Langstrecken-Tour im VW ID.3: Elektro läuft schon ziemlich gut

Zwischenbilanz der Tour von Rainer Zietlow nach 14.000 Kilometern im VW ID.3 mit 77 kWh-Akku: Die Ladeleistung von 125 kW wird oft genutzt, Strecken von 420 Kilometer am Stück sind mal drin.

Ladestopp in München, Rainer Zietlow (links) trifft sich mit has.to.be-CSO Tobias Scharfen im Werk 12: In den ehemaligen Pfanniwerken im Osten der Landeshauptstadt ist ein lebendigen New-Technology-Areal entstanden, inklusive Ladeinfrastruktur, versteht sich. | Foto: has·to·be
Ladestopp in München, Rainer Zietlow (links) trifft sich mit has.to.be-CSO Tobias Scharfen im Werk 12: In den ehemaligen Pfanniwerken im Osten der Landeshauptstadt ist ein lebendigen New-Technology-Areal entstanden, inklusive Ladeinfrastruktur, versteht sich. | Foto: has·to·be
Johannes Reichel

Wie schlägt sich ein modernes Elektroauto auf der Langstrecke? Das ist die Zielsetzung bei der Marathonfahrt des Mannheimer Rekordfahrer Rainer Zietlow und Beifahrers Dominic Brüner, die den neuen VW ID.3 auf einer einer zweimonatigen Tour durch die Republik einem Praxistest unterziehen. Dabei wollen sie sowohl die Langstreckentauglichkeit des ersten E-Fahrzeugs auf MEB-Plattform prüfen als auch die Ladeinfrastruktur in Deutschland. Zum Einsatz kommt dabei ein Vorserienmodell des ID.3 Pro S2 mit 77 kWh Batteriekapazität, das bis zu 549 km Reichweite im WLTP-Zyklus bieten soll und im Frühjahr 2021 auf den Markt kommt.

Erstaunlich oft klappt High-Power-Charging

Zur Halbzeitbilanz ergibt sich nach mehr als 14.000 zurückgelegten Kilometern ein laut Hersteller positives Bild. Die maximale Ladeleistung von 125 Kilowatt könne bei den meisten der mehr als 350 bislang getesteten Schnellladesäulen verschiedenster Anbieter genutzt werden. So sei das Fahrzeug binnen 45 Minuten geladen. Es gebe noch kleinere "weisse" Flecken im Ladenetz. Der Zugang durch das We Charge-Bezahlsystem von Volkswagen habe markenübergreifend funktioniert.

„Wir ernten viele neugierige Blicke und werden vor allem an den Schnellladesäulen oft von Interessenten angesprochen“, blickt Rainer Zietlow auf die ersten 350 Stopps zurück.

Man merke, dass e-Mobilität ein großes Thema sei und viel Informationsbedarf bestehe, meint Zietlow weiter. Außerdem stellt er fest, dass beim E-Auto-Fahren der Community-Gedanke nach wie vor sehr ausgeprägt sei. Man komme rasch ins Gespräch und tausche sich über die Erfahrungen aus, erzählt Zietlow bei einem Web-Talk des Tour-Partners und Co-Sponsors has.to.be. Er kann sich durchaus auch für die Ladetechnik selbst begeistern:

"Was 350 kW leisten können, spürt man förmlich während des Ladens, wenn da die ganze Power ins Auto fließt.Die Leitung vibriert und wird warm, einfach ein sehr spannendes Erlebnis, schwärmt Zietlow.

Bestandsaufnahme in Sachen Ladeinfrastruktur

Die Tour durch die Republik solle insofern auch eine Bestandsaufnahme liefern, wo Deutschland in Sachen Ladeinfrastruktur derzeit steht. Zietlow will vor allem wissen, wie der elektrische Alltag sowohl in großen Städten wie Frankfurt oder Dresden, aber auch auf dem Land funktioniert.

