Lexus RZ: Optional mit Yoke-Lenkrad!

In Barcelona präsentierte Lexus den RZ – und setzt mit dem optionalen Yoke-Lenkrad, dass per Steer-by-wire auf die Vorderräder wirkt, ein kleines wildes Ausrufezeichen, blieb sich sonst aber weitgehend treu.

Der neue RZ ist das zweite Elektromodell von Lexus. | Foto: G. Soller
Der neue RZ ist das zweite Elektromodell von Lexus. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Wilde Spoilerecken am hinteren Dach, welche aus den Scharnieren der Heckklappe herauslaufen kennzeichnen den neuen Lexus RZ. Mit 4.805x1.895x1.635 Millimeter bei 2.850 Millimeter Radstand zielt er exakt auf die obere Mittelklasse der Premium-Elektro-SUV. Optisch erinnert er von den Proportionen an den Toyota bZ4X mit dem er sich die effiziente e-TINGA-Plattform und den Radstand teilt. Und wie der Toyo bleibt auch der Lexus bescheiden, was Akkugröße und Leistung angeht: 96 Zellen bieten 71,4 kWh Kapazität, was dank günstiger Verbräuche um die 18 kW/100 km für über 400 Kilometer nach WLTP reichen soll. Und der Akku soll lange halten: Lexus geht davon aus, dass die Batterie des RZ nach zehn Jahren noch mehr als 90 % ihrer Kapazität bieten wird. Könnte klappen, wenn man die Aussagen anderer Premiumhersteller zur Akkulebensdauer berücksichtigt.

Lexus bietet mehrere Fahrmodi an: Der Reichweitenmodus baut auf den Energiespareinstellungen des ECO-Modus auf und soll bestimmte Fahrzeugeinstellungen weiter anpassen: Die Geschwindigkeit wird begrenzt, eine andere Leistungsverteilung wird aktiviert und die Klimaanlage abgeschaltet. Durch den Fokus auf Schlüsselfaktoren wie die Optimierung des Gewichts, Batterieleistung und Performance liegt der Zielverbrauch des RZ bei 18,1 kWh pro 100 km.

Angetrieben wird der RZ mit zwei E-Maschinen, die 150 kW vorn und 80 kW hinten leisten, das sind 230 kW respektive 313 PS. Da kombiniert die marke im Prinzip den "starken" vorderen bZ4-Fronttriebler-Antrieb mit dem Heckantrieb des bZ4X. Dazu kommen 435 Nm Kraft. Dabei kann das Direct-4 genannte Antriebssystem die ganze Kraft nach vorn, nach hinten oder an alle Räder verteilen. Direct4 nutzt Steuergerätesensoren, um Geschwindigkeit, Lenkwinkel und G-Kräfte zu erfassen und auszuwerten. Aus diesen Daten berechnet es das passende Antriebsmoment für jede E-Achse, um Grip und Traktion zu maximieren. Die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse kann innerhalb von Millisekunden im Bereich zwischen 0:100 und 100:0 angepasst werden – schneller als mit jedem mechanischen System.

Mechanik ist auch beim optionalen Yoke-Lenkrad passé: Per Steer by wire schlägt man mit geringem Winkel ein. Die variable Lenkübersetzung soll dabei ein Umgreifen auch in Haarnadelkurven obsolet machen. Das optionale „One Motion Grip“ System mit dem Yoke-Lenkrad soll von der mittleren Position bis zum linken oder rechten Anschlag laut Lexus nur eine 150-Grad-Drehung erfordern; ein Übergreifen der Hand ist nicht notwendig. Das Yoke-Lenkrad wurde unter Mitwirkung der Takumi-Fahrer von Lexus entwickelt: Es verbessert auch die Sicht auf die Instrumente die Straße. Außerdem nutzte es Lexus, um die Anzeigen höher und weiter entfernt zu platzieren, als es mit einem herkömmlichen Lenkrad möglich wäre. Dies soll die Augenbewegungen reduzieren und dazu beitragen, dass der Fahrer seine Aufmerksamkeit auf die Straße richten kann.

Tazuna: Die Kunst der minimalen Zügelbewegung

Für das gesamte leicht zum Fahrer geneigte Cockpit hat Lexus das Tazuna-Konzept weiterentwickelt, so dass nur minimale Hand- und Augenbewegungen erforderlich sein sollen, um die Fahrzeugfunktionen zu bedienen. Tazuna beschreibt im japanischen, wie ein Reiter ein Pferd mit minimalen Bewegungen der Zügel kontrolliert. Wir sind gespannt auf die Fahrpräsentation.

