Meinungsbeitrag

Kolumne: Die Meister der Tarnung

Verbände der E-Mobilität: Es gibt sie, diese unsichtbare Spezies. 

Christoph Erni, Gründer und CEO von Juice Technologies, wünscht sich noch aktivere und sichtbarere Verbandsarbeit. | Foto: Juice Technologies
Christoph Erni, Gründer und CEO von Juice Technologies, wünscht sich noch aktivere und sichtbarere Verbandsarbeit. | Foto: Juice Technologies
Redaktion (allg.)

Vor zwanzig Jahren waren meine Frau und ich mit unseren damals kleinen Söhnen öfter mal im Zoo. Sie kennen das: Vor vielen Terrarien oder Gehegen findet man interessante Schilder – aber es ist einfach niemand da. Man steht gefühlt Stunden vor der Scheibe, in der Hoffnung, etwas zu entdecken und bis heute habe ich keine Ahnung, ob manche Bereiche im Tiergarten einfach leer sind oder ob die Viecher dauernd irgendwo versteckt Mittagsschlaf halten. Und jetzt habe ich leider manchmal dieses Déjà-vu-Erlebnis. Wieder sieht und hört man nichts – nur ist diesmal der Eintritt teurer. Denn die Jahresbeiträge für Mitglieder an die E-Mobilitätsverbände in Deutschland, der Schweiz und Österreich sind nicht ohne.

Die Kardinalsfrage ist: Tun die Verbände so wenig, oder tun sie es so versteckt, dass man auch als Mitglied nichts davon mitbekommt? Unserer Meinung nach reicht es jedenfalls einfach nicht, nur schöne (und von Mitgliedern noch zusätzlich teuer gesponserte) Tagungen mit Sekt-Empfang abzuhalten, die sich nur an diffuse Zielgruppen wenden. Sie werden jetzt vielleicht einwenden, dass manche Verbände ja auch politische Arbeit machen und dafür Fach-Arbeitsgruppen unterhalten. Aber auch da herrscht leider oft Funkstille: Wenn man sich für die Mitarbeit mit offiziellem Formular anmeldet, bekommt man nicht einmal eine Antwort.

Für mich – und wie eine nicht repräsentative Umfrage unter anderen Mitgliedern zeigt, offenbar für viele – ist der Moment gekommen, wo man sich fragen muss, ob man diese Meister der Tarnung weiter finanziell alimentieren soll. Denn Aufwand und Ertrag stehen leider irgendwie im Missverhältnis. Ich wünsche mir Verbände, die uns zahlende Mitglieder mit politischen Vorstößen unterstützen, die uns mit Ideen beglücken an denen wir teilhaben können, die eine echte aktive Drehscheibe für Networking und Fach-Know-how sind und die dafür sorgen, dass Hürden auch international abgebaut werden. Tok tok tok an die Scheibe: Hallo, jemand da? Dann los! Packen wir die Wende an!

 

 

 

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