die Fahrzeuge so kurzfristig verfügbar sein sollen, dank radikal reduzierter Optionsliste, das kennt man zwar von Tesla, aber nicht in diesem Bündel. So bleibt abzuwarten, ob sich genügend Leute für üppige 500 Euro Monatsrate überzeugen lassen von dem Ansatz. Denn da hat man ja die im Zweifel nicht gerade verbrauchsarmen 2,3-Tonner-SUV noch nicht mal getankt ... Schade ist es insofern, dass Lynk & Co nicht gleich vollelektrisch und mit einer coolen Limousine einsteigt, mit diesem Konzept. Das wäre dann konsequent gewesen.

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