LADE-Simulator: Wie V2G zum Klimaschutz beiträgt

Ein Online-Tool des Start-ups verdeutlicht den Beitrag von Vehicle-to-Grid für die Klimaziele - und macht klar, dass V2G mit AC-Netz weit einfacher zu realisieren wäre.

Die Fahrzeugspeicher nutzbar machen: LADE-CEO Dennis Schulmeyer glaubt fest an den Beitrag, den V2G fürs Stromnetz leisten könnte - sofern man hier auf AC setzt. | Foto: LADE
Die Fahrzeugspeicher nutzbar machen: LADE-CEO Dennis Schulmeyer glaubt fest an den Beitrag, den V2G fürs Stromnetz leisten könnte - sofern man hier auf AC setzt. | Foto: LADE
Johannes Reichel

Das Mainzer E-Mobility-Startup LADE hat ein interaktives Visualisierungs-Tool entwickelt, das veranschaulichen soll, welchen Beitrag Vehicle-to-Grid (V2G) konkret zu einer CO2-freien Stromerzeugung leisten kann. Der V2G-Simulator steht frei zur Verfügung.

„Die Nutzung von Elektroauto-Batterien als Speicher kann ein extrem wichtiger Baustein zum Erreichen der deutschen Klimaziele sein. Die Technologie kann sehr, sehr einfach und günstig umgesetzt werden, hat eine enorme Wirkung und die Speicher sind ohnehin vorhanden. Wir müssen uns aufgrund der bevorstehenden Klimakrise mit der Energiewende wirklich sputen und können nicht abwarten, bis Wasserstoff effizient wird. Wir müssen jetzt handeln – und dafür können die Batterien der Elektroautos eine entscheidende Rolle spielen“, appelliert Dennis Schulmeyer, CEO LADE.

Echte Daten der Bundesnetzagentur

Vehicle-to-Grid bezeichnet das Zwischenspeichern von Strom in der Batterie eines Elektrofahrzeugs, der bei Bedarf wieder ins Energiesystem zurückgeführt wird, präzisiert der Anbieter. Basierend auf realen Daten der Bundesnetzagentur visualisiert der V2G-Simulator konkret, wie dies für Deutschland aussehen könnte. Für frei auswählbare Zeiträume zeigt er den gesamten Stromverbrauch in Deutschland sowie die erzeugte Leistung mittels Wind- und Solarenergie an. Über Regler können verschiedene Ausbauziele für erneuerbare Energien sowie die Anzahl der E-Autos eingestellt werden. Darüber hinaus sind zwei konkrete Szenarien voreingestellt, die über das Tool betrachtet werden können: Die Ziele der Ampel-Koalition für 2030 sowie das Agora-Energiewende-Szenario „Klimaneutral 2045“. Das Tool führt den Nachweis, dass, sollte die Bundesregierung ihr Ziel von 15 Millionen Elektroautos bis 2030 realisieren können und zudem weiter stark die Erneuerbaren ausbauen, es realistisch sei, im weiteren Verlauf hierzulande etwa 95 Prozent der Stromversorgung allein mit Wind, Solar und Batterien aus E-Autos abzudecken. 

„Unser Simulator zeigt klar, dass wir mit den Batterien von Elektroautos schon 2030 so gut wie alle Peaks wegspeichern können, die durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien entstehen werden. So lässt sich der Strom zeitversetzt nutzen", wirbt Schulmeyer.

 

Weichen müssen jetzt gestellt werden

Damit das Potenzial von V2G umfassend genutzt werden kann, ist eine schnellstmögliche Regulierung und Standardisierung von größter Bedeutung. Dies betrifft beispielsweise verpflichtende und von der Politik geförderte bidirektionale AC-Ladegeräte im Fahrzeug sowie ein möglichst einfaches Vergütungssystem.

„Die Weichen müssen jetzt gestellt werden, sodass wir Vehicle-to-Grid in spätestens fünf Jahren auch tatsächlich vollumfänglich nutzen können. Technologisch ist das problemlos möglich, aber organisatorisch und regulatorisch besteht Handlungsbedarf. Hier sind Politik, Industrie und Wissenschaft gleichermaßen gefragt. Wir haben mit Vehicle-to-Grid eine riesengroße Chance, die wir nutzen müssen", meint Schulmeyer.

AC-Ladeinfrastruktur als sinnvollere Alternative

Wirtschaftlich sinnvoll lasse sich V2G nach Ansicht des Unternehmens nur mit Wechselstrom- bzw. AC-Ladepunkten umsetzen. Um das volle Potenzial der Technologie nutzen zu können, müssten Fahrzeuge möglichst immer über V2G-fähige Ladepunkte mit dem Netz verbunden sein, wenn sie parken – es brauche also mehr Ladepunkte als Fahrzeuge. Da DC-Ladeinfrastruktur komplexer und vielfach teurer in der Herstellung und im Betrieb sei, lasse sich V2G mit AC-Technologie erheblich günstiger und ressourcenschonender realisieren.

“Die allermeisten Ladevorgänge lassen sich mit AC-Laden wirtschaftlicher und sogar komfortabler abdecken als mit DC-Ladepunkten. Setzt sich die DC-Ladeinfrastruktur durch, wird V2G hautsächlich Eigenheimbesitzerinnen vorbehalten bleiben. Für alle anderen Marktteilnehmer wird V2G komplizierter und unrentabler", argumentiert der CEO.

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