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Lucky Bike: Lucky Produkte, unlucky Service

Wenn es um die Verkehrswende geht, steht das Fahrrad klar auf Platz eins. Lucky Bike gehört zu den großen Händlern in Deutschland mit tollen Angeboten, aber teils katastrophalem Service.

Anfangs versprach man uns noch das Blaue vom Himmel...| Foto: G. Soller
Anfangs versprach man uns noch das Blaue vom Himmel...| Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Verkehrswende? Gern so umweltfreundlich wie möglich – wozu große Zweiradhändler wie Lucky Bike auch einen großen Teil beitragen können. Mit tollen und umfangreichen Angeboten auch zur Miete oder im Leasing, kompetenter Beratung, Probefahrten indoor und professionellem Service. Die persönliche Note kommt vielleicht manchmal etwas kurz, aber das nimmt man dafür in Kauf.

Gutes Stichwort, 2022 stand der Kauf eines neuen „daily Drivers“ an, der radbegeisterte Kollege und Profi fräste sich durch diverse Onlineplattformen und Händlerseiten und endete bei einem Raleigh Chester mit Sieben-Gang-Nabe. Für den reduzierten Preis von nur 500 Euro bei Lucky Bike fuhr es zudem hochwertige Ausstattung auf und erfreute täglich durch eine Zuverlässigkeit. Nach gut einem Jahr und rund 2.000 Kilometern hat sich nun die Kette etwas gelängt und die Bremsen müssen dezent nachgezogen werden, kein großes Ding. Doch da zwei Jahre Garantie sind und wir das Rad ob seiner Zuverlässigkeit sehr schätzen, darf es nach jeder Fahrt trocken im Keller nächtigen, wird viel öfter gereinigt als seine Vorgänger und soll eine Inspektion erhalten – für 90 Euro bei Lucky Bike.

Mit dem Servicetermin nahm das Drama seinen Lauf

Und damit nahm das Drama seinen Lauf…am 15.3.2024 fragten wir nach einem Termin an, der uns für den 18.4. knapp und nicht wirklich höflich bestätigt wurde. ÜBER EIN Monat Vorlauf für einen kleinen 90-Euro-Standard-Service? Wenn wir es abends wieder abholen wollen, bitte bis spätestens elf Uhr abgeben und die Unterlagen mitbringen, man habe das Chester samt Rahmennummer nicht im System.

Okay, man muss also froh sein, wenn man überhaupt einen Service „beantragen“ darf, so der Eindruck. Aber gut, Radmechaniker sind knapp und an der Scheibe unseres Schusters steht ja auch: „Gute Arbeit braucht Zeit“.

18.4.: Wir hätten um 10 Uhr einen Termin, aber Lucky Bike öffnet erst zu dieser Uhrzeit, also verschieben. Denn unser Slot gilt nur bis 11 Uhr! Wir geben das Rad direkt um 10 Uhr ab, es ist im System. Wir haken noch mal nach, ob wir es abends wieder abholen könnten. Es ist nur die kleine Standardinspektion und Kette sowie evtl. Bremsen nachspannen – ein Job, den man unserer Meinung nach binnen zwei Stunden gut erledigen kann. Außerdem wollen wir so wissen, ob arg viel los sei, aber den Eindruck hat man in den stillen und tiefenentspannt wirkenden Hallen eher nicht.

Und ja, ein Mechaniker stünde zur Verfügung, Kette müsste eventuell neu kommen. Wir werden per SMS informiert, sobald es fertig ist, sicherheitshalber geben wir auch Festnetz und Email dazu und laufen 25 Minuten ins Office. Und freuen uns auf ein frisch gewartetes Bike.

Bitte warten, bitte warten...

Stattdessen warten wir und zwar, bis wir schwarz werden. Gegen 14 Uhr hoffen wir dezent auf eine Nachricht, aber nix. Um 16 Uhr rufen wir dann mal durch, aber bei Lucky Bike im Euro-Industriepark in München hebt so lange keiner ab, bis wir in die Zentrale durchgestellt werden, sorry – kann man auch nicht direkt weiterhelfen. Also schreiben wir eine Mail, bitte mal nachzusehen, wie weit unsere Auftragsnummer denn schon abgearbeitet sei. Keine Antwort.

Erneuter Anruf gegen 17 Uhr, wieder Bielefeld. Wir schildern unserem Gegenüber den Fall, Check im System. Rad sei da, aber keine Rechnungsstellung ausgelöst, also ist eher nix passiert. Worauf der Puls nicht nur bei uns, sondern auch in Bielefeld steigt, denn wir wären leider wahrlich nicht die Ersten. Also zweite Mail aus Bielefeld mit der Bitte um Rückmeldung. Da läutet der Apparat auf der zweiten Leitung, wir hoffen auf den Rückruf und bedanken uns.

Münchner Nummer, aber nicht Lucky Bike. Also um 18 Uhr 25 Minuten zurück zu Lucky Bike mit unserem auftrags- und Abholschein. Nach ewigem Warten am tiefenentspannten Servicedesk dann die lapidare Frage, ob wir eine SMS erhalten hätten? Haben wir natürlich nicht, worauf der Mitarbeiter erklärt, dass so ein Service schon ein bis zwei Arbeitstage dauere! Nach über vierwöchiger Voranmeldung und pünktlichster Abgabe! Er verschwindet und wir warten weiter.

Nein, heute würde das nichts mehr, worauf uns der Puls sehr schnell sehr hochsteigt: Wir stornieren mit sofortiger Wirkung den Auftrag und fordern das Rad zurück, das in den vergangenen achteinhalb Stunden nicht mal angefasst wurde!

Wie lahm und schlecht kann ein Fahrradservice eigentlich sein? Tief enttäuscht verlassen wir die große stille Filiale und wissen, weshalb am Servicedesk vergleichsweise wenig los ist, denn Service wird hier ganz kein geschrieben. Lucky bike? Ja, wenn man kaufen will – aber der Service machte uns extrem unlucky. Kann man nur hoffen, dass es ein einzelner „unlucky Shot“ war, doch er Anruf in er Zentrale ließ anderes vermuten... Weshalb wir jetzt selbst nachjustieren. Und sollten wir tatsächlich ein Ersatzteil oder einen Service benötigen, dürfen sich andere Münchner Radspezialisten über Umsatz freuen.

Was bedeutet das?

Für die Mobilitätswende ist das Fahrrad eines der allerwichtigsten Verkehrsmittel. Und es ist toll, wie stark das Angebot hier zuletzt wuchs und es ist auch toll, dass es große All-in-Fachhändler gibt. Wenn die den teuren Service, der im Standard schon fast 20% des Kaufpreises macht, aber derart vernachlässigen, ist das mehr als ärgerlich. Lucky bike – das war mal gar keine lucky Aktion!

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