„Interessant ist zum Beispiel, dass wir ausgerechnet im Stadtverkehr am wenigsten Energie verbrauchen, wo Verbrennungsmotoren konventioneller Autos am meisten schlucken. Bei unserem ID.31 sind es 15 kW/h auf 100 km. Je nach Anbieter entspricht das Stromkosten von etwa vier Euro. Im Mittel liegen wir bislang bei knapp 20 kW/h Verbrauch“, bilanziert der Langstreckenspezialist.

Obwohl für die Marathonfahrer nach ihrem Tourplan des Instituts für Transportlogistik (ITL) an der Technischen Universität Dortmund meist der Weg von einer Schnellladesäule zur nächsten im Fokus steht, gab es für das Team zwischendurch auch mal auch Durststrecken. "Wir sind an einem Transfertag schon mal ohne Zwischenladen 420 km am Stück gefahren“, erzählt Zietlow. Sofern man es jedenfalls nicht zu sehr "rauchen" lasse und vernünftig mit 110 bis 120 km/h dahonstromere, wie der Langstreckenprofi bei einer Webkonferenz des Tour-Partners und E-Mobilitäts-Spezialisten has.to.be bestätigt.

Das ist eben anders als die klassische Fahrt zur Tankstelle. Jetzt lädt man, wann immer man kann, egal wo man ist und sucht im Zweifel eine Parkmöglichkeit aus, an der es eben auch eine Lademöglichkeit gibt“, meint Zietlow realistisch. 

Letzte Bastion des Verbrenners: Schnelle Fernfahrten

Hierin sieht der Marathon-Fahrer auch noch das größte Hindernis, wenn es um Fernstreckenanwendungen in Flotten, etwa bei Handelsvertretern gehe, bei denen es auf ein gewisses Tempo und größte Pünktlichkeit ankomme. Die Fahrt in einem E-Auto erfordere auch nach wie vor eine gewisse Planung und Ladestrategie, teils müsse man auch Wartezeit an Ladesäulen in Kauf nehmen. Das sei möglicherweise die letzte "Domäne" für den Verbrennungsmotor, die aber schnell kleiner werde. Er sieht eine rasante Entwicklung in Sachen Lade- und Akkutechnik und den Beginn einer neuen Ära der Mobilität. Das sei eine Frage von wenigen Jahren, bis E-Fahrzeuge hier konkurrenzfähig seien. Mit der steigenden Anzahl an E-Automodellen und Fokus auf E-Mobilität steige auch der Druck auf die Industrie,die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen. Die neue Ära hatlängst begonnen, ist sich Zietlow sicher.

Nicht nur der Druck auf die Industrie steigt, sondern auchauf all jene, die große Parkflächen zur Verfügung haben und Ladeinfrastruktur anbieten müssen, beispielsweise Handelsunternehmer und Arbeitgeber. Die Gesellschaft bewegt sich stark in Richtung nachhaltiger Lifestyle, alte Verhaltensmuster werden abgelegt und ein E-Auto zu fahren ist ,in'", glaubt Tobias Scharfen, CSO bei has·to·be fügt.

Wichtig sei, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur für den privaten wie auch beruflichen Sektor jederzeit einsatzbereit seien. Damit einher gehe auch, dass neben dem weiteren Ausbau des Ladenetzes E-Mobilitätsservices verlässliches und barrierefreies Laden ermöglichen müssten, ergänzt COO Maximilian Huber.

Tolle Performance, agiles Handling

Auf das dann bevorzugt moderate Autobahntempo zu kommen, sei kein Problem: "Die Performance in Sachen Beschleunigung ist überragend, der Fahrspaß dank hoher Agilität enorm, erst recht für ein zwei Tonnen schweres Fahrzeug", schwärmt Zietlow. Anfang Dezember wollen die beiden Piloten ihr Tourziel Sylt erreichen, nach mehr als 20.000 Kilometern und etwa 650 getesteten Ladestationen.

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