Land Rover Defender: Weihnachtsgeschenk an die Fans

Kurz vor Jahresschluss gab Land Rover noch Preise und Details zum neuen Defender bekannt, der in einer Mildhybridversion startet. Der Plug-in-Hybrid soll ab 2021 nachgereicht werden.

Eines der ersten Vorserienmodelle brachte Land Rover nach München. | Foto: G. Soller
Eines der ersten Vorserienmodelle brachte Land Rover nach München. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Im Januar 2020 startet die Produktion des neuen Land Rover Defender im slowakischen Nitra. Kurz davor standen noch erste Offroad-Mitfahrten in Großbritannien und weitere statische Präsentationen, unter anderem in München an. Also in Ruhe Platz nehmen und sich von den Kompetenzen des Neuen überzeugen. Die liegen offroadseitig höher als beim Vorgänger: Mit Luftfederung (Serie beim 110) bietet er bis zu 291 Millimeter Bodenfreiheit, 900 Millimeter Wattiefe und Böschungswinkel von 38 Grad vorn und 40 Grad hinten. Die Steigfähigkeit beträgt 45 Grad, also 100 Prozent. Dazu kommen bis zu 500 Millimeter Verschränkung, 900 Kilogramm Zuladung und maximal 3,5 Tonnen Anhängelast gebremst. Und natürlich zwei Differenziale mittig und hinten, wobei sich das mittlere per Knopfdruck sperren lässt, an der Hinterachse geschieht dies automatisch.

Klassisch: Verteilergetriebe und Untersetzung - das ganze auf der "Hardcore"-D7X-Plattform

Und ein Verteilergetriebe mit Untersetzung ist auch an Bord. Womit fest steht: Auch dieser Defender ist vorwiegend für harte Einsätze offroad gemacht, auch wenn er sich dank Einzelradaufhängung jetzt auch auf der Straße um Lichtjahre besser fährt als der Vorgänger. Und da man offroad gern selbst Herr über das Geschehen bleibt, gibt es zusätzlich bis zu sechs vorwählbare Fahrprogramme, mit denen die Testfahrer auf dem Proving-Ground im britischen Gaydon mit Leichtigkeit diverse Offroad-Parcoure durchpflügen. Auch zwei Sprunghügel haben sie, an dem der Defender 110 auf gut 110 km/h hochgezogen wird, bevor er abhebt – und ganz dezent wieder auf den luftgefederten Rädern landet: Einmal kurz gut einfedern und es geht weiter. Dazu trägt auch die D7X-Plattform bei, die dreimal so steif wie herkömmliche Karosserie-auf-Chassis-Lösungen bauen soll – das X steht hier für „extreme“.

Extrem kann der Landy also ohne dem Fahrer so Extremes abzuverlangen wie der Vorgänger: In dem saß man eigentlich immer bescheiden viel zu weit außen und hatte ordentlich Arbeit und Sound. Alles vorbei: Zwar sitzt man immer noch weit außen, um offroad leichter aus dem Fenster sehen zu können und mittig Platz für einen optionalen dritten Sitz zu schaffen, aber die Ergonomie erinnert jetzt eher an Produkt des VW-Konzerns: Man Alles passt auf Anhieb und kein Bedienelement gibt Rätsel auf – bis auf manche Untermenüs auf dem Zentralscreen vielleicht, aber die braucht man ohnehin eher selten. Dafür kann man den Defender theoretisch nach wie vor per Gartenschlauch durchwaschen falls nötig und viele Komponenten wie die Türverkleidungen sind gut sichtbar angeschraubt. Dank gut drei Meter Radstand im 110 und einer leider etwas aus den Fugen geratenen Breite von exakt zwei Metern (2008 Millimeter um genau zu sein) finden insgesamt fünf Personen gut Platz – zur Not auch sechs, ordert man den dritten Sitz vorn dazu. Optional gibt es beim 110 auch Extra-Sitze im Fond.

