Meinungsbeitrag

Kolumne: Corona-Krise - Mut statt Schweinshaxnprämie

Eine erneute Abwrackprämie dürfte den Autoabsatz nur mäßig ankurbeln. 

Die Lobbyisten drängen in Berlin auf diverse Hilfen. Wo bleibt die "Schweinshaxnprämie" für die Gastronomie? | Foto: Matthias Lipinski/Pixabay
Die Lobbyisten drängen in Berlin auf diverse Hilfen. Wo bleibt die "Schweinshaxnprämie" für die Gastronomie? | Foto: Matthias Lipinski/Pixabay
Gregor Soller

Der Autogipfel vom 5.5.2020 ging – Gott sei Dank – ohne Ergebnis zu Ende. Abermals klopfen zahlreiche Lobbyisten an die Tür der Politik und fordern Prämien und Unterstützungen im großen Stil. Mit welcher Berechtigung? Von der Corona-Krise ist (fast) jeder Einzelne ge- und betroffen und erhielt im Idealfall sogar schnell und unbürokratisch eine mehr oder minder großzügige Unterstützung, die vielen trotzdem nicht zum finanziellen Überleben reichen wird. Vor allem die Gastronomie, den Tourismus und die Airlines traf die Pandemie-Krise extrem hart und nachhaltig – so schlimm, dass viele Insolvenzen einfach unvermeidbar sein werden.

Aber Deutschlands Autoindustrie? Die hat sauber gewirtschaftet, hat die Produktion in China und mittlerweile auch in der EU weitgehend wieder „am Netz“ und hat im besten Fall Gewinneinbußen. Und das sind keine Verluste – sondern es ist einfach weniger Gewinn, der hier Anteilseignern und Aktionären ausgeschüttet wird, aber es bleibt ein Gewinn! Von dem viele andere Branchen in diesen Zeiten nicht mal mehr zu träumen wagen.

Denn auch diese Branchen profitieren vor allem in Deutschland und der Tschechischen Republik sehr stark von der Autoindustrie, die ihre ohnehin immer enger werdenden Spendierhosen (um die Gewinnausschüttungen für die Aktionäre nicht zu sehr zu beschneiden) viel enger geschnallt hat. Zu sehr haben sich Branche, Aktionäre und Investoren an jährliches Wachstum und jährliche Gewinne (oder gar Gewinnsteigerungen) gewöhnt. Was fehlt, ist Großzügigkeit und Mut:

Mut, den Major Ivan Hurst hatte, um ab 1946 den Wiederaufbau des völlig zerstörten VW-Werkes voranzutreiben, obwohl die britische Autoindustrie Volkswagen nicht den Hauch einer Chance gab. Oder den Mut der Eigentümerfamilie Quandt, die 1957 am Abgrund stehende Marke BMW weder an Daimler, noch an Hans Glas oder an sonstwen zu verkaufen. Denn gute und schlechte Zyklen gehören zur Auto- wie zu jeder Branche dazu, auch in jüngster Zeit: Elon Musk kämpft verbissen darum, aus Tesla einen echten Großserienhersteller zu machen, der immer öfter auch mal schwarze Quartalszahlen schreibt. Während Bill Ford den Mut hatte, als CEO das Feld für externe Manager zu räumen, nachdem er einsehen musste, dass es nicht reicht, Anteilseigner und Familienmitglied seines Unternehmens zu sein. Was in Teilen übrigens auch auf die Familien Piech und Porsche zutrifft, sowie auf die Familie Peugeot: So überließ man es Carlos Tavares, PSA vor dem Untergang zu retten, der dabei gleich noch Opel unter seine Fittiche nahm.  

Man liest aber nirgends von Medienhäusern und Journalisten, dass die eine Leseprämie fordern, von Krankenhäusern, die wegen ausgebliebener Corona-Betten eine Auslastungsprämie fordern. Oder von Kunst, Kultur und sonstigen Einrichtungen, wie Zoos oder Schwimmbädern, die eine Besuchsprämie fordern. Gerade Letztere werden ihre ausgebliebenen Besuchszahlen nicht mehr aufholen. Womit wir beim Tourismus wären: Auch hier wird nicht über eine Übernachtungsprämie für Hotels diskutiert, ganz zu schweigen von einer Schweinshaxenprämie für Gasthäuser und Biergärten, die Langsam-Öffner und Ministerpräsident Markus Söder sicher ablehnen würde.

Zumal viele potenzielle Auto- und Schweinshaxnkunden wegen Kurzarbeit aktuell ohnehin knapp bei Kasse sind und in Zeiten des Lock-down gemerkt haben, was sie eigentlich alles NICHT benötigen. Ja, die Zeiten waren schon mal rosiger, aber wann hatten wir schon so dezidiert die Chance, unsere Geschäftsmodelle und das ewige „Schneller-höher-weiter“ zu überdenken? Mehr Mut tut hier gut!

       

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