Meinungsbeitrag

Kolumne: Nachhaltige Förderung? Vater Staat und seine Spendierhosen.

Aus der Geschichte kann man viel lernen. Zum Beispiel, wie Dinge funktionieren und wie nicht. Und zum Beispiel auch, wie sich neue Technologien effizient in der Gesellschaft etablieren und so einen richtigen Wandel einläuten.

Als Unternehmer macht sich Christoph Erni seine Gedanken - diesmal zu Förermaßnahmen der Regierungen. | Foto: privat
Als Unternehmer macht sich Christoph Erni seine Gedanken - diesmal zu Förermaßnahmen der Regierungen. | Foto: privat
Redaktion (allg.)

Schauen wir die Revolution des Automobils an. So ab 1910 wurden die Fahrzeuge langsam ausgereifter und massentauglich. Weil sie noch teuer waren, hatte die damalige Bundesregierung beschlossen, jede Benzinkutsche mit rund einem Viertel des Kaufpreises zu fördern. Wer sich also ein solches Gefährt zulegte, bekam auf einen Kaufpreis von auf heute umgerechnet beispielsweise 40.000 Euro rund 10.000 Euro bar auf die Hand als Unterstützung für seinen gar nicht mehr so visionären Kaufentscheid. Es gab damals zwar noch nicht viele geteerte Straßen, auf denen man hätte fahren können, aber das war egal, denn die Käufer hatten ja wenigstens die Förderung in der Tasche.

Oder werfen wir einen Blick auf die Flugzeugindustrie in den Dreissigerjahren. Wer einen Flugbuchte, bekam ebenfalls ein Viertel des damals horrenden Ticketpreises vom Bund bezahlt. So wurden Flugreisen von Anfang an für alle erschwinglich. Bedauerlich an der ganzen Sache: viele Destinationen konnten gar nicht angeflogen werden, denn es gab ja noch so gut wie keine Flughäfen.

Geld zum Fenster hinausgeschmissen und am falschen Ort investiert? Damals nicht! Denn beide Beispiele sind frei erfunden. Statt selbstgedrucktes und damit inflationssteigerndes Geld an die Verbraucher zu verteilen, hatte die deutsche Regierung (und übrigens alle anderen) damals den Aufbau der Infrastruktur gefördert und vorangetrieben. Autos brauchten ein vollständiges Straßennetz, Flugzeuge ein dichtes Flughafennetz. Nur so ergaben sie für die Verbraucher einen Nutzen und nur deshalb gab es einen unaufhaltsamen Siegeszug statt einem Förderkater.

Die Frage, die sich nun stellt: Wird Elektromobilität durch die aktuellen Prämien wirklich vorangetrieben oder werden die Förderungen nur von Käufern genutzt, die sich sowieso ein E-Auto gekauft hätten? Aufgabe der Gemeinschaft ist nicht, Individualanschaffungen zu subventionieren. Der Bund sollte sich wie früher auf die Förderung der Infrastruktur konzentrieren. Die Regierung muss dafür sorgen, dass das Land mit E-Ladestationen überzogen wird, an denen barrierefrei mit normalen Zahlungsmitteln zu vernünftigen Preisen Fahrstrom gekauft werden kann. Ist dieses Netz sichergestellt, kaufen sich die Konsumenten die E-Autos sowieso, weil sie sie dann erst richtig nutzen können. So geht nachhaltige Förderung.

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