Meinungsbeitrag

Ladetechnik: Eichrechtskonformität – der Moloch

Die Eichrechtskonformität hat sich mittlerweile zu einem bürokratischen Monster entwickelt, das erheblichen Aufwand erfordert.

Die Komplexität des Themas Eichrechtskonformität treibt Christoph Erni um. | Foto: Privat
Die Komplexität des Themas Eichrechtskonformität treibt Christoph Erni um. | Foto: Privat
Redaktion (allg.)

Über hundert Jahre haben wir jetzt diesen gefährlichen Saft aus gepressten Dinosauriern in unsere Autos gefüllt. Die Zapfsäulen haben dabei vermutlich recht genau die Menge abgemessen, für die wir auch bezahlt haben. Und seit meinen (doch schon recht lang zurückliegenden) Kindheitstagen frage ich mich immer, was ich für einen Einfluss hätte nehmen können auf die allgegenwärtige Aufforderung „blasenfrei zapfen“. Um ehrlich zu sein, ich habe weder auf Blasen geachtet noch je auch nur nachgerechnet, ob ich nicht vielleicht doch einen Zentiliter zu wenig aus dem Schlauch bekommen hätte. Und ich wette, Ihnen allen geht es auch so.

Generell darf man sich die Frage stellen, ob das Leben denn besser wird, wenn man jeden letzten Cent kontrollieren will. Ob es überhaupt eine Rolle spielt, ob ich jetzt zwar für 1,29 Euro pro Liter tanke und einen Zentiliter zu wenig bekomme – oder ob gerade zufällig 1,28 Euro angeschrieben sind und mir dafür ein Zentiliter zu viel aus dem Schlauch nachtröpfelt. Das wären also 0,02 Liter Unterschied bei einer Differenz von einem Cent pro Liter. Ich habe zum Glück noch ein paar wichtigere Aufgaben im Leben. Und ich wette, Ihnen allen geht es auch so.

Nun aber haben wir es geschafft, mit der von Deutschland getriebenen Eichrechtskonformität bei Elektroladestationen einen Moloch zu kreieren. Der soll mit irrwitzigem Aufwand sicherstellen, was jeder MID-zertifizierte Standardzähler schon längst beweisen kann: wie viel Energie geflossen ist und was nun bezahlt werden muss. Die Krönung ist aber, dass die Eichrechtskonformität auch vorschreibt, dass jeder Ladevorgang im Nachhinein nochmals betrachtet werden könne. Wie wenn das das Leben besser machen würde. Wer zum Teufel will drei Tage nach dem Laden nochmals nachschauen, ob ihm nicht vielleicht eine Wattstunde zu wenig ins Auto geflossen ist. Wobei sich die auch die Frage stellt, wie man das überhaupt überprüfen soll, denn es gibt einen Unterschied zwischen gekaufter Energie und dem, was hinter dem Gleichrichter im Auto angekommen ist.

Als Ladestationshersteller finden wir solche Technologien natürlich spannend, denn sie machen die Installationen komplexer und bieten Raum für mehr Marge. Aber, und das ist entscheidend: Als E-Fahrer finde ich so viel unnötige Sinnlosigkeit eine Katastrophe, denn das behindert und verteuert den Wechsel auf die E-Mobilität. Und ich wette, nein ich hoffe, Ihnen allen geht es auch so.

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