Konjunkturpaket: VDIK begrüßt E-Auto-Prämie, VDA zeigt sich enttäuscht

Der Importeursverband bewertet das neue Paket der Bundesregierung als positiv und positioniert sich damit anders als der VDA, der massiv für Verbrenner-Prämien geworben hatte und nun Bedauern äußert.

Lob und Tadel: Der VDIK begrüßte das neuerliche Konjunkturpaket inklusive reiner E-Autoprämie, der VDA äußerte Bedauern, dass es keine allgemeine Auto-Prämie gibt. Und mahnte neben der Förderung der öffentlichen auch die Unterstützung zum Aufbau von privater Ladeinfrastruktur an. | Foto: PSA
Lob und Tadel: Der VDIK begrüßte das neuerliche Konjunkturpaket inklusive reiner E-Autoprämie, der VDA äußerte Bedauern, dass es keine allgemeine Auto-Prämie gibt. Und mahnte neben der Förderung der öffentlichen auch die Unterstützung zum Aufbau von privater Ladeinfrastruktur an. | Foto: PSA
Johannes Reichel

Anders als der Verband der Automobilindustrie (VDA) sowie die Gewerkschaft IG Metall, die Kritik an der Absage an eine Prämie für Verbrenner übten, hat der Verbande der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) das Konjunkturpaket der Bundesregierung mit der aufgestockten E-Auto-Prämie begrüßt. "Die internationalen Kraftfahrzeughersteller bewerten das von der Großen Koalition beschlossene umfangreiche Konjunkturpaket als wichtigen Schritt zur Bewältigung der Corona-Krise", heißt es aus dem Verband. Die Bundesregierung lege damit den Grundstein für eine wirtschaftliche Erholung nach der schweren Krise, glaubt Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK). Das Gesamtpaket könne einen breiten Konjunkturimpuls geben, von dem alle betroffenen Branchen profitieren würden. Darüber hinaus schiebe das Programm weitere Innovationen in der Mobilität an, meint Zirpel weiter.

"Die verstärkte Förderung der alternativen Antriebe, der Ladeinfrastruktur sowie von umweltfreundlichen Nutzfahrzeugen weisen in die richtige Richtung.“

Als wesentlichen Teil des Pakets sieht man die weitere Erhöhung der Prämie für Elektrofahrzeuge. Der Bund verdoppelt seine Förderung für batterieelektrische Autos, Plug-In-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge. Der Herstelleranteil bleibt unverändert, wodurch sich die Gesamtfördersumme auf bis zu 9.000 Euro erhöht. Hinzu kommt noch die Senkung der Mehrwertsteuer, weil der Herstelleranteil von 3.000 Euro vom Nettokaufpreis abgezogen wird.

Auch Verbrenner-Käufer profitieren von der niedrigeren Mehrwertsteuer

Der VDIK forderte die Regierung aber auf, rasch klarzustellen, ab wann die höhere Innovationsprämie greift. Idealerweise sollte die bestehende Umweltbonusrichtlinie kurzfristig geändert werden und ab der Bekanntgabe des Konjunkturpaketes gelten, so der Verband. Von der Senkung der Mehrwertsteuer generell würden private Käufer von Kraftfahrzeugen in allen Klassen, Preissegmenten und mit allen Motoren profitieren. "Ob speziell diese Maßnahme zu größeren Volumeneffekten auf dem Automarkt führt, wird in den kommenden Monaten zu beobachten sein", meldet der Verband leise Zweifel an. Zukunftweisend sei aber in jedem Fall die angekündigten zusätzlichen Investitionen in die Ladeinfrastruktur.

Die internationalen Hersteller empfehlen, das bereits geplante Förderprogramm für private Ladepunkte jetzt sehr rasch zu starten. Es sollte bis Mitte dieses Jahrzehnts mit rund 1 Milliarde Euro pro Jahr ausgestattet werden. Neben der Batterie-Elektromobilität spielt aus VDIK-Sicht Wasserstoff für die Mobilität der Zukunft eine zentrale Rolle, sowohl für Pkw als auch für Lkw. Daher sei auch die im Paket enthaltene Einigung zur Wasserstoffstrategie begrüßenswert.

