Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge: VDA gibt Empfehlungen

Der Aufbau eines Schnellladenetzes für Nutzfahrzeuge soll forciert werden, etwa mit einer Fünf-Milliarden-Booster-Förderung bis 2025, schlägt der Automobilverband vor.

Gerade für den Nutzfahrzeugbereich muss ein Ladenetz vor allem an den Autobahnen mit Ladeleistungen bis hin zum Megawattbereich dringend geschaffen werden. (Foto: Bünnagel)
Gerade für den Nutzfahrzeugbereich muss ein Ladenetz vor allem an den Autobahnen mit Ladeleistungen bis hin zum Megawattbereich dringend geschaffen werden. (Foto: Bünnagel)
Johannes Reichel
von Claus Bünnagel

Die unzureichende Geschwindigkeit beim Ausbau der Ladeinfrastruktur droht zum entscheidenden Engpass für den Hochlauf der Elektromobilität zu werden. Aktuell erarbeitet das Bundesverkehrsministerium einen Masterplan Ladeinfrastruktur, einen Aktionsplan mit Maßnahmen zum Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur in Deutschland. Mit seinem Positionspapier „Masterplan Ladeinfrastruktur 2.0 – Empfehlungen der Automobilindustrie“ macht der Verband der Automobilindustrie (VDA) konkrete Vorschläge für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland und Europa.

Monitoring ist entscheidend

Entscheidend sei zum einen, dass die Ausbaugeschwindigkeit der Ladeinfrastruktur proportional zum Hochlauf der Elektromobilität verlaufe, und zum anderen, dass der Ausbau dem Bedarf um zwei Jahre vorauseile, so der Verband. Nur so könne das bestehende Delta zwischen Infrastruktur und Bedarf behoben und das Vertrauen der Verbraucher in eine verlässliche und ausreichende Ladeinfrastruktur geschaffen werden. Von zentraler Bedeutung sei dabei das konsequente Monitoring des Ausbauziels von 1 Mio. Ladepunkte bis 2030 sowie gegebenenfalls eine entsprechende (Neu-)Ausrichtung der Förderung.

In seinem Positionspapier empfiehlt der VDA unter anderem folgende Maßnahmen:

  • Weiterführung der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur (NLL) und deren Mandatierung mit der Gesamtkoordination (Bedarfsanalyse, Planung, Monitoring, Vorgaben)
  • Boosterförderung: 5 Mrd. Euro für den Ausbau der öffentlichen und privaten Ladeinfrastruktur bis zum Jahr 2025 und damit Orientierung an Vorgängerregierung
  • Abdeckung aller Nutzungsbereiche von Daheim/Arbeitsplatz bis Unterwegs durch attraktive Förderprogramme (sieben Use Cases VDA/NLL/Nationale Plattform Zukunft der Mobilität)
  • Erweiterte Förderung der Ladeinfrastruktur im gewerblichen Bereich
  • Neuauflage des Wallboxen-Programms zur Förderung privater Ladepunkte zu Hause
  • Einrichtung eines halbjährlichen „Ladegipfels“ mit den relevanten Akteuren zwecks Bestandsaufnahme und Steuerung der Maßnahmen
  • Festlegung und rechtliche Verankerung kommunaler Verantwortung für die Sicherstellung bedarfsgerechter Ladeinfrastruktur. Einrichtung von Steuer- und Beratungsstellen sowie deren Mandatierung. Unterstützung durch den Bund, u.a. mittels Anschubfinanzierung und Know-How-Vermittlung
  • Privilegierung der Pkw/Lkw-Ladeinfrastruktur analog der Planungsbeschleunigung beim Ausbau der Erneuerbaren Energien
  • Verlässliche, schnelle und komfortable Erreichbarkeit eines Ladepunktes und gute Flächenabdeckung
  • Europa: Unterstützung ambitionierter AFIR-Festlegungen (Alternative Fuels Infrastructure Regulation), u.a. hinsichtlich Flächendeckung, Ausstattung der TEN-T-Netze und Festlegung des Ladeleistungsbedarfs

