KIT-Professor Doppelbauer fordert klares Bekenntnis zu batterieelektrischen Pkw

In der Diskussion um die geeignete Alternative bei den regenerativen Antrieben im Individualverkehr macht sich in der Wissenschaft Sorge breit, dass die Gesamtbilanz der alternativen Antriebe nicht umfassend berechnet wird.  

Prof. Dr. Ing. Martin Doppelbauer spricht klar für batterieelektrische Antriebe aus. | Foto: KIT Karlsruhe
Prof. Dr. Ing. Martin Doppelbauer spricht klar für batterieelektrische Antriebe aus. | Foto: KIT Karlsruhe
Gregor Soller

Die Batterieelektrik gewinnt mehr und mehr an Boden. Die Akkutechnik macht große Fortschritte, gleichzeitig erreicht man ein bezahlbares Preisniveau, doch wirklich unschlagbar ist der hohe Wirkungsgrad der elektrischen Antriebe. In der von der Bundesregierung und großen Industrieverbänden geführten Argumentation der Technologie-Offenheit für zukünftige Massenmobilität werde das Ausmaß der technischen Möglichkeiten überschätzt und die realen Kosten ausgeblendet. „Ich sehe im Moment ein Risiko darin, dass die Politik wieder besseres Wissens der Bevölkerung keinen reinen Wein einschenkt“, sagte der zum Fachgebiet Elektromobilität berufene Wissenschaftler Martin Doppelbauer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Hintergrund-Interview des Bundesverbandes eMobilität (BEM). 

In einem vom BEM veröffentlichten Video erörtert Doppelbauer die Vor- und Nachteile alternativer Antriebsquellen. Er macht darüber hinaus Ausführungen zu den begrenzten technischen Möglichkeiten von eFuels, dem Brennstoffzellen-Antrieb sowie dem Wasserstoffantrieb in der Individualmobilität. Doppelbauer sagt wörtlich:

„Wasserstoffautos braucht niemand. Sie werden auch in ferner Zukunft immer teurer und umweltschädlicher sein als batterieelektrische Autos.“

Der Wissenschaftler und BEM-Fachbeirat schildert den Aufwand riesiger Wasserstoffanlangen, die teuer gebaut werden müssen und verweist auf den immensen Aufwand der Rückverstromung. Außerdem seien bei Wasserstoff-Pkw keine größeren Reichweiten als bei batterieelektrischen Pkws zu erwarten. 

Mit Blick auf die weiterhin hohen CO2-Mengen, die durch den Verkehrssektor emittiert werden, sieht Doppelbauer darüber hinaus unverzüglichen Handlungsbedarf und fordert:

„Wir brauchen ein klares und deutliches Bekenntnis zu batterieelektrischen Pkw.“

Seiner Meinung nach entwickle sich die Elektromobilität sehr schnell weiter, zumal auch hier die Gesamtbilanz über ein ganzes Fahrzeugleben berücksichtigt werden müsse. Zu diesem Gesamtpaket gehört die Verbesserung des Strommixes mit wachsendem Anteil an grüner Energie, die Batterie-Effizienz und die Aussichten auf weitere Technologie-Sprünge, die kleinere, leichtere und günstigere Batterien versprechen. 

Das Video-Format „Für den Hintergrund“ nutzt der Bundesverband eMobilität zur Erklärung komplexer Sachverhalte. Die erste Ausgabe handelte von der Regulierung öffentlicher Ladeinfrastruktur, die zweite Ausgabe widmet sich nun der Diskussion über die Technologie-Offenheit in der Mobilitätswende.

Was bedeutet das?

Es stimmt, dass die Akkuherstellung einen großen energetischen Aufwand in der Gesamtbilanz der batterieelektrischen Mobilität bedeutet. Doch nachdem diese Entwicklung erst am Anfang ist, lassen sich hier künftig noch große Potenziale heben.

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