Landkreis Groß-Gerau will Busflotte mit grünem Wasserstoff betreiben

Bis zum Jahr 2030 soll die komplette LNVG-Flotte emissionsfrei operieren, mit grünem Wasserstoff aus der Stadtwerke-eigenen Anlage.

Im Energiepark Mainz könnte zukünftig der Wasserstoff für die LNVG-Brennstoffzellenbusse regenerativ erzeugt werden. (Foto: Siemens AG)
Im Energiepark Mainz könnte zukünftig der Wasserstoff für die LNVG-Brennstoffzellenbusse regenerativ erzeugt werden. (Foto: Siemens AG)
Johannes Reichel
von Claus Bünnagel

Im Energiepark im Stadtteil Hechtsheim produzieren die Mainzer Stadtwerke AG (MSW) und Linde schon seit 2015 Wasserstoff per Elektrolyse – mit einer 6-MW-Anlage, die größte ihrer Art weltweit und gespeist rein aus regenerativer Energieerzeugung. Daran partizipieren möchte nun auch der Landkreis Groß-Gerau südöstlich von Mainz. Die lokale Nahverkehrsgesellschaft des Kreises Groß-Gerau (LNVG) plant mittelfristig die Umstellung des gesamten Linienbetriebs auf Wasserstoff. 

Der Kreis Groß-Gerau arbeitet mit Hochdruck an der nachhaltigen Nutzung emissionsfreier Antriebe für den öffentlichen Nahverkehr. Der Einsatz des ersten Brennstoffzellenbusses im Linienverkehr im Mai 2020 ist das erhoffte Aufbruchssignal für eine Umstellung auf nichtfossile Energieträger. Dass wir mit dem ÜWG nun beim Energiepark Mainz andocken können, ist ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung. (Landrat Thomas Will)

Unser ehrgeiziges Ziel bleibt: Wir möchten bis 2030 eine emissionsfreie Busflotte auf den Linien des Kreises fahren sehen. (Erster Kreisbeigeordneter Walter Astheimer)

Wasserstofftankstelle in Planung

Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG), initialer Ideengeber für den Energiepark Mainz, begleitet aktuell unterstützend beispielsweise die Vorplanungen zum Bau einer Wasserstofftankstelle für die LNVG. Bis Ende des Jahres soll ein konkretes Betankungskonzept erstellt werden. 

Darüber hinaus möchte sich die ÜWG an einem Forschungsprojekt beteiligen, bei dem im Landkreis Groß-Gerau erste Erfahrungen mit der Bereitstellung von Wasserstoff im Linienbusbetrieb gesammelt werden soll. Die Reputation der ÜWG im Bereich Wasserstoff zeigt sich auch daran, dass die Überlandwerk Groß-Gerau GmbH seit Herbst 2020 die Geschäfte des Vereins „Wasserstoff- und Brennstoffzelleninitiative Hessen e.V.“ führt und inzwischen auch den operativen Betrieb der Geschäftsstelle von der LandesEnergieAgentur (LEA) übernommen hat. 

Energiepark Mainz

2013 war der Energiepark Mainz als gemeinsames Forschungsvorhaben der Partner Linde, Siemens und MSW unter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule RheinMain mit finanzieller Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums gestartet. Der in Hechtsheim aus erneuerbarem Strom produzierte Wasserstoff wird teils ins Erdgasnetz eingespeist, teils per Trailer zu Anwendern in Industrie und Mobilität transportiert. Die Anlage arbeitet seit Ende der Forschungs- und Förderphase 2017 im kommerziellen Betrieb. Sie wird seitdem von der Mainzer Stadtwerke AG und der Linde GmbH gemeinsam betrieben. 

Die Stadtwerke nutzen die in dem Projekt gewonnene Erfahrung bereits seit mehreren Jahren dazu, elektrolytisch erzeugten Wasserstoff als ein künftiges Element zur CO2-freien Versorgung der Sektoren Strom, Gas, Wärme, Verkehr und Industrie einzusetzen. So wird ein Teil des in Hechtsheim produzierten Wasserstoffs in eine vorhandene Erdgasleitung eingespeist und ersetzt im benachbarten Stadtteil Ebersheim in rund 1.000 Haushalten ein Teil des Erdgases. Technisch ist die Beimengung von bis zu 10 % Wasserstoff ins Erdgasnetz möglich. 

Tankstelle bei der ESWE in Wiesbaden

Wie die ÜWG, so sehen auch die Mainzer Stadtwerke im Bereich des emissionsfreien ÖPNV und Schwerlastverkehrs große Potenziale für die Nutzung von regenerativ erzeugtem Wasserstoff. Hierzu hat MSW über die Mainzer Verkehrsgesellschaft in Kooperation mit der ESWE Verkehrsgesellschaft in Wiesbaden bereits eine gemeinsame Betriebstankstelle für Brennstoffzellenbusse errichtet. Die ersten Linienbusse in Mainz und Wiesbaden fuhren bereits mit Wasserstoff. Beide Verkehrsunternehmen rechts und links des Rheins planen den Kauf weiterer Brennstoffzellenlinienbusse.

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