Ladesäulen: Guter Standort bringt höhere Auslastung

Laut einer Studie des Öko-Instituts entscheidet der Standort einer E-Ladesäule darüber, wie häufig die Ladeinfrastruktur genutzt wird. Die Auslastung soll höher sein, wenn die Säule an einem für die Nutzer attraktiven Ort platziert ist. Auf hundert Verbrenner ein Stromer.

Der attraktive Standort einer E-Ladesäule soll laut Studie die Auslastung erhöhen. Foto: PSA
Der attraktive Standort einer E-Ladesäule soll laut Studie die Auslastung erhöhen. Foto: PSA
Johannes Reichel

Nach einer Studie des Freiburger Öko-Instituts ist es entscheidend für die Nutzungsfrequenz, dass Ladepunkte in der Nähe von Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, ÖPNV-Haltestellen, Bildungseinrichtungen, dem Arbeitsplatz oder der Gemeindeverwaltung die Nutzung lokalisiert sind. Je nach Standort haben die Forscher deutlich unterschiedliche Auslastungsmuster erkannt, etwa in Form von morgendlichen Ladespitzen bei der Ankunft am Arbeitsplatz oder mittags und nachmittags an Einkaufs- oder Freizeitorten. Die meisten Ladevorgänge haben demnach zwischen zweieinhalb und fünf Stunden gedauert. Die Profile seien an vielen Stationen durch einzelne Schwerpunktnutzende geprägt. Hoch ausgelastete Ladepunkte waren laut Studie nicht nur in den Städten, sondern auch in ländlichen Kommunen zu finden.

Die Ergebnisse stammen aus der Begleitforschung zu zwei vom Land Hessen geförderten Projekten. Innerhalb der Projekte hat der in Darmstadt ansässige Energieversorger Entega in Südhessen eine öffentliche Ladeinfrastruktur aufgebaut sowie batterieelektrische Pkw für kommunale Fuhrparks zur Verfügung gestellt. Das Projektgebiet umfasste großstädtisch bis ländlich geprägte Räume. In allen betrachteten Kommunen kamen auf hundert Verbrennungsmotoren bisher noch weniger als ein elektrischer Pkw. Als Datenquellen für die Analyse wurden Quartalssummen der Ladeinfrastruktur-Nutzung, Detaildaten zu einzelnen Transaktionen an zwölf ausgewählten Ladepunkten und eine vom Öko-Institut durchgeführte Online-Befragung kommunaler Verantwortlicher verwendet.

Die Auslastung ist über den Betrachtungszeitraum massiv angestiegen. Die geladene Strommenge war laut der Studie im zweiten Quartal 2019 bereits mehr als doppelt so hoch wie im dritten Quartal 2018. Die Beispielstandorte zeigten, dass geringe Leistungen zwischen drei und sieben Kilowatt dominierten. Es zeigte sich zudem, dass die täglichen Fahrleistungen der E-Pkw aus den im zweiten Element der Studie im Fokus stehenden kommunalen Fuhrparks fast ausnahmslos mit den heute verfügbaren Reichweiten elektrischer Fahrzeuge absolviert werden könnten. Dennoch seien die Pläne zur weiteren Elektrifizierung der kommunalen Fuhrparks eher zurückhaltend, unter anderem, weil dies nicht vorgegeben sei und Mehrkosten für die Anschaffung gerechtfertigt werden müssten, so die Begründung der Anwender.

Die Forscher empfehlen, dass alle Akteure weiter die Ladepunkte und die elektrische Flotten ausbauen. Die öffentlichen Ladestationen böten insgesamt noch deutliche Kapazitäten für mehr Nutzung. Bei der Ladeinfrastruktur bedürfe es einer besseren kommunenübergreifenden Planung und Standortwahl, raten die Autoren. In der jetzigen Phase hält man weiter die öffentliche Förderung durch Bund und Länder für notwendig. Zentral seien auch ausreichende und verlässliche finanzielle und personelle Ressourcen in den kommunalen Verwaltungen. Im Gegenzug könnten Bund und Länder eine überkommunale Abstimmung der Ladeinfrastruktur und die beschleunigte Umstellung kommunaler Flotten einfordern.

„Ein flächendeckendes Netz an öffentlichen Ladesäulen fördert die Umstellung von Fahrzeugen mit konventionellen Antrieben auf Elektrofahrzeugen. Auch wenn der große Teil des Ladens zuhause stattfindet, kann das Zwischenladen beim Einkaufen, am Arbeitsplatz oder am Bahnhof entscheidend sein“, glaubt Philipp Schlögl aus dem Entega Regionalmanagement.

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