Kretschmann für Tempolimit: FDP soll über ihren Schatten springen

Während der Grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann die FDP auffordert, mal über ihren Schatten zu springen und zwei Jahre ein Tempolimit einzuführen, entgegnet Konterpart Markus Söder aus Bayern fast auf Satire-Niveau: "Ein Tempolimit erzeugt keinen Strom".

Schnell wirksame Langsamkeit: Ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen brächte aus dem Stand 3,8 Prozent Einsparung beim Kraftstoffverbrauch im Verkehrssektor. | Foto: AdobeStock
Schnell wirksame Langsamkeit: Ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen brächte aus dem Stand 3,8 Prozent Einsparung beim Kraftstoffverbrauch im Verkehrssektor. | Foto: AdobeStock
Johannes Reichel

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat auf dem Nachhaltigkeitsgipfel der Süddeutschen Zeitung massiv für ein wenigstens temporäres Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen geworben und den Koalitionspartner im Bund FDP aufgefordert, über ihren Schatten zu springen. "Das hätte unmittelbar Wirkungen, das ist sofort einsparend. Da mal über den Schatten zu springen, wenigstens für zwei Jahre, wäre mal eine Diskussion wert", erklärte Kretschmann in München. Als Grüne springe man "ja wirklich jede Woche über irgendwelche ideologischen Schatten", so Kretschmann weiter. Das könne er bei anderen Parteien noch nicht feststellen. 

In direkter Entgegnung lehnte sein bayerischer Konterpart, Ministerpräsident Markus Söder von der CSU ein Limit erneut vehement ab. "Das Tempolimit erzeugt überhaupt keinen Strom", begründete der CSU-Politiker allen Ernstes. Das könne keine Lösung für die Risiken im kommenden Winter sein, befand er und schlug stattdessen einmal mehr eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke vor. Das wiederum wies Kretschmann aus Sicherheitsgründen zurück. Er denke nicht mehr darüber nach.

Laut Umweltbundesamt brächte ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen rund 2,1 Milliarden Liter an Einsparung fossilen Kraftstoffs, entsprechend 3,8 Prozent des Gesamtverbrauchs im Verkehr. Auch die Umweltministerkonferenz hatte im Mai ein befristetes Tempolimit gefordert.

Was bedeutet das?

Markus Söder braucht keine Heute Show und keinen Böhmermann mehr, er ist selbst sein eigener Satiriker. Was er beim SZ-Gipfel rausgehauen hat, liegt auf höchstem Gerhard Polt-Niveau. Der befand einst: "Solarenergie? Bei uns in Deutschland machen wir den Strom nicht mit Licht, sondern das Licht immer noch mit dem Strom!"

Mit entwaffnender Polt-Logik befand der Populist Söder, ein Tempolimit erzeuge keinen Strom. Ja, aber es spart Energie, die dann nicht mit Strom erzeugt werden muss, am Ende noch aus Söders Kernkraftwerken, deren jahrhundertelang strahlende Reste er aber lieber in Preußen statt in Ohu bei Landshut lagern würde. Es ist schon fast eine Beleidigung für jeden Intellekt und man kann nur hoffen, dass auch die notorisch und leider oft im falschen Sinne "konservativen" bayerischen Wähler solche Blindleistungen bei der Landtagswahl im nächsten Jahr abstrafen.

Söder trägt nicht zu Lösung der Probleme bei, sondern nur zu deren Verschleppung, aus kindischer Rechthaberei. Und statt final den Deckel auf das Atommüllfass zu machen und endlich die Windkraft im Freistaat entschlossen auszubauen, zapft er die riskante und teure Energiequelle erneut an. Motto des Science-Fiction-Fans Söder: Zurück in die Zukunft. Leider auf die dunkle Seite der Macht statt ins Licht. "Verzapft is!", kann man da nur entsetzt und als bayerischer Staatsbürger peinlich berührt ausrufen.

Und sich in Poltsche Satire retten: Wozu ein Gegenargument? Ich bin ja selber dagegen!

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