Kia stellt neuen Sorento vor

Die vierte Sorento-Generation ist der erste Kia, der auf der neuen Midsize-SUV-Plattform des Herstellers steht. Diese Basis und die größere Karosserie sollen ihn zu einem der geräumigsten und variabelsten SUVs mit (optional) drei Sitzreihen machen.

Der neue Sorento wuchs um einen Zentimeter in alle Richtungen. | Foto: Kia
Der neue Sorento wuchs um einen Zentimeter in alle Richtungen. | Foto: Kia
Gregor Soller

Mit jeder Generation wurde der Sorento edler und größer. Einst startete er 2002 als optische Kompaktausgabe des damaligen Mercedes ML, mittlerweile hat er einen ganz eigenen Charakter und Kundenkreis entwickelt. Und wuchs mit in die obere Mittelklasse der SUV. Der neue Sorento wird elektrifiziert und für den europäischen Markt in Hwasung, Korea, produziert. Nach Europa kommen soll er ab dem dritten Quartal 2020, die Plug-in-Hybrid-Variante soll zum Jahresende folgen.

Leider wuchs auch der neue Sorento wieder an und zwar um 10 Millimeter in die Breite (auf exakt 1,9 Meter), in die Höhe und in die Länge (auf 4,81 Meter). Wichtiger aber: Die Überhänge wurden gekappt, dafür wuchs der Radstand durch die neue Plattform um 35 auf 2.815 Millimeter

Der Antriebsstrang des Sorento Hybrid kombiniert einen 1,6-Liter-Turbo-Benzindirekteinspritzer (T-GDI) mit einem 44,2 kW starken Elektromotor und einer 1,49-kWh-Lithium-Ionen-Polymer-Batterie. Das Gesamtsystem mobilisiert 169 kW (230 PS) Leistung sowie 350 Nm Drehmoment. Der 1.6 T-GDI ist mit der Ventilsteuerungstechnologie CVVD (Continuously Variable Valve Duration) ausgestattet. Statt mit festen Ventilöffnungszeiten zu arbeiten, regelt diese neue Kia-Technologie die Ventilöffnung entsprechend den jeweiligen Fahrbedingungen. Dadurch soll bei niedrigen bis mittleren Motordrehzahlen die Leistung erhöht und zugleich der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden. Das Hybridsystem arbeitet mit einem Sechs-Stufen-Automatikgetriebe und einem ins Getriebegehäuse integrierten Elektromotor. So soll das Getriebe die volle Leistung von Verbrennungs- und Elektromotor parallel übertragen können, so dass nur minimale Energieverluste auftreten.

In Europa kann der SUV darüber hinaus mit einem neuen 2,2-Liter-„Smartstream“-Dieselmotor bestellt werden. Der Vierzylinder leistet 148 kW (202 PS) und bietet ein maximales Drehmoment von 440 Nm. Das Triebwerk ist 38,2 Kilogramm leichter als der bisherige Diesel, nicht zuletzt durch den Aluminium- Motorblock, der 19,5 Kilogramm weniger wiegt als die Gusseisen-Basis des Vorgängers. Darüber hinaus setzt Kia hier sein neues Acht-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe (8DCT) mit Nasskupplung ein, das so geschmeidig schalten soll wie eine konventionelle Wandlerautomatik, zugleich aber eine höhere Kraftstoffeffizienz aufweisen soll. Die Batterie der Hybridversion ist so in den Fahrzeugboden unter dem Innenraum integriert, dass das Platzangebot weder im Interieur noch im Gepäckraum beeinträchtigt wird.

Neben Platz für bis zu sieben Insassen proklamiert Kia einen der größten Gepäckräume seines Segments. Dessen Volumen beträgt beim Fünfsitzer bis zu 910 Liter und beim Siebensitzer mit eingeklappter dritter Sitzreihe bis zu 821 Liter (Werte für Diesel; Hybrid: bis zu 902 bzw. 813 Liter). Wird noch mehr Stauraum benötigt, lässt sich die zweite Sitzreihe vom Gepäckraum aus per Fernentriegelung umklappen. Wenn beim Siebensitzer die dritte Sitzreihe in Gebrauch ist, fasst das Gepäckabteil beim Dieselmodell 187 Liter (plus 32 Prozent gegenüber dem Vorgänger) und bei der Hybridvariante 179 Liter. Maximal stehen bis zu 2100 Liter Kofferraum zur Verfügung.

