Meinungsbeitrag

Kolumne: Wir wachsen – nur wohin?

Noch immer glaubt die Autoindustrie, das jedes neue Modell immer größer sein muss als der jeweilige Vorgänger - und handelt sich damit viele Nachteile ein.

Das Bild spricht Bände: Die neue S-Klasse kann autonom im Parkhaus einparken - auch weil bei den abermals gewachsenen Abmessungen keiner mehr Lust haben dürfte, sich hier selbst zu versuchen. | Foto: Daimler
Das Bild spricht Bände: Die neue S-Klasse kann autonom im Parkhaus einparken - auch weil bei den abermals gewachsenen Abmessungen keiner mehr Lust haben dürfte, sich hier selbst zu versuchen. | Foto: Daimler
Gregor Soller

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er wachsen will: Beim Wohlstand, beim Wissen, vielleicht gar bei der Spiritualität? Während die beiden letzten Punkte die Erde nur voranbringen können, ist das beim Wohlstand eher nicht gegeben. Denn mehr Wohlstand heißt nicht automatisch mehr Zufriedenheit, wohl aber ein „Mehr“ an Ressourcenverbrauch.

Und gleiches gilt natürlich für immer größer werdende Autos. Letztes Beispiel ist der Skoda Fabia, den die Tschechen jetzt gleich mal um zehn Zentimeter auf 4,10 Meter gestreckt und um fast fünf Zentimeter verbreitert haben. Und richtig, damit bietet er innen natürlich wieder viel mehr Platz als der Vorgänger und stellt damit eigentlich schon wieder den größeren Scala in Frage, der seinerseits dezent wuchs, sowie über ihm der Octavia. Mit dem Effekt, dass der „kleinste“ Skoda heute bis auf 18 Zentimeter an den Golf heranreicht, der seinerseits gegenüber dem Vorgänger ebenfalls wieder um drei Zentimeter wuchs. Das waren noch in den 1980er-Jahren Mittelklasse-Modelle, während der Octavia in der einstigen oberen Mittelklasse zu Hause wäre und so groß ist wie die erste E-Klasse, während der Superb sich der einstigen S-Klasse annähert.

Die seitdem natürlich ebenso massiv wuchs, jetzt bei 5,17 Meter Länge startet und ohne Spiegel fast zwei Meter breit ist. Solche Beispiele gibt es zuhauf: Auch Klassiker wie die G-Klasse oder der neue Land Rover Defender lassen ihre Ahnen wie Zwerge aussehen, ebenso wie das neueste 911 Cabrio selbst groß gewachsene Insassen zu optischen Zwergen degradiert – nach dem Motto: Nicht mehr der Fahrer beherrscht den 911, sondern der 911 behütet den kleinen Fahrer.

Und mit dem Größenwachstum steigen Gewichte, Stirnflächen und nicht zuletzt die Parksuchverkehre immer weiter an, zumal die Innenstädte nicht mit den Autos mitwachsen. Schon längst kriechen wir auch mit einem Skoda Fabia wegen seiner Breite durch genau die Straßen, durch die wir mit dem Urmodell noch flott - mit 30 bis 50 km/h je nach Beschränkung - durchgefahren sind. Heute geben wir Lichtzeichen, halten an, warten ab, fahren wieder an – weil die Entgegenkommenden ja ebenfalls in viel breiteren Autos sitzen. Und so manch kleine Parklücke, in die wir den Ur-Fabia gerade noch so hineinzwängten, müssen wir jetzt einfach ignorieren. Zu kurz…

Klar braucht mehr Sicherheit auch etwas mehr Material und Luft um die Insassen, aber grundsätzlich könnten doch Nachfolgemodelle einfach mal so groß bleiben wie die Vorgänger – und trotzdem genug Raum bieten? Oder trotzdem noch mehr Raum bieten! Hey, Skoda – nix für ungut, ihr müsst gerade als Beispiel für (fast) alle herhalten – aber mehr Raum auf weniger Fläche - das wäre echt mal „simply clever!“

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