Und nehmen hinter dem flugzeugähnlichen Steuer Platz um festzustellen, dass der RZ auf allen vier Plätzen wirklich viel Raum bietet! Dahinter gibt es einen großen Kofferraum – für die Fernreise ist man also gerüstet. Das Dach verfügt über eine elektrische Verdunkelungsfunktion, die mit einer einfachen Berührung von transparent auf opak umschaltet, wofür etwas Energie nötig ist – dafür können Rollos entfallen und man hat mehr Kopffreiheit. Aber auch ans Heizen hat Lexus gedacht: Zwei neue „Heizstrahler“ befinden sich auf Kniehöhe vor Fahrer und Beifahrer unter der Lenksäule und der unteren Instrumententafel. Sie sollen für wohlige Wärme sorgen und gegenüber der Standardheizung immerhin bis zu acht Prozent Strom sparen. Zusätzlich zu den Sitzheizungen und dem beheizten Lenkrad tragen sie laut Lexus dazu bei, dass sich der Innenraum schneller erwärmen soll und sich „die Wärme wie eine Decke um die Beine legt“.

Auch bei Multimedia tat Lexus wieder einen Step: Der RZ ist mit der neuen Multimedia-Plattform Lexus Smart Connect ausgestattet, die eine schnellere und intuitivere Bedienung sowie erweiterte Funktionen für Konnektivität, effiziente Reiseplanung und Informationen bieten soll.

Proaktiv: Der Fahrassistent – hilfreich beim Yoke-Lenkrad

Und last but not least ging man auch bei der Sicherheit einen Schritt weiter: Erstmals mit dem neuen RZ führt Lexus den proaktiven Fahrassistent mit Lenkunterstützung ein und einen Monitor, der das Fahrverhalten auf Anzeichen von Müdigkeit oder Ablenkung überprüft. Der proaktive Fahrassistent bestimmt mit Hilfe der Frontkamera den Winkel von Kurven und passt die Lenkung beim Anfahren und Einbiegen entsprechend an., was vor allem beim Yoke-Lenkrad hilfreich sein dürfte.

Aber Lexus wäre nicht Lexus, hätte man nicht auch für Detail wie die Türschnallen neue Ideen, hier E-Latch-System mit Safe Exit Assist genannt. Heißt: Man nutzt eine leichtgängige, elektromechanische Türöffnung, die per Tastendruck bedient wird. Ein Vorteil, vor allem wenn man Kinder oder eilige Fahrgäste im Fond hat: Das System ist mit dem Totwinkel-Assistenten verbunden. Erkennt dieser einen Fahrradfahrer oder andere Verkehrsteilnehmer, die sich von hinten nähern, verhindert er ein Entriegeln der Türen. Das System soll laut Lexus dazu beitragen, 95 Prozent der Unfälle zu verhindern, die durch das Öffnen von Fahrzeugtüren verursacht werden. Außerdem ist ein digitaler Rückspiegel erhältlich, der dem Fahrer ein klares Sichtfeld bietet, das nicht durch Kopfstützen oder Gepäckstücke beeinträchtigt wird. Auch bei Nacht oder schlechten Witterungsbedingungen bietet das System eine bessere Sicht als der Standard-Innenspiegel. Dieses kennt man so auch von Jaguar Land Rover.

Bestellt werden kann ab 20.4.2022, geliefert werden soll ab Ende des Jahres. Für 2023 erwartet Lexus europaweit 6.000-RZ-Verkäufe und bleibt damit so japanisch-bescheiden wie der ganze RZ. Der vor allem durch Vernunft punktet, die aber teils wild verpackt wurde.  

Was bedeutet das?

Mit dem RZ startet Lexus vergleichsweise spät aber nicht zu spät ins umkämpfte Elektro-SUV-Premiumsegment der oberen Mittelklasse. Und setzt den Konkurrenten ein vergleichsweise vernünftiges Package mit einigen wilden Highlights entgegen. Dass der RZ sehr eng mit dem bZ4X verwandt ist, kann er an manchen Stellen (Proportionen, Radstand, Antrieb, Akku) nicht verleugnen. 

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