Durch die neue Plattform ist vor allem die Beinfreiheit in den ersten beiden Sitzreihen deutlich gewachsen. Auch die Kopffreiheit für die Passagiere in der dritten Reihe ist größer geworden. Ihnen wird im neuen Modell darüber hinaus ein noch bequemerer Einstieg ermöglicht: Konnten die Sitze der zweiten Reihe bisher bereits um 27 Zentimeter vorgeschoben werden, lassen sie sich jetzt aufgrund des längeren Radstands um weitere 4,5 Zentimeter nach vorn bewegen. Erleichtert wird das Ein- und Aussteigen zudem durch einen neuen Haltegriff in der Verkleidung der C-Säule. Und für eine entspanntere Sitzposition sorgt die um zehn Zentimeter verlängerte Armlehne der dritten Reihe, die auch Getränkehalter und eine Smartphone-Ablage beinhaltet.

Deutlich mehr Radstand - und damit merklich mehr Platz innen

Auch das Fahrwerk wurde optimiert:  Die Auswirkungen schlechter Straßenbeläge auf die Karosserie haben sich verringert, Geräusche und Vibrationen des Fahrwerks sollen reduziert worden sein und die Fahrzeugkontrolle und Lenkungsrückmeldung in Kurven wurde laut Kia verbessert. Dazu beigetragen haben zahlreiche Veränderungen in der Fahrwerksgeometrie, neue Komponenten und strukturelle Verbesserungen im Aufhängungssystem. Auch der längere Radstand trägt zum insgesamt höheren Fahrkomfort bei, während die neue Karosseriestruktur um vier Prozent mehr Zugfestigkeit bieten soll als das Vormodell, außerdem konnte man laut Kia die Karosserievibrationen reduzieren. Die Allradversionen verfügen über ein neues „Terrain Mode“-System, das sich per Drehregler an der Zentralkonsole einstellen lässt.

Ein 8-Zoll-Touchscreen samt Smartphone-Schnittstelle mit Sprachsteuerung (Android Auto, Apple CarPlay) gehört zu Serienausstattung. Erhältlich sind darüber hinaus je nach Ausführung zum Beispiel 10,25-Zoll-Navigationssystem, das volldigitale Kombiinstrument mit hochauflösendem 12,3-Zoll-Bildschirm sowie ein Head-up-Display. Mit dem großen Navi stehen dem Fahrer auch die Online-Dienste UVO Connect zur Verfügung, die den Informationsservice Kia Live und die Kia UVO App beinhalten. Mit Kia Live können auf dem Touchscreen des Navigationssystems – das über eine eigene SIM-Karte verfügt – Echtzeitinformationen zu Verkehr und Wetter oder auch nahegelegene Parkmöglichkeiten angezeigt werden. Das Navigationssystem ermöglicht auch Bluetooth-Mehrfachverbindungen. Dadurch können zwei mobile Geräte gleichzeitig eingebunden und zum Beispiel für Telefongespräche und zum Abspielen von Musik genutzt werden. Allen Insassen stehen darüber hinaus USB-Ladeanschlüsse zur Verfügung: Zwei befinden sich vorn für Fahrer und Beifahrer. Für die Passagiere in der zweiten Reihe sindzwei in die Rückenlehnen der Vordersitze integriert und eine weitere in die Tunnelkonsole. Und auch für beide Mitfahrer in der dritten Reihe steht je ein USB-Ladeanschluss bereit.

