Meinungsbeitrag

Kolumne: Expressionismus auf Europas Straßen

In unserer Kolumne beleuchtet Christoph Erni die Entwicklung neuer Mobilität in all ihren Facetten - und sieht die einzelnen Staaten beim Thema autonomen Fahren aktuell weit auseinanderdriften.

Redet gern Klartext: Christoph Erni, Unternehmensberater, Gründer und CEO von Juice Technology. | Foto: Privat
Redet gern Klartext: Christoph Erni, Unternehmensberater, Gründer und CEO von Juice Technology. | Foto: Privat
Gregor Soller

2030, USA: Gerade hat die zwanzigste Großstadt den Verkehr auf rein selbstfahrende Autos umgestellt. Auf den Interstates ist sowieso seit drei Jahren nur noch vollautonomes Fahren zugelassen und das landesweite Fahrverbot für menschengelenkte Autos wird als nächstes kommen. Ähnlich der verkaufsoffenen Sonntage stellt die Regierung den Oldtimer-Besitzern in Aussicht, dass es im Jahr zwei Selbstfahrer-Sonntage geben wird. Dann können die Ewiggestrigen ihre alten Schwarten aus der Garage holen und die Gegend unsicher machen, während die Mütter angsterfüllt ihre Kinder von der Straße zerren.

2030, Europa: Hier diskutiert man gerade darüber, ob die zehn Jahre zuvor gegenüber Teslas Autopilot 1 verhängten Einschränkungen nicht doch wieder aufgehoben werden sollen. Schließlich gibt es nun auch europäische Autohersteller, die jetzt Level 2 des automatisierten Fahrens können. Viel weiter kann man aber nicht denken hierzulande. Denn noch immer erfinden Verkehrsplaner neue Straßenmarkierungen, aufgemalte Blümchenkreisel und aberwitzige Verkehrsführungen, die kein Mensch versteht. Und so viele Softwareupdates kann es gar nicht geben, dass das Fahrzeug jeden kreativen Erguss der Ämter und Planer richtig einordnen könnte. Europa ist abgehängt. Der Wohlstand wandert mal wieder ab nach Amerika.

2020, Europa, Weckruf: Heute ist Europa ein Paradebeispiel einer willkürlichen Verwahrlosung der Straßenmarkierungen. Ihr Ämter und Planer, nehmt endlich Eure Verantwortung wahr. Koordiniert einheitliche Verkehrsvorschriften und Straßenbemalungen über den ganzen Kontinent. Sorgt dafür, dass dem jüngsten Wildwuchs an lustig angemalten Kleinstkreiseln und Schwellen in Innenstädten Einhalt geboten wird. Alle Straßen müssen zuverlässig von weißen Linien gesäumt werden – beidseitig, überall!  

Was bedeutet das?

Autonomes Fahren auf Level 5 kommt, und es kommt schnell. Es liegt allein an Euch, dass vor den Autos auch die Verkehrswege bereit dafür sind.

Link zu den Levels, inkl. weiterführende Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Autonomes_Fahren

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