Der Sechszylinder-Benziner startet als Mildhybrid

Unter der Haube startet man mit den Ingenium-Benzinern und Dieseln, die aufgrund der schieren Größe und prinzipellen Hardcore-Auslegung natürlich alle nicht wirklich sparsam sein können. Es geht los mit dem Sd4 mit 200 PS, der als Defender 90 mit 7,5 Litern Diesel gerade noch 199 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Als 110 liegt man dann bei 7,6 bis 7,7 Litern, was 199 bis 204 Gramm sind. Die 240-PS-Version braucht auf dem Papier übrigens nicht mehr – reell dürfte man je nach Einsatz eher zwischen 8,5 und 28,5 Litern unterwegs sein – der letzte Wert kann in extremem Gelände schon mal zustande kommen – im Alltag sollten weniger als 10l/100 km aber die Regel sein.

Die Benziner starten mit dem Si4 mit 300 PS, der mit 9,9 bis 10,2 Litern angegeben ist, was 227 bis 234 Gramm Co2 pro Kilometer sind. Spannender ist aber der 48-Volt-Mildhybrid I6 mit 400 PS, der dank 0,2 kWH-Akku 9,6 bis 9,9 l/100 km verbrauchen soll, das sind 220 bis 226 Gramm CO2. Reell dürfte man aber eher mit elf Litern plus x rechnen müssen. Viel sparsamer und steuerlich günstiger dürfte der Plug-In-Hybrid werden, der aber erst 2021 folgt.

Die Preise starten bei gut 46.700 Euro netto.

Die Preise starten bei 46.722,69 Euro netto für die 110-Basisversion, womit sich der Defender exakt zwischen die Ikonen Jeep Wrangler und Mercedes G einordnet. Darunter gäbe es im Hardcore-Segment noch den Suzuki Jimny und alle vier Modelle vereint eine hohe Nachfrage. Womit wir bei der Krux der kompetenten Geländegänger wären: Im Alltag erkauft man sich noch immer aerodynamische und gewichtsseitige Nachteile (der Defender 110 startet bei gut 2,3 Tonnen Leergewicht), dafür kann man mit ihnen theoretisch überall hinfahren. Und im Gegensatz zu den vielen SUV könnten sie das Versprechen der ganz großen Freiheit auch einlösen. Weshalb Land Rover auch 170 Posten ins Zubehör gehoben hat, inklusive „Satteltaschen“ an den Heckfenstern, Dachzelt (300 Kilo Dachlast im Stand) und fernbedienbarer Seilwinde. Überhaupt merkt man dem Auto an vielen Kleinigkeiten die Liebe zum Detail und die hohe Praxistauglichkeit an. Womit der Defender echt „far beyond“ des Alltages eingesetzt werden kann, zumal er auch wieder als abgespeckte Nutzfahrzeugversion kommen wird.

Ein Erfolg wird er trotzdem werden: Schon jetzt liegt der Bestelleingang höher als von Land Rover geplant auch wenn das größte Problem des Defender seine schiere Größe ist. Die in den USA und China relativ gesehen wird: Hier könnte man laut Insidern auch noch eine Version oben aufs Programm aufsetzen, denn die Pritschenversionen gab es ja auch als 130er-Version…

Was bedeutet das?

Nur wenige Autos pendeln so stark zwischen Vernunft und Irrsinn wie der Defender: Als Hardcore-Werkzeug für abseitige Einsätze ist er höchst qualifiziert, doch im Alltag trägt ihm genau das Probleme ein. Trotzdem oder gerade deshalb erzeugt er dank vieler durchdachter Details einen „Haben-Wollen“-Effekt, der sich in den Absatzzahlen bereits jetzt wiederspiegelt. Trotzdem ist den Briten damit ein gelungener Nachfolger einer Ikone gelungen – wenn er doch nur etwas kleiner, leichter,  günstiger und sparsamer wäre!

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