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Lancia Pu+Ra HPE: Welcome back mit wilder Studie

„Pure“ and „radical“ will Lancia nach der Rückkehr in mehrere Märkte werden: In Dreieich gab die 116 Jahre alte Marke jetzt mit einer Sitzprobe in der Konzeptstudie „Pu+Ra“ HPE ihr Comeback. Wir saßen schon mal drin.

Der Pu+Ra HPE ist sogar fahrfähig - offiziell steht er auf der neuen Stellantis Medium Plattform, die es aber noch gar nicht gibt. | Foto: Lancia
Der Pu+Ra HPE ist sogar fahrfähig - offiziell steht er auf der neuen Stellantis Medium Plattform, die es aber noch gar nicht gibt. | Foto: Lancia
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Gregor Soller

Ein Heck wie am Stratos, Plüschsitze wie im Gamma und eine Front – ganz neu! Das ist Lancias Studie Pu+Ra, die dezent fahrfähig über das Gelände in Dreieich rollte. Offiziell steht sie auf der neuen Stellantis-Medium-Plattform und baut mit 4,45 Metern in etwas so lang wie die einstigen Beta-Coupés samt HPE.

Leuchtende Samtstoffe erinnern an klassische Lancia

Wir lassen uns in einen der leuchtend gelben Plüschsesel, die mit Cassina entwickelt wurden, fallen und stellen fest: Sehr bequem, aber etwas Verstellbereich der Rückenlehne täte gut. Die Sitzbezüge erinnern an einen für frühere Lancia typischen ockerfarbenen Samt. Dieser Stoff wurde von Cassina neu interpretiert und modernisiert. Die Bezüge verfügen über eine Zertifizierung durch das Umweltinstitut GreenGuard, die in der Herstellung niedrige chemische Emissionen und geringen Einfluss auf die globale Erwärmung bestätigen. Das schwere hochwertige Volant deutet an, dass es nicht nur Fake ist, sondern angepackt werden kann und will und in der Mitte gibt es eine schlanke Verstellleiste für die Sitze und für die Fahrtwahl.

Die Pedale? Nicht italienisch auch für ganz große Füße geeignet mit italienisch kurzen Wegen. Die Übersicht ist dank viel Glas rundum erstaunlich gut und die Streifen am Heck sorgen für ein wohliges Gefühl – sie umschließen zwei weiche, graue, plüschige Rücksitzhöhlen. Außerdem umhüllt eine Hutablage die hinteren Sitze mit einer innovativen Intarsie aus einem speziellen Holz. Dieses wird aus Holzresten hergestellt, in einem vom italienischen Nachhaltigkeitsspezialisten Tabu entwickelten Verfahren. Erfahrene Tischler fertigen aus dem Rohmaterial originelle Werkstücke, beispielsweise für das Interieur des Lancia Pu+Ra HPE.

Eklektizismus pur: Deshalb stellt Lancia einen Bartisch ins Auto

Womit wir beim Eklektizismus wären. Der steht beim Lancia Pu+Ra HPE unter anderem für die Fähigkeit, Materialien aus verschiedenen, nicht-automobilen Bereichen zu schöpfen. So ist die an einen Couchtisch erinnernde Ablage auf der Mittelkonsole aus M49 BioAcetate Renew gefertigt, einem Cellulose-Acetat. Dieser thermoplastische Kunststoff ist in der Modewelt weit verbreitet, beispielsweise bei Brillen. Cellulose-Acetat lässt sich in scheinbar unendlichen Stilen, Farben, Effekten und Grafiken verarbeiten.

Türverkleidungen aus Marm/More

Und die Türverkleidungen bestehen aus Marm\More. Dieser Begriff kombiniert den Stein Marmor mit dem englischen Wort für mehr (more). Es verleiht Marmor einen Mehrwert, weil seine Verarbeitung eine neue und andere Wahrnehmung des Materials schafft. Marm/More besteht zur Hälfte aus bei der Marmorherstellung anfallenden Pulver und recyceltem Stoff. Man kann es in natürlichen Farben einfärben. Es fühlt sich wärmer und weicher an als echter Marmor, ist aber dennoch wasserfest. Das Material wurde vom Textil- und Chemieunternehmen Limonta und dem Mode-Startup Fili Pari entwickelt.