Bei den Assistenzsystemen wurde massiv nachgelegt

Außerdem wurde bei den Fahrerassistenzsystemen nachgeschärft: Dazu gehört zum Beispiel ein Frontkollisionswarner (Forward Collision-Avoidance Assist, FCA) mit Fußgänger- und Radfahrererkennung. Das System erkennt auch Gegenverkehr beim Abbiegen an einer Kreuzung. Erhältlich sind darüber hinaus ein aktiver Totwinkelassistent mit Monitoranzeige (Blind-Spot View Monitor, BVM), Rundumsichtkamera (Surround View Monitor, SVM), Totwinkelwarner mit aktivem Lenkeingriff (Blind-Spot Collision-Avoidance Assist, BCA), intelligenter Geschwindigkeitsassistent (Intelligent Speed Limit Assist, ISLA), adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Stop-and-go-Funktion (Smart Cruise Control, SCC with Stop&Go), navigationsbasierte Smart Cruise Control (Navigation-Based SCC, NSCC), Stauassistent (Lane Follow Assist, LFA), Müdigkeitswarner (Driver Attention Warning, DAW) und ein Autobahnassistent (Highway Driving Assist, HDA). Mit dem Stauassistenten (Lane Follow Assist, LFA) bietet Kia eine „Level 2“-Technologie des autonomen Fahrens an. Das System erkennt die Fahrbahnmarkierungen und hält das Fahrzeug mittig in seiner Fahrspur. Darüber hinaus orientiert es sich mit Hilfe von Radarsensoren am vorausfahrenden Verkehr und übernimmt das Beschleunigen, Bremsen und Lenken, während der Fahrer das Fahrumfeld überwacht. Der Assistent arbeitet bei Geschwindigkeiten von null bis 180 Stundenkilometer.

Zu den weiteren Assistenzsystemen des Sorento gehören eine Rückfahrkamera mit Kollisionsvermeidungsassistent und ein Querverkehrwarner hinten inklusive Notbremsfunktion. Als erster Kia in Europa ist der Sorento zudem mit einem automatischen Parkassistenten Plus erhältlich, ein System, das man vom Hyundai Nexo kennt: Damit kann der Fahrer seinen Sorento per Schlüsselanhänger fernbedienen und autonom aus einer Parklücke fahren lassen, um zum Beispiel

das Einsteigen zu erleichtern, wenn ein anderes Fahrzeug zu nah am eigenen geparkt wurde. Der Parkassistent bremst den Sorento automatisch ab, wenn er hinter dem Fahrzeug ein anderes Auto, einen Radfahrer oder einen Fußgänger registriert. Ein weiterer elektronischer Helfer ist der Ausstiegsassistent, der verhindert, dass die hinteren Türen geöffnet werden können, falls sich von hinten ein Radfahrer oder ein anderes Fahrzeug nähert.

Im neuen Sorento setzt Kia darüber hinaus erstmals eine Multikollisionsbremse ein. Sie dient dazu, nach einem Aufprall Folgekollisionen zu verhindern oder zumindest deren Auswirkungen abzumildern. Wenn durch eine erste Kollision die Airbags ausgelöst werden, aktiviert das System automatisch die Bremsen, um die Insassen vor weiteren Frontal- oder Seitenaufprallen zu schützen.

Und auch den Rohbau optimierte Kia: Trotz der höheren Stabilität ist die Karosserie um 5,6 Prozent (entsprechend 21,3 Kilogramm) leichter als die des Vorgängers. Darüber hinaus haben sich durch die steifere Karosseriekonstruktion die straßenbedingten Vibrationen reduziert. Die Anhängelast gebremst beträgt beim Diesel 2,5 Tonnen, beim Hybriden 1.650 Kilogramm.

Was bedeutet das?

Der neue Sorento kommt nur noch als Diesel und Hybridbenziner, wodurch in der Praxis beide etwas gleich viel verbrauchen dürften. Dazu wird noch ein Plug-in-Hybrid kommen, der allerdings wie die meisten SUV vor allem auf Kurzstrecke interessant sein dürfte, wenn häufig Strom nachladen kann. Ansonsten wächst der Sorento Im Parallelschwung mit dem einstigen Vorbild, dem Mercedes-Benz GLE in immer neue Dimensionen – die für Europa langsam die Obergrenze erreichen.

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