Lieferdienste: Bringt der Robo bald Pakete?

Langfristig könnten auf der letzten Meile Roboter-Boten entlasten – die KEP-Dienste bei Arbeitsaufwand und Kosten, aber auch die Städte beim Verkehr, meint eine Studie von EPG und der Hochschule Fulda.

Sieht so die City-Logistik der Zukunft aus? | Foto: EPG
Sieht so die City-Logistik der Zukunft aus? | Foto: EPG
Johannes Reichel
von Christine Harttmann

In einem Whitepaper befasst sich die Erhard und Partner Group (EPG) gemeinsam mit Prof. Dr. Boris Zimmermann von der Hochschule Fulda mit den Herausforderungen, mit denen sich die KEP-Branche zunehmend konfrontiert sieht. Die Logistikexperten geben zudem einen Einblick in verschiedene Zukunftsszenarien, die vielleicht schon bald Realität werden können. Aktuell müssen die KEP-Dienste im Alltag ein hohes Auftragsvolumen bewältigen, das – getrieben vom Online-Handel – stetig ansteigt.

Verschärfte Verkehrsprobleme: Parken in der 2. Reihe

Zugleich sinkt die Akzeptanz der Kunden gegenüber den Zustellern: Parken in zweiter Reihe, Luftverschmutzungen in der Innenstadt durch die Zustellfahrzeuge und kein Verständnis für höhere Lieferkosten sind nur einige Vorwürfe, denen sich Paketdienste stellen müssen. Hinzu kommt, dass die Zustellung einer Sendung zum Empfänger als der kosten- und zeitintensivste Abschnitt in der gesamten Logistikkette gilt. Die letzte Meile sei, so heißt es in dem White Paper, eine Herausforderung. Sie ist mit 50 Prozent der Gesamtkosten der teuerste Abschnitt der Logistikkette.

„Die aktuelle Situation für die Logistiker der letzten Meile lässt sich kurz und knapp so beschreiben: kurze Strecke, maximaler Aufwand. Damit sich diese Situation entspannt, haben wir uns auf die Suche nach Optimierungsmöglichkeiten gemacht und in unserem Whitepaper einige Zukunftsszenarien, wie beispielsweise die Zustellung per Transportdrohne oder Roboter, unter die Lupe genommen. Natürlich immer mit Blick auf eine sinnvolle Kosten-Nutzen-Verteilung“, erklärt Marcel Wilhelms, der für Beratungsdienstleistungen zuständige Geschäftsführer.

 

Zu den steigenden Zustellkosten kommen Kunden, die immer mehr Services wünschen, wie Same-Day-Delivery oder sogar Same-Hour-Delivery. Bereit dafür zu zahlen, seien allerdings die wenigsten, erläutert Dr. Boris Zimmermann, Professor an der Hochschule Fulda mit dem Spezialgebiet Logistik.

„Während die finanzielle Belastung auf der letzten Meile kontinuierlich steigt, können die Kosten aufgrund fehlender Akzeptanz nicht auf die Endkunden umgelegt werden. Das setzt KEP-Dienstleister unter Druck. Damit es nicht zum Kollaps des KEP-Systems kommt, müssen zusätzlich zu bereits etablierten Lösungen dringend neue Strategien entwickelt werden, die für Entlastung sorgen“, meint Zimmermann weiter.

Im Whitepaper beleuchten die Experten neben möglichen Alternativen für die letzte Meile der Logistik und auch das Thema Datentransparenz. Das bedeutet, dass alle Beteiligten der Supply Chain Zugriff auf relevante Informationen haben müssen, um sich abzustimmen und die Bestellung schnellstmöglich zuzustellen. Wichtig ist dabei auch ein ungestörter Datenfluss, sodass Informationen in Echtzeit abgerufen werden können – sowohl vom zuständigen KEP-Dienstleister als auch von Kundenseite.

„Mithilfe smarter IT-Plattformen ist dieses Szenario schon heute mit überschaubarem Aufwand realisierbar“, ergänzt Marcel Wilhelms.

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