VDA äußert Bedauern, ringt sich aber zu Teillob durch

Der VDA wiederum äußerte Bedauern, "dass im beschlossenen Konjunkturpaket die Vorschläge der Automobilindustrie für einen breitangelegten und unmittelbar wirksamen Konjunkturimpuls nur zum Teil aufgenommen wurden", wie es in einer Pressemitteilung von Präsidentin Hildegard Müller heißt. Die auf ein halbes Jahr beschränkte Absenkung der Mehrwertsteuer sowie die Verdopplung des staatlichen Anteils am Umweltbonus für den Kauf von Elektroautos setze aber positive Impulse und werde einen Beitrag leisten können, die derzeit sehr schwache Nachfrage am Automobilmarkt in Teilen wieder anzukurbeln, meint Müller weiter. Sie lobte auch die Förderung für Lkw, mit der "ein klarer und wichtiger Punkt für die Nutzfahrzeugindustrie gesetzt", worden sei.

Private Ladeinfrastruktur bisher vergessen

Das Paket fand zudem Zustimmung des VDA in Hinblick auf Maßnahmen wie den erweiterte Verlustrücktrag, die Verstärkung der degressiven Abschreibung (AfA) sowie weitere steuerliche Maßnahmen, die Senkung der EEG-Umlage, der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, die Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie und der Bürokratieabbau. Das Bonus-Programm zur Förderung von neuen Technologien, Verfahren und Anlagen setze an einem wichtigen Punkt an, sollte aber vor dem Hintergrund der Größe der Aufgabe gerade bei der Transformation der mittelständischen Zuliefererindustrie richtig ausgestaltet werden, mahnt der Verband weiter an.

"Bei all diesen Punkten ist es wichtig, dass die richtigen Schlagworte jetzt zügig in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Zu der Umsetzung sollte auch der verstärkte Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur gehören, die im Konjunkturpaket noch nicht berücksichtigt ist", forderte Müller.

Was bedeutet das?

Es ist offensichtlich, dass es einen Teil-Dissens geben muss, zwischen den beiden Branchenverbänden in Sachen neuer Auto-Prämie. Während die Importeure, allen voran die Koreaner von Hyundai oder auch die Franzosen wie Renault oder die Groupe PSA mittlerweile auch bei reinen Elektrofahrzeugen gut aufgestellt sind, stehen die deutschen Hersteller (wenn man von PSA-Tochter Opel absieht) derzeit nahezu blank da. Der VW ID.3 kommt nicht aus den Puschen, der e-UP und seine Geschwister ist vergriffen, der BMW i3 oder der Smart IQ bei weitem zu speziell und Kolosse wie der Audi e-tron oder der Mercedes EQC nun wirklich keine Gefährte für den Massenmarkt. Kurz-Schluss: Die Deutschen sind elektrisch derzeit ziemlich geliefert und können sich nur mit Plug-in-Hybriden, deren Umweltnutzen aber höchst zweifelhaft ist, über die Zeit retten.

Jede Wette, da hätte aber auch keine Verbrenner-Prämie geholfen, weil ohnehin Kaufzurückhaltung herrscht. Vielleicht lockt die 9.000-Euro-Prämie aber doch den ein oder anderen Unentschlossenen, weil jetzt gerade auch für Kleinwagen wie den Renault Zoe oder den Peugeot e-208 die Preisschere zum Verbrenner bis auf einige tausend Euro geschlossen wird. Insofern beweist die Regierung Maß und Ziel. Wenn sie jetzt noch die private Ladeinfrastruktur in den Förderkatalog aufnimmt, entschließen sich vielleicht auch städtische Immobilienbetreiber zum Anschluss an die E-Mobilität. Denn das wird entscheidend für den Verkauf, erst recht solange öffentliches Laden so teuer ist.

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