Kia EV 6 Dauertest - Teil 1: Lange hohe Ladeleistung

Nach zwei Wochen und bei Kilometerstand 11.111 ist es Zeit für eine erste Zwischenbilanz.

Kein Muffensausen in Zuffenhausen: Obwohl eigentlich nur für Porsche-Mitarbeiter, nehmen die Säulen die Kia-Karte auch und schießen schnell viel Strom in den EV6. | Foto: G. Soller
Kein Muffensausen in Zuffenhausen: Obwohl eigentlich nur für Porsche-Mitarbeiter, nehmen die Säulen die Kia-Karte auch und schießen schnell viel Strom in den EV6. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Der EV 6 ist mit gut 10.000 Kilometern nicht mal eingefahren – er bietet viel Platz, leises Gleiten und eine erstaunlich souveräne Ladeleistung: Selbst bei 70 Prozent Akkustand zieht er noch mit 93 kW und selbst bei 87 Prozent gönnt der sich am DC-Lader noch 47 kW. Die flache, nie extrem nach oben ausreißende aber immer vergleichsweise hohe Ladekurve, die zahlreiche Kollegen ermittelt haben, können wir also bestätigen – was die Ladezeit in Summe angenehm verkürzt.

Viel Platz für alle - und das Kabel geht immer in den Frunk, danke!

Auch Platz, Kofferraum und Frunk sind immer wieder ein Quell der Freude – selbst für vier groß gewachsene Erwachsene. Die sich zudem an einer wirksamen Sitz- und Lenkradheizung freuen können.

Aber im Dauerbetrieb fallen dann auch manche Punkte negativ auf: So zum Beispiel das Umschalten der Klimatisierung auf die Audiofunktion: Selbst nach tausenden Kilometern genügt eine kleine Bodenwelle um den Finger wegsliden zu lassen und man dreht statt der Lautstärke die Temperatur hoch und die Reichweite runter. Sodass das System, bedient man es über die Konsole immer einen Extra-Blick weg von der Straße fordert. Dafür findet man sich im Zentralscreen darüber super einfach zurecht – die Menüstrukturen hat Kia sehr gut angelegt. Das gilt auch für das nachträgliche Einfügen von Ladepunkten auf der Reise, wenngleich er sich hier manchmal schwer tut.

Manchmal ist das eigne Bauchgefühl noch besser als das intelligente Navi

Kurz vor Stuttgart wollten wir noch mal schnell DC nachladen – wobei der EV6 hier nochmal zwischen DC (kann bei 50 kW enden) und HPC unterscheidet. Sehr löblich. Doch statt uns die Abfahrt Denkendorf anzubieten, lotst er uns umständlichst (leider wird am Stuttgarter Flughafen wieder mal gebaut) zur OMV-Tankstelle nach Ostfildern. Wiederauffahrt auf die A8 direkt nicht möglich und damit trotz Puffer zu spät zum Termin gekommen. Merke: Ortskenntnis und Bauchgefühl sind immer noch hilfreich. Schade auch, dass die Sprachbefehle eher selten angenommen werden und exakt dem entsprechen sollten, was der EV 6 vorschlägt, sonst stellt er sich gern mal dumm.

Und weil wir schon am meckern sind: Noch immer haben wir nicht herausgefunden, weshalb der EV6 auf der Autobahn so furchtbar aus den vorderen Türtaschen knarzt. Was umso mehr auffällt, als er sonst ein smarter leiser Langstreckenbegleiter ist. Und manchmal schließt der Kofferraumdeckel sofort, nachdem er geöffnet hat und „frisst“ so den Beladenden - aber eben auch nicht immer, sondern nur manchmal...

Der Verbrauch lässt sich auf einigermaßen zügigen Langstreckenpassagen kaum unter 23 kWh/100 km drücken. Bescheidet man sich auf der Autobahn mit rund 100 km/h, fällt er dramatisch auf Werte um die 19 kWh/100 km brutto. Im Mittel liegen wir im Mischbetrieb aktuell bei Werten um die 22 kWh/100 km und sind damit etwas besser viele Fahrer zuvor – der EV6 meldete bei Ankunft im Schnitt 23,8 kWh/100 netto.

Trotz der kleinen Unpässlichkleiten freuen wir uns jetzt auf die nächste Langstrecke und sind gespannt, wie sich der Stromdurst des EV6 weiter entwickelt. Und wie lange er noch Köpfe verdreht oder im Stau auf der A8 bei Stuttgart Autofahrer auf der Nebenspur dazu bringt, die Scheibe zu senken und zu fragen, was das für eine Marke sei. Denn das Heck ist nach wie vor die spacige schickste Seite des EV6

Was bedeutet das?

Der EV6 ist ein großzügiger Langstreckengleiter. Leider bei weitem nicht so sparsam wie der E-Niro und zudem leistet er sich durchaus ein paar Eigenheiten im Detail. Mit gut 300 Kilometern realer Reichweite und lang anhaltender starker Ladeleistung eignet er sich auch für längere Distanzen.

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