Lucid Motors: Im Gespräch mit Peter Rawlinson

Der Lucid Air ist zwar eine Luxuslimousine, aber eine mit extrem nachhaltigem Ansatz. Das wurde im Gespräch mit Lucid-Gründer und –CEO Peter Rawlinson klar.

Lucid Motors eröffnete am Münchner Odeonsplatz seine erste Niederlassung in Europa. | Foto: Lucid Motors
Lucid Motors eröffnete am Münchner Odeonsplatz seine erste Niederlassung in Europa. | Foto: Lucid Motors
Gregor Soller

Wir trafen Peter Rawlinson am Vorabend der Eröffnung des ersten Lucid-Motor Stores am Odeonsplatz in München und der gebürtige Brite zeigte sich bestens gelaunt und freute sich sichtlich darauf, den Air jetzt auch nach Europa bringen zu können.

Und da Rawlinson Brite ist, steht bei ihm das Fahrverhalten ganz oben auf der Liste. Das umso besser sei, je leichter und direkter sich ein Auto fahren lasse. Entsprechend habe man alle Komponenten auf Größe und Gewicht optimiert. „Ich verstehe nicht, warum das nicht alle machen – gerade in der Elektromobilität ist das doch der entscheidende Punkt, um ein Fahrzeug agiler und damit auch viel effizienter und letztendlich nachhaltiger zu machen“, erklärt Rawlinson seinen Ansatz.

Denn auch Lucid Motors betrieb natürlich Benchmarking und bei einigen Modellen wunderte sich Rawlinson, wie weit Verbrenner und Stromer in Sachen Fahrverhalten auseinanderliegen: „Klar haben wir den schweren Akku, dafür sind andere Komponenten wie die Antriebe viel leichter“, erklärt er – und daraus könne man eben ganz neue Ideen für das Package entwickeln.

Auch die Tatsache, dass einige Elektromodelle innen bei weitem nicht so viel Platz bieten, wie es die Außenmaße und langen Radstände vermuten lassen, verwundert ihn. Denn den kleineren Bauraum sämtlicher Aggregate könne man leicht dem Innenraum zuschlagen, wofür er durchaus unkonventionelle Wege geht: „Der Vorderwagen des Air ist im Prinzip wie bei einem Mittelmotorsportwagen konzeptioniert“ verrät er – nur sehe er nicht so aus, da man hier noch Platz für einen großen Frunk unter einer klassischen Haube fand und den auch gebührend nutzte. Entsprechend weit nach vorn konnte man die Armaturentafel und die Vordersitze rücken, um die üppigen 3,10 Meter Radstand bestmöglich auszunutzen. Und tatsächlich wirkt der Lucid Air in der Praxis im Fond deutlich luftiger als ein Mercedes-Benz EQS mit 3,21 Metern Radstand.

Auch beim Gewicht hält der Lucid Air maß, auch wenn das relativ zu sehen ist: Doch mit gut 2,3 Tonnen liegt der Luxusliner eher am unteren Ende seiner Klasse, was abermals dem Fahrverhalten zuträglich ist. „Ich verstehe nicht, warum Elektromodelle tendenziell immer etwas ins Schwere und damit Ungelenkige tendieren müssen“, fragt sich Rawlinson schelmisch lächelnd und anmerkend, dass „einfach mehr von Allem am Ende eben nicht immer das beste Ergebnis bringe“.

Wie sehr dem Briten daran gelegen ist, zeigen viele Details am „Air“, angefangen von den 90-Grad zu öffnenden Portalen über die drahtdünnen Rückleuchten-LEDs bis hin zur ausgeklügelten Luftführung, die die Aerodynamik verbessert und so geleitet wird, dass sich der Luftstrom teils gar beschleunigt, um für eine bessere Komponentenkühlung zu sorgen. Auffällig auch der kleine Frontlidar und die ultraflachen LED-Scheinwerfer. Und das alles trotzdem alles elegant und zeitlos „kompakt“ verpackt: „Wir bieten den Raum einer echten Oberklasselimousine auf der Fläche der oberen Mittelklasse“ freut sich Rawlinson und wirbt damit einmal mehr für die These statt „bigger is better“ - „smarter is better“ zu denken.  

Im Video geht er nochmal auf die detaillierten Ansätze bei der Entwicklung des Air ein. 

Was bedeutet das?

Zwar ist er Lucid Air eine Luxuslimousine, aber eine extrem durchdachte. Und im Gespräch mit Rawlinson wird schnell klar, dass er jedes Detail in die Hand nahm, um sein Erstlingswerk in allen Kategorien besser zu machen als alle Konkurrenten – und dabei trotzdem niemanden zu verschrecken und alles in ein zeitloses Design zu gießen – was ein weiterer Bonuspunkt für das Thema Nachhaltigkeit ist.

Aussagen in diesem Video müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.
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