Konzern-Klimaziele: Audi will CO2 unterirdisch speichern

Hersteller beteiligt sich als Partner an dem von Climeworks auf Island geplanten Projekt zur CO2-Mineralisierung und will damit zur Einhaltung der Konzern-Klimaziele beitragen.

Nicht aus der Luft gegriffen: Die Technologie der Direct Air Capture and Storage-Anlage auf Island ist in einem Pilotprojekt im schweizer Hinwil erprobt. | Foto: Audi
Nicht aus der Luft gegriffen: Die Technologie der Direct Air Capture and Storage-Anlage auf Island ist in einem Pilotprojekt im schweizer Hinwil erprobt. | Foto: Audi
Johannes Reichel

Unter Beteiligung des Automobilherstellers Audi hat das Schweizer Umwelt-Start-up Climeworks die Errichtung der weltweit größten "Direct Air Capture and Storage"-Anlage auf Island zur Versteinerung von atmosphärischem CO2 angekündigt. Die Anlage soll pro Jahr 4.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Luft filtern und unter der Erde mineralisieren. 1.000 Tonnen davon entfernt Climeworks im Namen des Herstellers aus der Atmosphäre. Um diese Menge auf natürlichem Weg zu binden, wären 80.000 Bäume notwendig, wie der Hersteller zum Vergleich angibt.

Bei der Direct Air Capture-Technologie wird Kohlenstoffdioxid der Umgebungsluft entzogen und CO₂-freie Luft zurück in die Atmosphäre abgegeben. Climeworks‘ neue Anlage auf Island transportiert das aus der Luft gefilterte CO2 unter die Erdoberfläche, wo es durch natürliche Prozesse mineralisiert, sprich selbst zu Carbonaten im vorhandenen Basalt versteinert. Das Kohlenstoffdioxid wird so dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt. Das für den Transfer benötigte Wasser geht wieder zurück in den Kreislauf des Geothermie-Kraftwerks, das auch die Energie für die Erhitzung des CO2-Filters zur Abspaltung der CO2-Moleküle bereitstellt.

Dauerhafte Bindung von CO2 und gute Skalierbarkeit

Die Direct Air Capture-Technologie von Climeworks biete zwei große Vorteile, so der Hersteller. Zum einen würden laut Lebenszyklus-Analyse mehr als 90 Prozent des aus der Luft gefilterten CO2 effektiv und dauerhaft unter der Erde gespeichert. Mit diesem hohen Reduktionsvermögen laufe die Anlage besonders effizient. Zum anderen lasse sich die Technologie bis in den Mega-Tonnen-Pro-Jahr-Bereich skalieren, wirbt der Hersteller für die Technologie.

„Neben der Reduzierung von Emissionen ist das Adsorbieren von Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre aus wissenschaftlicher Sicht eine wichtige Maßnahme, um die Konzern-Klimaziele zu erreichen. Mit der Beteiligung am CO2-Capturing-Projekt von Climeworks tragen wir zur Dekarbonisierung bei",  wirbt Hagen Seifert, Leiter Nachhaltige Produktkonzepte bei Audi für den Ansatz.

Island ist einer von mehreren Orten auf der Welt, der ideale Bedingungen für diesen Prozess bietet. Durch seinen vulkanischen Ursprung ist das Land eines der leistungsstärksten Geothermie-Gebiete der Welt. Die Entwicklung der CO2-Capturing-Technologie des Züricher Umwelt-Startups begleiten die Ingolstädter seit 2013. Bereits vor zwei Jahren errichtete man im schweizerischen Hinwil eine Anlage, die CO2 aus der Luft filtert und dieses für die Getränkeindustrie zur Verfügung stellt – später aufbereitet als Kohlensäure.

 

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