Lotus: Bis 2028 CO2-neutral

Lotus hat seine Pläne für die Zukunft vorgestellt: Schon bis 2028 will das Unternehmen klimaneutral werden, außerdem kündigte man den Emira an, welcher der letzte Verbrenner der Marke werden wird.

Lotus startet mit dem Emira in ein neues Zeitalter. | Foto: Lotus
Lotus startet mit dem Emira in ein neues Zeitalter. | Foto: Lotus
Gregor Soller

Lotus-Chef Feng Qingfeng bekannte sich klar zu den Lotus-Werten: Man werde weiterhin leichte, aerodynamische emotionale Fahrzeuge bauen, das seien die Kernwerte der Marke. Kritischer war in der Folge Lotus-Managing-Director Matt Windle, der erklärte, dass man in den vergangenen Jahren viele gute Ideen gehabt hätte, aber diese aber bisher eben nicht so richtig auf die Straßen gebracht hätte. In der Tat tat der Einstieg von Geely den Briten gut: Sie optimierten Fertigung und Programm, stellten das elektrische Hypercar Evija vor, mussten sich aber sonst mit dem bisherigen Programm auf der mittlerweile 25 Jahre alten Elise-Plattform begnügen. Jetzt legten die Briten einen konkreten Fahrplan bis 2028 vor – dann soll Lotus einen fulminanten 80. Geburtstag feiern – als klimaneutraler Konzern, der ausschließlich Elektro-Autos baut. Und Lotus will wieder mal raus aus der Nische des Kleinserienherstellers, hin zu einer globalen Sportwagenmarke mit mehreren – teils nicht ganz so spitz positionierten Produkten.

Die Produktion soll (endlich) massiv steigen

Das heißt bei den Briten: Fünfstellig! Denn aktuell verkauft man von allen drei Baureihen Elise, Exige und Evora keine 2.000 Einheiten im Jahr, im erträglichen und stückzahlbringenden Flottengeschäft kann man mit den Leichtbau-Reibeisen so gut wie gar keine Kunden abholen – bleiben enthusiastische Fans…dazu entwickelt man vier Plattformen und modernisiert die Anlagen weiter. Zusätzlich zum Geld kann man hier auch auf Großserien-Know-How von Geely zurückgreifen und hat mit LEVC und Volvo Cars auch europäische Markenkollegen. Nach dem elektrischen Hypercar Evija folgt im Juli 2021 der Emira als letzter Verbrenner. Er wird das komplette aktuelle Programm ablösen. Windle sagte dazu:

„Wir lieben Elise, Exige und Evora. Sie haben uns gut gedient."

Aber es sei an der Zeit Innovationen anzuschieben und neue Produkte zu bringen. Ganz offen gab Windle zu:

„Die Technik in diesen Autos ist alt. Sie passen nicht zu unserer neuen Arbeitsweise."

Denn in Hethel wird groß umgebaut samt neuer vollautomatischer Lackiererei. Zudem widme man die Gebäude in Hethel, wo Elise, Exige und Evora gebaut wurden, zur Vormontage um, wodurch Lotuis gar keinen Platz mehr für die alten Recken hätte. Stattdessen hat man vier(!) neue Plattformen entwickelt, was für einen Kleinserienhersteller wiederum sehr viel ist: Man beginnt mit der elektrischen Hypercar-Architektur und namentlich dem Evija. Diese Plattform kann auch anderen Hypercarherstellern angeboten werden und könnte sicher auch für Evija-Nachfolgemodelle weiterentwickelt werden. Nur ein kurzes Gastspiel mit dem Emira dürfte die letzte Verbrenner-Sportwagen-Plattform haben. Hier hat Lotus die Zeit überholt. Denn der Emira wird als letzter Verbrenner allein bleiben, soll aber den Absatz massiv ankurbeln: Die Kapazität in der neuen Montagehalle bietet knapp 5.000 Modelle pro Jahr. Dazu soll ein Motorsport-Ableger für die GT4-Klasse kommen – wieder in Mini-Stückzahlen. Die große Sportwagen-Zukunft plant man laut Windle aber mit der Elektro-Sportwagen-Architektur. Windle fordert dafür von seinen Ingenieuren:

„Ich habe ihnen die Aufgabe gestellt, dass der E-Sportwagen trotz der Batterien so schwer sein darf, wie der Emira. Die ersten Rauchzeichen, die ich sehe, machen mich optimistisch, dieses Ziel zu erreichen."

