Liux: E-Auto mit Karosserie aus Pflanzenbasis

Das spanische Unternehmen Liux wurde erst 2020 gegründet und will nach eigenen Angaben das Erste sein, das Autos ausschließlich aus nachhaltigen Materialien baut.

Das spanische Start-Up plant mit regionaler Montage und dezenten Stückzahlen. | Foto: Liux
Das spanische Start-Up plant mit regionaler Montage und dezenten Stückzahlen. | Foto: Liux
Gregor Soller

Laut dem Portal EVSpias liegt der Fokus von Liux auf der Produktion von Elektroautos mit nachhaltigen Materialien. Dahinter stecken unter anderem der Designer David Sancho Domingo und Architekt Antonio Espinosa de los Monteros. Und sie wollen (wieder mal) den Bau von Elektroautos revolutionieren. Die Fahrzeuge des Start-ups Liux sollen in Spanien hergestellt werden, „regional“ sozusagen, wie die beiden erklären:

„Wir wollen das erste Serienauto bauen, dessen Karosserie auf Pflanzen basiert, weil die Fasern und Harze alle aus Biokompositen und Biokunststoffen bestehen werden. So können wir die Wertschöpfungskette dieser Komponenten kontrollieren, und davon gibt es in Spanien viele.“

Die Plattform werde allerdings traditionelle Materialien nutzen und außerdem modular aufgebaut sein. Der Akku soll bei Liux nicht fest im Fahrzeug integriert sein, sondern aus herausnehmbaren Modulen bestehen. Die Speicherkapazitäten sollen zwischen 45 und 90 kWh betragen und aus China zugeliefert werden. Angaben zur Reichweite macht Liux noch keine.

Regionaler Ansatz, regionale Wertschöpfung, regionale Arbeitsplätze

Für die Produktion befindet man sich laut EVSpias in Gesprächen mit Vertretern mehrerer Gemeinden. In einem ersten Schritt sollen bereits ab 2023 bis zu 3.000 Elektroautos hergestellt werden, ab 2024 wären dann in Serie bis zu 50.000 Einheiten veranschlagt, womit man die erste Ausbaustufe zu 100 Prozent ausgelastet hätte. Die Idee: Die Profitabilität soll bereits mit 30.000 Fahrzeugen pro Jahr erreicht werden. Die geplanten Werke sollen dabei jeweils einen lokalen Fokus haben und die Industrie der Region unterstützen sowie den dortigen Bürgern Arbeitsplätze verschaffen.

Mit diesem Produktionskonzept sollen sich laut Espinosa große Einsparungen bei der Logistik und den CO2-Emissionen erzielen lassen. Die Modelle sollen karosserieseitig überwiegend aus nachwachsenden Naturfasern und -harzen gewonnenen Verbundmaterialen gefertigt werden. Mit der Beschränkung wenige Komponenten soll die Gesamtzahl der Bauteile um gut 25 Prozent sinken. Zudem sollen die fahrzeuge sehr einfach zu montieren und demontieren sein, sich leicht reparieren und natürlich recyceln lassen. Dazu setzt Liux auf Flexibilität, Modularität und einen von Mitgründer Sancho entwickelten Roboter, mit dem sich unterschiedliche Karosserieformen deutlich günstiger fertigen lassen sollen. In erster Linie gehe es darum, in den Fabriken maximal zehn der Roboter unterzubringen. Sancho erklärte dazu:

 „Man braucht keine 15 Millionen für Formen und Werkzeuge, um eine Fabrik einzurichten“.

Dezente Pläne für Stückzahlen, Arbeitsplätze und Equipment

In der ersten Phase des Projekts würden etwa 100 Arbeitsplätze geschaffen. Sobald sich das Projekt etabliert hat und die Kapazitäten ausgelastet sind, werde die Zahl der Arbeitsplätze auf höchstens 500 wachsen – mehr sind den Planungen von Espinosa und Sancho nach nicht erforderlich.

Ab 2023 will man mit einem noch kompakten CUV starten, der auch mit einem kleinen Verbrenner als Generator für mehr Reichweite ausgestattet werden kann. Ihm soll ein zweisitziges Stadt-Elektroauto vorgesehen. Dazu soll mittelfristig eine Limousine kommen. Der Vertrieb soll ausschließlich online Partner erfolgen.

Die Gründer von Liux geben an, bisher über eine Investition von zwei Millionen Euro aus ihrer ersten Finanzierungsrunde zur verfügen. Ein großer Teil stamme von dem balearischen Autovermieter OK Mobility, der auch der erste Kunde von Liux sein könnte. In weiteren Finanzierungsrunden soll noch mehr Kapital eingesammelt werden. Unterstützung kommt außerdem vom spanischen Industrieministerium.

Was bedeutet das?

Vor allem über die Karosserie und deren Fertigung sowie Regionalität will Liux punkten. Erste Skizzen zeigen ein optisch ausgereiftes Modell – doch gute Designskizzen und schlüssige Konzepte sind schnell erstellt. Jetzt brauch das Start-up schnell viel Geld, um die nicht ganz uninteressanten Pläne auch in die Tat umzusetzen. Die Frage ist nur, wie weit ein regionaler und dezent geplanter Ansatz dann trägt.

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