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Kommentar Drive Now – wenn aus “Now” ein “No” wird

Premium Carsharing bei BMW und Daimler funktioniert in der Regel blendend – kann aber auch seine Tücken haben, wie wir in der Praxis feststellen mussten.

Wenn die App nicht will, geht nichts mehr - "NOW" kann dann über 30 Minuten dauern. | Foto: G. Soller
Wenn die App nicht will, geht nichts mehr - "NOW" kann dann über 30 Minuten dauern. | Foto: G. Soller
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Gregor Soller

Tatsache ist: In der Stadt wird ein eigenes Fahr- schnell zum Stehzeug, das viel Zeit und Geld kostet und dafür vergleichsweise wenig bewegt wird. Das sah auch der Autor dieser Zeilen so, verkaufte vor knapp zwei Jahren seinen Pkw und freute sich über gewonnene Zeit und merkliche finanzielleVorteile (kein Service, keine Werkstatt, keine Parkplatzsucherei mehr, keine Steuern, keine Versicherung). Es folgte eine Anmeldung auf mehreren Portalen, wobei sich Drive Now in München bald als das Praktikabelste erwies: Autos nie weiter als 700 Meter entfernt, App funktionierte sogar auf älteren Smartphones problemlos und man war tatsächlich sehr spontan sehr mobil. Nicht immer günstig, aber bezahlbar. Größte Krux: Immer wieder Passwörter eingeben und manchmal zweifach anmelden und verifizieren.

Die größte Gefahr jedoch: Länger nicht fahren! Dann kann es vorkommen, dass Drive Now den Kunden und dessen Smartphone nicht mehr erkennt und warnt, dass man sich von einem fremden Gerät angemeldet hätte. Irgendwann war das Auto, der fünftürige Mini „Thilo“, dann doch gebucht und stand 1100 Meter weit weg – zu Fuß kaum in 15 Minuten zu schaffen – also Fahrrad raus und los. Mit Thilo ging es dann in die Berge zum Schliersee.

Nach einem Spaziergang das böse Erwachen: Das Smartphone verliert immer wieder das Netz und damit den Draht zum Auto. Erst nach mehrmaligem Starten der App erkennen sich der Mini „Thilo“ und das Handy wieder, doch mitten im Aufsperrprozess verliert das Smartphone scheinbar abermals das Signal – und die App und Thilo bleiben stur. Nichts geht mehr! Was Kollegen auch schon im Untergeschoss des Flughafenparkhauses passierte – dort konnte das Auto dann nicht mehr abgesperrt werden. Kein Problem – dafür gibt es die Hotline. Aus deren angekündgten 15 Minuten Wartezeit am Ende über 23(!) werden – OHNE dass etwas passiert wäre. Mittlerweile ziehen dunkle Wolken auf und der Wind bläst stärker. Nächste Idee: Zur nahe gelegenen Gondelstation joggen, W-LAN suchen und hurra – das Smartphone erkennt die App wieder und „erinnert“ sich auch an den Mietvorgang. Und bietet an, „Thilo“ zu öffnen.

Aber wehe, man kommt jetzt aus Versehen nochmal auf die Sperrfunktion – dann schließt Thilo sofort wieder zu und macht Alarm, weil noch Türen offen stehen. Es sind noch nicht alle an Bord und haben die Türen geschlossen. Netz bricht wieder weg und wir sind soweit wie vorher – in einem Alarm-krakelenden Thilo. Glück im Unglück: Die App fängt sich und man kann den Mini abermals öffnen – nach über 30 sinnlos verplemperten Minuen für vier Personen, die mittlerweile alle sauer gefahren sind ob der „Premium-Mobilität per Fingertipp“.

Nächste Station Schliersee: Netz stabil, aber Thilo unsicher: Obwohl alle Türen fest geschlossen wurden, lässt er sich nicht absperren, und ermahnt zur zweiten Kontrolle: Nach erneutem kräftigem Zuwerfen aller Portale samt der Kofferraumklappe sperrt die App ab. Wieder unnötig Zeit verplempert. Aufsperren klappt dann anstandslos – doch jetzt wollen wir es wissen: Zusatzstopp am Irschenberg, wo das Netz in der Regel stabil ist. Gleches Szenario: Absperren nicht möglich – bitte überprüfen. Erneut werden alle Türen, die vorher sicherheitshalber schon fest ins Schloss gedonnert wurden, abermals geöffnet und wirklich FEST zugeworfen – erst jetzt ist „Thilo“ zufrieden und lässt sich absperren. Ist er Masochist – oder Sadist, weil er dieses Tür-Zu-Spiel jetzt scheinbar immer spielt?

So wird ein Wochenendausflug zum permanenten Nervenkitzel – denn man sucht Mobilität per Fingertipp, bekommt stattdessen Stress und allgegenwärtigen App-Ärger! Also doch wieder auf ein Gebrauchtwagenportal gehen und ein neues altes Auto suchen – das sich per Schlüssledreh öffnen, starten, ausschalten und schließen lässt und das nie weiter als 500 Meter weg steht – so einfach klappte das schon vor 100Jahren....

Was bedeutet das?

Wenn alle NOW-Services so NO funktionieren wird es schwierig! So lange das deutsche Mobilfunknetz und die Apps derartig wackelig laufen, macht der Verzicht aufs eigene Auto Stress statt Spaß. Zumal man die Zeit dazurechnen muss, bis man endlich angemeldet und verifiziert ist – was meist eben nicht mit einem Fingertipp getan ist!

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