Krone/Trailer Dynamics: E-Trailer preisgekrönt - und sofort wirksam

Die in Kooperation mit der Aachener Trailer Dynamics entwickelte E-Achse arbeitet unabhängig von der Sattelzugmaschine. Das überzeugte das Netzwerk ZENIT e.V., das die Neuheit mit dem Innovationspreis ehrt. Kombinierbar mit allen Typen, spart das System bis 20 Prozent Sprit.

Beschleunigt oder bremst die Zugmaschine völlig autonom: Die eAchse ersetzt bei diesem System die mittlere der drei Trailerachsen. Rückgewonnene Bremsenergie nimmt eine vor der Achse platzierte Puffer-Batterie auf. Geregelt wird alles – und das ist neu - über seinen sensierten Königszapfen. Foto: Krone
Beschleunigt oder bremst die Zugmaschine völlig autonom: Die eAchse ersetzt bei diesem System die mittlere der drei Trailerachsen. Rückgewonnene Bremsenergie nimmt eine vor der Achse platzierte Puffer-Batterie auf. Geregelt wird alles – und das ist neu - über seinen sensierten Königszapfen. Foto: Krone
Johannes Reichel
von Robert Domina

Überreicht wurde der mit 10.000 Euro dotierte Preis von NRW-Innovationsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart und dem ZENIT Netzwerkvorsitzenden Thomas Eulenstein. Die Tests mit einem ersten Prototypen bestätigen die großen Erwartungen an das innovative System. Eine von üblicherweise drei Trailerachsen zu elektrifizieren, spart Energie, verringert den CO2-Ausstoß und spart Kraftstoff im europäischen Standard-Fernverkehrssattel. Bei elektrisch angetriebenen Sattelzügen könne die E-Achse im Trailer zudem die Reichweiten signifikant erhöhen. Wichtigste Zielgruppe sei für Trailer Dynamics im ersten Schritt daher insbesondere die Bestandsflotte an dieselgetriebenen Sattelzügen.

„Wir gehen davon aus, dass diese Systeme noch für die nächsten 20 bis 30 Jahre die überwiegende Motorisierung des Langstrecken-Güterverkehrs darstellen“, prognostizieren die Geschäftsführer Michael Nimtsch, Abdullah Jaber und Jochen Mählmann.

Da es für LKW, die vor allem auf Kurzstrecken unterwegs sind, bereits Lösungen zur Schadstoffverringerung gibt, liege der Fokus von Trailer Dynamics auf Diesel-LKW, die bei ihren Fahrten mehr als 500 Kilometer zurücklegen. Deren Treibstoffverbrauch soll um mehr als 20 Prozent gesenkt und damit jährlich mindestens 20 Tonnen CO2 pro Sattelzug eingespart werden. Bei einem angenommenen Marktanteil an eTrailern von nur zehn Prozent würde dies in Deutschland zu einer jährlichen Emissionsreduktion von mehr als einer Million Tonnen CO2 führen. Profitieren vom eTrailer sollen nicht nur die Umwelt, sondern auch die Logistikunternehmen. Dank der zusätzlichen Leistung aus der eAchse werde die Sattelzugmaschine im Antrieb unterstützt, im Umkehrschluss ließe sich zusätzlich die Zugmaschine eine Leistungsklasse kleiner dimensionieren, und so die laufenden Betriebskosten reduziert.

Kombinierbar mit allen gängigen Zugmaschinen

Das System lässt sich mit allen gängigen Sattelzugmaschinen kombinieren. Möglich macht dies ein „intelligenter“ Königszapfen der eigens von Trailer Dynamics entwickelt wurde. Über das redundante Kupplungssystem wird die Kraft, die auf den Kingpin beim Beschleunigen oder Abbremsen des Zuges einwirkt, gemessen und weiterverarbeitet. Die vorgestellte Technik sei markgerecht robust und könne, so Abdullah Jaber von Trailer Dynamics, in jeder Werkstatt gewartet oder im Schadensfall unkompliziert ersetzt werden. 

Die spezielle Trailer Dynamics Sensorik ermöglicht die direkte Messung der Schub- und Zugkräfte, die der Trailer auf die Sattelzugmaschine ausübt. Die so erzeugten analogen Signale werden verstärkt, digitalisiert und dienen zur Regelung des nachgelagerten Antriebsmodul (E-Trailerachse) im eTrailer.  Damit kann der eTrailer die Sattelzugmaschine unterstützen in dem er seine Fahrwiderstände verkleinert und sich quasi möglichst "leicht" macht. Anders herum kann der elektrische Antriebsstrang im eTrailer bei Bergabfahrt (Schub) Bremsenergie rückgewinnen. Das ganze geschieht vollkommen automatisiert und autonom vom Trailer aus.

Was bedeutet das?

Je nach Streckenprofil lassen sich mit dieser E-Trailer-Technik offensichtlich erkleckliche Energiemengen einsparen. Das ist bekannt. Das Beste an dieser Entwicklung ist aber, dass der E-Trailer durch den sensierten Königszapfen völlig unabhängig von der Zugmaschine arbeitet - ohne irgendeine Verbindung zum Zugfahrzeug. Und dass das System sofort hilft, enorm an CO2 einzusparen. Mithin eine ideale Brückentechnologie.

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