Meinungsbeitrag

Kolumne: Die Krux mit dem induktiven Laden

Seit bald zweihundert Jahren rollen Züge auf der ganzen Welt auf eisernen Schienen. Das ist nicht besonders originell, aber offensichtlich muss das Rad nicht laufend neu erfunden werden. Obwohl es genügend Versuche in dieser Richtung gab.

Christoph Erni, Gründer und CEO von Juice Technology, macht sich Gedanken zum Induktiven Laden. |Foto: Juice Technology
Christoph Erni, Gründer und CEO von Juice Technology, macht sich Gedanken zum Induktiven Laden. |Foto: Juice Technology
Redaktion (allg.)

Noch bis vor zehn Jahren war im deutschen Nordwesten eine Magnetschwebebahn-Testanlage in Betrieb. Sie wurde über dreißig Jahre mit fast einer Milliarde Euro Bundesgelder alimentiert. Um das Rad neu zu erfinden, sozusagen. Genützt hat es nichts, denn im Vergleich zu herkömmlichen Eisen-Bahnen steht der zusätzliche Nutzen in keinem Verhältnis zu den massiv höheren Kosten.

Sie ahnen es: Diese Kolumne ist eine weitere Folge aus meiner persönlichen Lieblingsserie: «Wie man einfache Dinge sinnlos verkomplizieren kann.»

Immerhin noch keine Milliarde Euro verbraten – aber wohl fast so viele Worte darüber verloren – wurde zum Thema «induktives Laden». Die Parallelen der beiden Technologien sind frappant: Was auf den ersten Blick unheimlich praktisch und effizient erscheint, wird beim zweiten Hingucken offensichtlich sinnlos kompliziert.

Zuerst einmal muss man sich vor Augen halten, dass die meisten Autofahrer ja kaum ihre Parkplätze ordentlich treffen. Wie sollten sie dann bündig über einer kleinen Ladeplatte parken können. Dann müsste bei jedem Fahrzeug-Fabrikat die Ladespule exakt am gleichen Ort montiert werden. Faktisch geht das nur im Wagenboden. Dort wo der Fahrzeugakku steckt. Die Induktionsschleife trägt aber mindestens drei Zentimeter auf. Soll sie also nicht bei jeder Bodenwelle abgerissen werden, müsste man das Auto zwei Fingerbreit höher legen. Was amüsiert, denn Konstrukteure kämpfen um jeden einzelnen Millimeter Tieferlegung für bessere Fahreigenschaften.

Interessant wird es bei der Ladeplatte. Die müsste ans Auto herangehoben werden können, um einen vernünftig knappen Ladespalt zu gewährleisten. Denn erstens ist sonst der Energieverlust gewaltig und zweitens fragen Sie mal Ihre Katze nach dem Gargrad, nachdem sie durch die Lücke gelaufen ist. Und bitte vergessen Sie nicht die Herzschrittmacher-Patienten vor der Abfahrt wegzuräumen, die ja schon am gewöhnlichen Induktionsherd Probleme bekommen. Nicht zu sprechen von der komplizierten nötigen Schermechanik, unter der sich Blätter und Äste verfangen, während in der Bodenmulde auch ein Meteorwasser-Ablauf und eine Eis-Abtauanlage installiert werden müssen.

Konduktiv laden dagegen geht so: Parken, 1 Sekunde einstecken. Automatisch laden. 1 Sekunde ausstecken, abfahren.

Ein effizientes und effektives neues Jahr wünscht Ihnen

Christoph Erni.

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