Auffällig auch das abklappbare Infotainment auf der Mittelkonsole, welche im Fortgang durch zwei Bistrotischchen vorn und im Fond ergänzt wird. Bei kaum einem Fahrzeug hat man die Wohnwelten bisher so stark und wenig verändert integriert.

Unsere Füße betten wir auf weichen Teppichen, in dem Fall handgefertigt aus reiner Wolle. Ihre runde Form mit 3D-Effekten nimmt stilistische Merkmale der Armaturentafel und der Ablage auf der Mittelkonsole auf.

S.A.L.A: Lancias „Wohnzimmer“ im Auto - mit KI

Die Studie Lancia Pu+Ra HPE ist außerdem das erste Fahrzeug, das mit der virtuellen Schnittstelle S.A.L.A. ausgestattet ist, die auch im neuen Ypsilon zu finden sein wird. S.A.L.A. bedeutet im Italienischen so viel wie Wohnzimmer. Die vier Buchstaben stehen gleichzeitig als Abkürzung für Sound, Air, Light und Augmentation. S.A.L.A. ermöglicht Lancia als erste Marke innerhalb der Stellantis Gruppe, die Technologien Chamaleon und TAPE (Tailored Predictive Experience) anzubieten. Diese Systeme zentralisieren die Funktionen von Audio- und Klimaanlage sowie Beleuchtung.

So ist es zum Beispiel möglich, Sound und Ambiente durch Berühren einer einzigen Taste oder durch Sprachbefehle zu steuern. Hoffentlich kann man das auch trennen: Denn nicht jeer will mit warmer Musik auch eine warme Beleuchtung und eine Temperaturerhöhung um x Grad…S.A.L.A. stellt laut Lancia drei Modi zur Wahl:

„Immersive“ verstärkt das Fahrerlebnis dank der Technologie Stellantis Chamaleon, die zum ersten Mal in einem Automobil zum Einsatz kommt. Das System Chamaleon soll das Ambiente im Innenraum an die äußere Umgebung anpassen können, indem es Audioanlage, Lüftung und Lichteinfall entsprechend reguliert.

„Wellbeing“ nutzt die Künstliche Intelligenz „Stellantis Tape“, um Stimmungen der Passagiere vorherzusehen. Audioanlage, Lüftung und Lichteinfall werden entsprechend geregelt, um das Wohlbefinden der Passagiere durch eine bessere Atmosphäre an Bord zu verbessern. Man darf gespannt sein, wie intelligent das System in der Praxis tatsächlich ist, denn allzu leicht kann man sich hier auch bevormundet fühlen.

„Entertainment“ macht schließlich das Unterhaltungsprogramm: So ist es unter anderem möglich, Filme zu streamen, Videospiele zu aktivieren oder in sozialen Netzwerken zu surfen. Der neue Lancia Ypsilon wird als erstes Modell mit der S.A.L.A.- Schnittstelle ausgestattet. Um ein noch umfassenderes Fahrerlebnis zu realisieren, wird Stellantis die Technologieplattform S.A.L.A. kontinuierlich weiterentwickeln. So werden nach Lancia auch die anderen Marken der Gruppe in die Lage versetzt, spezifische Funktionalitäten den verschiedenen Fahrzeugmodellen anzupassen.

 

 

Und was kommt jetzt von der Studie Pu+Ra HPE in Serie? Auch hierzu gibt es zwischen den Zeilen schon konkrete Ansagen: Das LED-Dreieck an der Front, die runden Rückleuchten im Stratos-Stil, die Infotainment-Tafel im Innenraum (auch wenn die beim Y noch nicht so extrem kommen wird wie in der Studie) und wahrscheinlich zumindest optional flauschige Sitze in Lounge-Optik, die sicher nicht ganz so cassinahaft-sesselig sein werden wie in der Studie.

Was bedeutet das?

Langsam verdichtet ich das Bild von Lancias Zukunft. Und die wird sehr italienisch sein, sorgfältig in nicht zu großen Stückzahlen geplant – immer mit einem Augenzwinkern auf klassische Modelle. Könnte auch in der Serie klappen!

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