Aufbau E-Ladenetz für Nutzfahrzeuge im Fernverkehr fokussieren

Für die mittelschweren und schweren Lkw hat die Bundesregierung ebenfalls ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2030 soll es hier einen elektrischen Fahrleistungsanteil von über 30 Prozent geben. Bisher hat der Aufbau eines entsprechenden Lkw-Ladenetzes bei den Ladeinfrastrukturanstrengungen der Bundesregierung nur unzureichend Beachtung gefunden. Dabei werden in Europa 30.000 Elektro-Lkw für 2025 und 200.000 Elektro-Lkw für das Jahr 2030 erwartet. Der VDA empfiehlt deshalb:

  • „Deutschlandnetz für Lkw“: Aufbau von Ladeinfrastruktur an den Fernverkehrsachsen mit Hochleistungsladepunkten für den Ladebedarf schwerer Nutzfahrzeuge sowie Reisebusse gemäß Standard für das Megawattladen (MCS; mindestens 700 kW Dauerleistung pro Ladepunkt), Ausschreibung analog Pkw-Ladenetz
  • Berücksichtigung der spezifischen Lkw-Ladebedarfe bei der weiteren Planung des Pkw-Deutschlandnetzes, Aufnahme des Ladebedarfes in die Netzbedarfsplanung
  • Förderung der Ladeinfrastruktur im gewerblichen Bereich mit dem Use-Case-Depotladen (Betriebshöfe und Umschlagplätze) für E-Lkw
  • Unterstützung des Betriebs von elektrifizierten Nutzfahrzeugen mit geeigneten Infrastrukturprogrammen (u.a. Ladeparks, Stromanschlüsse)
  • Aufnahme des Bedarfs der elektrifizierten leichten Nutzfahrzeuge in den Betrachtungsumfang und Initiierung entsprechender Förderprogramme

Bidirektionales Laden (Vehicle to Grid) kann zwar einen ambitionierten Netzausbau nicht ersetzen, dennoch kann es sinnvoll sein, dieses zur Netzentlastung zu nutzen. Dieses Potenzial gelte es zu heben und die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, so der Verband. In seinem Positionspapier empfiehlt der VDA u.a.:

  • Einführung dynamischer Netzentgelte zur Vermeidung von Lastspitzen und Ausgleich von Erneuerbare-Energien-Einspeisespitzen durch lokale Flexibilität, um eine effizientere Nutzung der vorhandenen Netzkapazitäten zu erreichen
  • Schaffung eines Rechtsrahmens für bidirektionales Laden, u.a. durch Anpassung und adäquate Berücksichtigung im Energiewirtschaftsgesetz und Schaffung einer eigenständigen Definition von „Mobilen Speichern“
  • Erhöhung der Effizienz der Übertragungsnetze: Mobile Speicher sollen am Regelenergiemarkt durch die Erbringung von Systemdienstleistungen Schwankungen ausgleichen können

Eine flächendeckende und leistungsfähige Ladeinfrastruktur ist und bleibt der Schlüssel für den Erfolg der E-Mobilität – das gilt im Pkw-Bereich ebenso wie bei den Nutzfahrzeugen. Die Bundesregierung muss zeitnah zu einem Ladegipfel einladen und alle Akteure an einen Tisch holen: Tankstellenbetreiber, Wohnungswirtschaft, Parkraumunternehmen, den Handel, die Ladepunktbetreiber, die Energiewirtschaft, die Netzbetreiber, die Bundesnetzagentur, die Logistikbranche, die Kommunen und die Automobilindustrie. Wir müssen gemeinsam einen konkreten Plan entwickeln, wie der Ausbau beschleunigt und Laden für die Menschen einfach und komfortabel wird. (VDA-Präsidentin Hildegard Müller)

Das Positionspapier „Masterplan Ladeinfrastruktur 2.0 – Empfehlungen der Automobilindustrie“ finden Sie in unserem Anhang.

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