Lufthansa und Shell schließen Kooperation für nachhaltigere Flugkraftstoffe

Die Airline und der Mineralöl-Konzern unterschrieben eine Absichtserklärung zur Lieferung von Sustainable Aviation Fuel (SAF) im Volumen von bis zu 1,8 Millionen Tonnen für die Jahre 2024-2030. Beide Unternehmen bezeichneten die SAF-Technologie als wegweisend für Dekarbonisierung der Luftfahrt.

Lufthansa möchte umweltfreundlicher Fliegen - und sichert sich beim Öl-Multi Shell 1,8 Millionen Tonnen SAF.| Foto: Shell
Lufthansa möchte umweltfreundlicher Fliegen - und sichert sich beim Öl-Multi Shell 1,8 Millionen Tonnen SAF.| Foto: Shell
Thomas Kanzler

Shell International Petroleum Co Ltd. und die Lufthansa Group beabsichtigen, ab 2024 bei einer Laufzeit von sieben Jahren einen Vertrag über eine Gesamtliefermenge von bis zu 1,8 Millionen Tonnen SAF zu vereinbaren.  Eine entsprechende Vereinbarung wäre eine der bedeutendsten kommerziellen SAF-Kooperationen im Luftverkehrssektor und zugleich das bisher größte SAF-Engagement beider Unternehmen. Mit der Kooperation kann die Lufthansa Group Verfügbarkeit, Markthochlauf und Einsatz von SAF als wesentliches Element für eine CO2-neutrale Zukunft der Luftfahrt vorantreiben. Die Lufthansa Group ist bereits heute größte Abnehmerin von SAF in Europa und hat den Anspruch, auch zukünftig beim Einsatz von nachhaltigem Kerosin unter den weltweit führenden Airline-Gruppen zu sein. Die Kooperation würde das Ziel von Shell unterstützen, bis 2030 mindestens zehn Prozent ihres weltweit verkauften Flugkraftstoffs als SAF anzubieten.

„Ich freue mich, zu sehen, wie sich die Beziehung zwischen Shell und der Lufthansa Group auf die Erreichung unserer jeweiligen Nachhaltigkeitsziele zubewegt. Es ist ermutigend, dass große Flaggschiff-Carrier zu uns kommen, um künftige SAF-Liefergeschäfte zu besprechen, deren Rahmenbedingung inklusive des Preises erst zu einem späteren Zeitpunkt definiert und festgelegt werden. SAF ist der wichtigste Weg, um die Luftfahrt in den kommenden Jahrzehnten zu dekarbonisieren. Unsere Beziehung geht über kommerzielle Vereinbarungen hinaus – sie ist strategisch und abgestimmt in Bezug auf die Überzeugung, dass SAF der Schlüssel zu einer nachhaltigen Luftfahrt ist. Wir gehen davon aus, dass der potenzielle SAF-Kaufvertrag, der im Rahmen des MoU (Memorandum of Understanding) in Betracht gezogen wird, aufgrund seines erwarteten Volumens, seiner Laufzeit und geografischen Reichweite ein Meilenstein sein wird und den Weg für die Dekarbonisierung in der Luftfahrtindustrie aufzeigt.", erklärte Jan Toschka, President, Shell Aviation.

Was ist SAF?

SAF sind Flugkraftstoffe, die ohne die Verwendung von fossilen Energiequellen wie Erdöl oder Erdgas hergestellt werden und eine Einsparung von CO2 im Vergleich zu herkömmlichen Kerosin ermöglichen. Es existieren verschiedene Herstellungsverfahren und es stehen verschiedene Ausgangsmaterialien als Energieträger zur Verfügung. Die aktuelle Generation von SAF, welche im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin 80 Prozent CO2 einspart, wird hauptsächlich aus biogenen Reststoffen, beispielsweise aus gebrauchten Speiseölen, hergestellt. SAF kann perspektivisch eine nahezu CO2-neutrale Luftfahrt ermöglichen.

Lufthansa unterstützt Forschung

Die Lufthansa Group beteiligt sich seit vielen Jahren an der Erforschung von SAF, hat ein umfangreiches Netzwerk von Partnerschaften aufgebaut und treibt insbesondere die Einführung nachhaltiger Flugkraftstoffe der nächsten Generation voran. Besonderer Fokus liegt dabei auf den zukunftsweisenden Power-to-Liquid- und Sun-to-Liquid-Technologien, die erneuerbare Energien oder Solarthermie als Energieträger verwenden. Durch den Einsatz von SAF können Kunden der Lufthansa Group schon heute annähernd CO2-neutral fliegen. Zudem können sie ihre reduzierten CO2-Emissionen durch auditierte Zertifikate dokumentieren und die CO2-Einsparungen in ihrer individuellen CO2-Bilanz anrechnen lassen.

„Wir freuen uns, unser langjähriges globales Geschäft mit Shell durch die Unterzeichnung dieses MoU zu stärken. Als Branche müssen wir gemeinsam daran arbeiten, das Fliegen nachhaltiger zu gestalten, um das ambitionierte Ziel zu erreichen, bis 2050 CO₂-neutral zu sein. Shell hat weltweit große Erfahrungen im Umgang mit Flugkraftstoffen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für unser Vertrauen in einen künftig reibungslosen Betrieb mit Sustainable Aviation Fuel", sagte Katja Kleffmann, Head of Fuel Management Supply Lufthansa Group, zu der Vereinbarung.

Wie ökologisch ist SAF wirklich?

SAF sind deutlich weniger umweltschädlich. Wenngleich man in dem Zusammenhang darauf hinweisen muss, dass natürlich auch bei der Produktion der SAF CO2-Emissionen entstehen. Dennoch sind die SAF die für die Umwelt klar bessere Wahl. Sustainable Aviation Fules sind allerdings momentan noch deutlich teurer als herkömmliches Kerosin. Damit lohnt es sich für die Fluggesellschaften aktuell nicht, auf SAF zu setzen, weil sie Verlustgeschäfte machen würden. Zudem ist die Infrastruktur noch nicht dafür ausgelegt, die Fluggesellschaften im großen Rahmen mit dem Bio-Kerosin zu beliefern.

Was bedeutet das?

Damit der nachhaltige Flugstoff wirklich konkurrenzfähig wird sind vor allem neue Gesetzesvorlagen nötig. Noch ist die Herstellung von SAF bedeutend teurer als Kerosin. Vielleicht sollte man doch mal mit der Besteuerung des herkömmlichen Flugbenzins beginnen?

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