Lotus hat zum Gewicht des Emira noch nichts gesagt – aber da er in einer Klasse antritt, in der man mit rund 1,5 Tonnen plus minus x rechnen darf, dürften die neuen Lotus-Stromer eher 1,2 bis 1,3 Tonnen wiegen. Die Akkus packt man dazu nicht in den Unterboden, sondern stellt sie hinter den Fahrer in die Position eines Mittelmotors. So kann man weiter sehr tief sitzen, tut sich aber im Detail etwas schwerer mit der Gewichtsverteilung, was mit einem großen Unterflurakku in der Regel sehr einfach ist. Aus China kommen dagegen die echten Großserienmodelle auf der Premium-Architektur, die für Modelle jenseits der Sportwagen gedacht ist. Hier wird man erwartungsgemäß auf Geely-Know-How zurückgreifen.

Ganz und gar nicht (elektrifiziert): Evija und Emira

Gestartet wird jedoch mit dem Hypercar Evija: Vier E-Maschinen für 2000 PS Leistung, ein großer Akku und trotzdem „nur“ 1.680 Kilogramm Gewicht. Der Evija ist laut Windle „ein kleiner Gruppe-C-Rennwagen – nur mit Elektroantrieb". Eigentlich sollte der Evija schon in Produktion sein, doch da kam die Corona-Pandemie hat es verzögert. Trotzdem will man noch 2021 in Produktion starten. Am 6.7.2021 wird in Goodwood dann der Emira vorgestellt, der ebenfalls noch bis Jahresende in Produktion gehen sollte – gar nicht elektrifiziert, denn: Lotus will „keine halben Sachen mehr machen“. Denn die E-Komponenten und der Verbrenner treiben das Gewicht zu weit nach oben. Außerdem sei man für den Emira eine neue Partnerschaft eingegangen, Windle verriet aber noch nicht, mit wem. Fest steht: Man plant künftig Stromer mit Renault, wo diese Sportwagen als Alpine gebaut werden. Außerdem hält Lotus an der Kooperation mit Toyota fest: Der Emira dürfte den bekannten Sechszylinder-Kompressor von Toyota erhalten, dazu könnte ein Vierzylinder kommen, für en eigentlich Volvo respektive Geely etwas im Regal hätten. Dazu kommt die Wahl zwischen Handschalter oder Automatikgetriebe.

Das altehrwürdige Werk in Hethel wurde seit der Geely-Übernahme massiv um- und ausgebaut. Es gibt neben der erwähnten automatischen Lackiererei (endlich) automatisierte Produktionsstraßen, ein Erlebniszentrum für Kunden und ein Museum. Und man plant Online-Kanäle: Dank Digitalisierung will man den Kunden verstärkt maßgeschneiderte Angebote machen. Zusätzliches Volume möchte man außerdem generieren, indem man die Sportwagen-Plattformen auch anderen Herstellern anbietet. Und nach wie vor gibt es Lotus Engineering, wo man für externe Projekte konstruiert. In der Vergangenheit entstand so bei Opel zum Beispiel die Sportversion Lotus Omega.

Was bedeutet das?

Lotus fuhr mit extremem Leichtbau und der Fokussierung auf Sportwagen schon immer haarscharf auf des Messers Schneide. Zuletzt mit der leichten Elise-Basis, die für das ganze Programm herhalten musste und auch für den Opel Speedster und den ersten Tesla genutzt wurde. Jetzt wird wieder mal neu gestartet, wobei man die Tradition Leichtbau hoch hält. Doch künftig eben elektrisch – und auf Wunsch auch komfortabler und mit zusätzlichen Produkten: Dass Geely Geld und Geduld hat und den Marken trotzdem die nötigen Freiräume gönnt, hat man bei Volvo und LEVC bereits bewiesen.

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