Ladeinfrastruktur-Konferenz: BEM warnt vor nationalem Alleingang

Während das Bundesverkehrsministerium die Ladeinfrastruktur-Konferenz als wegweisende Plattform sieht, kritisiert der E-Mobilitätsverband BEM die Autofixierung der Veranstaltung, das Fehlen leichter E-Mobile, bidirektionalem Laden oder Last-Mile-Logistik und warnt vor einem nationalen Alleingang.

Keine zu großen Erwartungen: Der BEM kritisiert im Umfeld der ersten Ladeinfrastrukturkonferenz, dass wichtige Aspekte im Masterplan der Regierung fehlen, etwa bidirektionales Laden oder Last-Mile-Logistik. | Foto: EnBW
Keine zu großen Erwartungen: Der BEM kritisiert im Umfeld der ersten Ladeinfrastrukturkonferenz, dass wichtige Aspekte im Masterplan der Regierung fehlen, etwa bidirektionales Laden oder Last-Mile-Logistik. | Foto: EnBW
Johannes Reichel

In Berlin trifft sich aktuell erstmals die „Ladeinfrastruktur-Konferenz“ des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) statt. Als Gastgeber begrüßt FDP-Verkehrsminsiter Volker Wissing die mehr als 1.300 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Berliner TEC Event Campus und online. Viele weitere hochrangige Podiumsgäste sollen in den Panels der Konferenz zu den Schwerpunktthemen „Überregionales Laden“, „Laden innerorts“ und „Lkw-Laden“ debattieren. Zudem gebe es eine internationale Keynote aus den Niederlanden. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur stellt außerdem die neuesten Instrumente ihres „TOOL-Kits“ vor. Die Leitstelle plant und unterstützt im Auftrag des BMDV und unter dem Dach der bundeseigenen NOW GmbH die Aktivitäten zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland.

„Wir wollen Deutschland auf klimafreundliche Weise mobil halten. Für den Straßenverkehr bedeutet das, dass wir für den notwendigen flächendeckenden Ladeinfrastrukturausbau bei der Elektrifizierung sorgen. Mit der Ladeinfrastruktur-Konferenz etablieren wir eine zentrale und innovative Austauschplattform zu diesem Thema. Unser Ziel, das Land möglichst effizient zu vernetzen, können wir nur gemeinsam erreichen", erklärte Minister Volker Wissing.

Mit der Konferenz werde die zentrale Bedeutung des Aufbaus einer flächendeckenden, bedarfsgerechten und nutzerfreundlichen Ladeinfrastruktur im gesamten Bundesgebiet für den Erfolg der batterieelektrischen Mobilität und für das Erreichen der verkehrs- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung hervorgehoben, befindet das Ministerium. Ihr Fokus liegt dabei auf Herausforderungen und Lösungen für ein erfolgreiches Gesamtsystem Ladeinfrastruktur auf kommunaler, überregionaler und europäischer Ebene. Die Konferenz adressiert Entscheiderinnen und Entscheider auf EU-, Bundes-, Landes- und Kommunalebene, Unternehmen und Verbände insbesondere aus der Automobilbranche, Industrie, Energieversorgung, Netzbetrieb sowie aus dem Bereich Betrieb und Herstellung von Ladeinfrastruktur und eine breite Fachöffentlichkeit.

Auf dem Podium diskutieren u.a. Daniela Kluckert, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Digitales und Verkehr und Beauftragte des BMDV für Ladesäuleninfrastruktur, Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Gerhard Hillebrand, Verkehrspräsident des ADAC, und Johannes Pallasch, Sprecher des Leitungsteams der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. Matthijs Kok, Senior Policy Advisor Zero Emission Mobility in der Stadtverwaltung Utrecht, hält eine internationale Keynote. Kurt-Christoph von Knobelsdorff, CEO und Sprecher der NOW GmbH, wird die Konferenz mit einem Appell und Ausblick schließen.

„Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur bringt im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums den Ausbau von Ladeinfrastruktur in Deutschland mit Tempo voran. Wir berechnen die Bedarfe für den Ausbau und begleiten ihn im Auftrag des BMDV. Nur wenn wir schnell ein Ladeinfrastruktur-Gesamtsystem schaffen, das die Nutzerinnen und Nutzer mit Ladeangeboten überzeugt, wird der Umstieg auf Elektromobilität so schnell wie aus Klimaschutzgründen nötig gelingen", glaubt Johannes Pallasch, Sprecher des Leitungsteams der Leitstelle.

Im Rahmen der Konferenz präsentierte die Leitstelle:

  • vier neue Online-Datenprodukte die umfassend rund um die Themen Laden und Ladeinfrastruktur in Deutschland informieren:
  • den neuen Leitfaden „Einfach laden in der Kommune“, der kommunale Akteure beim Ladeinfrastrukturaufbau vor Ort, insbesondere bei Vergabe- und Genehmigungsprozessen, unterstützt
  • ein europäisches Kooperationsprojekt mit der luxemburgischen Klima-Agence: angelehnt an das FlächenTOOL der Leitstelle bringt auch Pro-Charging Flächenanbietende und -suchende für den Ladeinfrastrukturausbau zusammen.

BEM erwartet keine wirksame Überarbeitung des autofixierten Masterplans

Schon im Vorfeld kam Kritik vom hat der Bundesverband eMobilität (BEM), der darin seine Erwartungen an eine "gelingende Überarbeitung des Masterplans Ladeinfrastruktur deutlich reduziert", wie es heißt.

„Der vorgelegte Entwurf ist Beleg anhaltender Automobil-Fixierung und klammert am leitungsgebundenen Netzverbraucher, mit dem kein Sprung in der Mobilitätswende möglich ist“, sagte BEM-Vorstand und Arbeitsgruppenleiter Markus Emmert am Mittwoch in Berlin.

Der Masterplan liefere anders als erwartet kein Gesamtkonzept für alle eFahrzeuge, sondern lediglich für Automobile. Es fehle an Konzepten für Leichtfahrzeuge und Last-Mile-Logistik sowie für den Wasser- und Luftverkehr.

„Wie soll die Bevölkerung denn umsteigen und die Städte entlasten, wenn es keine geeignete Ladeinfrastruktur gibt“, fragte Emmert rhetorisch.

Ebenfalls unklar blieben die Ableitungen auf die Erneuerbaren Energien. Hier gebe es keinerlei Berechnungen über den gestiegenen Bedarf der verkauften eFahrzeuge im Markt. Eine ressortübergreifende Zielvorgabe fehle gänzlich. Weiterhin ist der Masterplan jenseits der AFIR-Vorgaben der EU erstellt worden, die verschiedene Quoten für die Nutzung der Elektromobilität vorsehen. Durch diesen Tunnelblick trieben die Verantwortlichen derzeit einen nationalen Alleingang voran. Und schließlich findet das bi-direktionale Laden keinerlei Beachtung.

„Damit verbleibt das Bundesverkehrsministerium im Denken alter Ressourcenverschwendung und lässt die Technologien der Neuen Mobilität und der Erneuerbaren Energien ungenutzt", bemängelt Emmert weiter.

Ladesäulen könnten mit Hilfe des bi-direktionalen Ladens einen wichtigen Beitrag für die Energiewende leisten und zur Energiesicherheit beitragen. Dazu müssten zahlreiche rechtliche und regulatorische Hürden abgebaut werden, was bislang weder geschehen ist noch in Angriff genommen wurde. Der überarbeitete Masterplan Ladeinfrastruktur soll in diesem Sommer verabschiedet werden. Ein Neubefassung sei frühestens 2025 möglich, warnt der BEM abschließend. 

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