Lancia: Neustart ab 2024

Der gut abgehangene Y soll ab 2024 einen Nachfolger erhalten. Mittelfristig sind vier Modelle geplant, darunter auch wieder Delta - ab 2026 als Markenkern.

Der Designer Sebastiano Ciarcia hat unabhängig von Stellantis über einen neuen Delta S4 nachgedacht. | Foto: Sebastiano Ciarcia
Der Designer Sebastiano Ciarcia hat unabhängig von Stellantis über einen neuen Delta S4 nachgedacht. | Foto: Sebastiano Ciarcia
Gregor Soller

Die Marke Lancia soll mit Alfa Romeo und DS eine Premium-Marke des Stellantis-Konzerns werden. nachdem Lancia jetzt auf 115 Jahre Markengeschichte zurückblickt, wurde Markenchef Luca Napolitano konkret.

Außer Geschichte und dem nur noch Italien verkauften Y hat Luca Napolitano, der neue CEO von Lancia, aktuell nicht viel in der Hand, um das Revival der Marke anzukündigen – was er dafür aber mit italienischer Leidenschaft tut. In einem Interview der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" hat er jetzt auch bestätigt, dass die Marke den Delta zurückbringen wird. Er sagte:

„Jeder will den Delta und er darf in unseren Plänen nicht fehlen. Es wird zurückkehren und ein echter Delta sein: ein aufregendes Auto, ein Manifest von Fortschritt und Technologie. Und natürlich wird er elektrisch sein.“

Der künftige Delta dürfte auf der neuen Stellantis-Plattform STLA Medium stehen, die auch DS4, Opel Astra und Peugeot 308 nutzen. Einst plante man, den Delta als Plug-in-Hybrid mit dem Stellantis-typischen Leistungsspektrum zwischen 180 und 225 PS sowie als Allrad-Version zwischen 300 und 360 PS zu bringen. Die Top-Modelle hätten wieder Allrad erhalten und wären als Delta HF an den Start gegangen. Doch die Zeiten haben sich geändert und immer mehr Marken planen nur noch rein elektrische Autos. Entsprechend hat auch Stellantis die Road-Map für Lancia aktualisiert: Ab 2024 sind alle Lancia-Modelle elektrifiziert, ab 2026 sollen nur noch rein elektrische Lancias auf den Markt kommen.

Der Designer Sebastiano Ciarcià hat sich von den Delta-Modellen inspirieren lassen und unabhängig von Stellantis einen neuen Delta S4 gestaltet. Man darf gespannt sein, wie der „echte“ Delta dann aussehen wird.

Umgeplant: Der nächste Delta kommt nur noch elektrisch

Laut Berichten der Auto Motor und Sport soll der dann nur noch elektrisch kommen –stärker und sparsamer als die aktuellen Stellantis-Stromer. Die künftige, einst von PSA entwickelte Plattform STLA Medium soll je nach Akkupack Reichweiten von bis 700 Kilometern ermöglichen, das Schnelllade-Ziel liegt bei 32 Kilometer Reichweite pro Minute, der Verbrauch bei niedrigen 12 kWh pro 100 Kilometer. Alles Werte, von denen die aktuellen Konzernmodelle noch weit weg sind und die 800-Volt-Technik bedingen könnten.

Delta eventuell mit Feststoffakku

Als Antrieb steht laut Auto Motor und Sport ein Elektro-Modul (EDM; electric drive module) mit einer Leistung zwischen 125 und 180 kW (170 bis 245 PS) zur Verfügung. Das Modul beinhaltet Motor, Getriebe und Inverter und erlaubt Front-, Heck- und Allrad-Antrieb. Ab 2026 sollen bei Stellanis auch erste Feststoffbatterien eingeführt werden – was für Lancia ein USP wäre.

Als zweites Lancia-Modell soll im 1. Quartal 2026 ein rein elektrischer Crossover den Delta unterstützen. Dieser steht dann ebenfalls auf der STLA- Medium. Bereits 2024 legt Lancia laut Napolitano den neuen Ypsilon auf – der gleichzeitig das letzte Modell der Marke mit Verbrenner und das erste mit E-Antrieb ist. Er basiert allerdings nicht, wie einst vermutet auf der elektrischen Plattform des Fiat 500 (künftig Stellantis small), sondern dürfte die CMP / eCMP (Common Modular Platform) nutzen, auf der auch DS3 Crossback, Citroen C4, Opel Mokka und Peugeot 208/2008 stehen. Und ab 2023 auch der Alfa Brennero samt dem Nachfolger des Fiat 500 X, der im Juli 2023 starten dürfte.

Entsprechend könnte der Ypsilon-Nachfolger ebenfalls ein Crossover-Modell werden – mit elektrischen und konventionellen Antriebssträngen. Er würde damit auch größer bauen als das aktuelle Modell, das im (letzten) Heimatmarkt Italien die Nische des besser ausgestatteten viertürigen Minis füllt. Letztere dürften als Diesel- und Benziner-Aggregate mit mehreren Leistungsstufen zwischen 100 und 150 PS kommen. Als Crossover könnte dem neuen Y aber auch ein Musa zur Seite gestellt werden, womit Lancia ab 2026 wieder vier Modelle hätte. Wie der Delta Integrale aussehen könnte, hat

Was bedeutet das?

Lancia hängt nur noch am seidenen Faden seiner glorreichen Geschichte und des Y. Es wird sehr schwer, hier wieder in den Markt zurückzukehren, wenn sich die Italiener nicht irgendwelche USPs einfallen lassen, die stärker sind als bei den anderen „Plattformmodellen“: Denn mit französischen ausklappenden Uhren im DS oder mit einem schicken Opel-Vizor hat man allenfalls einen Teil der Marke positioniert. Unterfüttert werden muss das mit Technik und eben einem USP: Die erste Feststoffbatterienutzung bei Stellantis, die beste Aerodynamik, das leichteste Gewicht in er gesamten Kompaktklasse – es gäbe durchaus einige Punkte, die sich Lancia reloaded zu eigen machen könnte oder müsste – um nicht nochmal als italienisches Me-too-Produkt auf dem Heimatmarkt zu stranden.

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