Meinungsbeitrag

Kolumne: Warum der hohe Benzinpreis der E-Mobilität schadet

Spritpreise erreichen gerade neue Rekordhöhen - das hat auch auf die Elektromobilität negative Auswirkungen. 

Christop Erni, Gründer und CEO der Juice Technology AG, macht sich Sorgen um steigende Energiepreise. | Foto: Juice Technology AG
Christop Erni, Gründer und CEO der Juice Technology AG, macht sich Sorgen um steigende Energiepreise. | Foto: Juice Technology AG
Redaktion (allg.)

Die Benzin- und Dieselpreise schwingen sich gerade in neue Rekordhöhen auf. «Hossa, da freut Ihr Euch aber» rufen einem Bekannte euphorisch zu. Sie denken vermutlich, das würde mehr Leute schneller zum Umstieg auf E-Mobilität bewegen. Und uns damit mehr Umsätze mit Ladeinfrastruktur bescheren. Möglich wär’s ja - obwohl aber gar nicht nötig, denn die Umsteigerate übertrifft seit Monaten selbst die kühnsten Prognosen.

Achtung: Alle Energiepreise sind miteinander gekoppelt!

Das Problem liegt darin, dass es zu kurz gedacht ist, wenn man den Spritpreis isoliert betrachtet. Denn die Preise für alle Energieformen sind eng verknüpft und hängen zusammen. Der Marktpreis für Strom zum Beispiel hängt direkt am Preis für fossile Brennstoffe. Denn es gibt faktisch keinen Marktpreis für erneuerbare Energien, weil die Grenzkosten nahezu bei Null liegen. Wasser-, Wind-, PV- und selbst KKW-Strom kommt fast gratis, wenn die Anlagen mal stehen. Deshalb orientiert sich die ganze Branche am Preis für Strom, der durch die Verbrennung von Gas, Öl und Kohle erzeugt wird. Und wenn eben Gas und Öl unsicher oder knapp werden, dann steigt der Preis erschreckend an.

Zuerst merkt man wenig davon, weil viele Energieversorger ihren Bedarf Jahre im Voraus im Markt zu fixen Preisen einkaufen und so «hedgen». Wer aber bislang über spezielle Anbieter von den Spotmarktpreisen profitiert hat und so Strom bei Überproduktion auch mal ganz günstig erhalten hat, erlebte in den letzten Wochen sein blaues Wunder. Denn durch die fehlende Absicherung kommen eben die Viertelstundenpreise des aktuellen Markts zur Anwendung – getrieben durch den Gas- und Ölpreis auf dem Weltmarkt. Wenn’s dumm ging, konnte man schon mal seinen 100 kWh-Akku zu 90 Cent die Kilowattstunde füllen. Das macht dann gegen 90 Euro. Was wiederum 40 Liter Diesel gäbe. Womit man auch gern 600 Kilometer weit kommt.

Was bedeutet das?

Langer Rede kurzer Sinn: Hohe Benzinpreise schaden der E-Mobilität, weil eben auch der Strom teurer wird. Aber immer schön in Lösungen denken: Wenn Sie selbst Strom produzieren, zum Beispiel mit Ihrer eigenen PV-Anlage, dann können Sie dieser unerfreulichen Entwicklung ordentlich ein Schnippchen schlagen, denn die Grenzkosten Ihrer Anlage sind faktisch Null. Hossa!

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