Kfz-Zulassungen: Erstmals mehr Elektro als Diesel

Wenn man Plug-in-Hybride und BEV addiert, haben die elektrifizierten Fahrzeuge die Diesel überholt. Von Januar bis Juli kommen sie auf 23 zu 22,2 Prozent. Ganz vorn liegen aber weiter Benziner mit 38,7 Prozent.

Alles im Strom: Die E-Autos überholen erstmals die Selbstzünder und erobern 23 Prozent Marktanteil, allerdings inklusive PHEVs. | Foto: Volvo
Alles im Strom: Die E-Autos überholen erstmals die Selbstzünder und erobern 23 Prozent Marktanteil, allerdings inklusive PHEVs. | Foto: Volvo
Johannes Reichel

Erstmals haben elektrifizierte Fahrzeug über das gesamte bisherige Kalenderjahr betrachtet die Diesel-Modelle im Verkauf überholt. Das ergeben die jüngsten Zulassungszahlen in Deutschland. Im Juli 2021 wurden 55.656 Elektrofahrzeuge neu zugelassen, das entspricht einem Zuwachs von 55 Prozent. In den ersten sieben Monaten haben sich die Elektro-Neuzulassungen auf 368.200 Einheiten gegenüber dem Vorjahreszeitraum nahezu verdreifacht (plus 183 Prozent). Darunter waren 174.180 batteriebetriebene Elektroautos (plus 185 Prozent) und 193.725 Plug-In-Hybride (plus 182 Prozent), wie der Verband der Kraftfahrzeugimporteure VDIK. Der Anteil am Gesamtmarkt betrug 23 Prozent. Die Selbstzünder kamen im gleichen Zeitraum laut Zahlen des Kraftfahrtbundesamts (KBA) auf 22,2 Prozent. Ganz vorn liegen allerdings weiterhin die reinen Benziner mit 38,7 Prozent, die übrigen Zulassungen machen vor allem die geschlossenen Hybride aus.

Halbleiter-Mangel lässt Markt im Juli einbrechen

Mit gesamt 1,67 Millionen neuen Pkw erzielte der Markt zwar ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem von der Pandemie geprägten Vorjahr mit teilweisem Shut-Down in Produktion und Handel, allerdings brach im Juli 2021 der Markt um 24,9 Prozent zum Vorjahresmonat ein. Grund ist der eklatante Halbleitermangel. Experten sehen den starken Elektro-Trend als Ergebnis der massiven staatlichen Incentivierung. Auch die EU-Klimaschutzgesetze stellten einen Anreiz dar, ebenso selbstredend das stark gestiegene Angebot an attraktiven Fahrzeugen.

Offenbar sinkt auch die Skepsis der Deutschen gegenüber dem E-Antrieb: Eine Umfrage des Energiekonzerns E.ON ergab, dass sich zwei Drittel der deutschen Bürger*innen mit Führerschein vorstellen können, ein E-Auto zu kaufen. Zudem werden die Stromer von der Bevölkerung zunehmend auch für umweltfreundlicher gehalten als Verbrenner.

„Im Juli 2021 war bereits jeder vierte Neuwagen ein Elektrofahrzeug. Elektroautos haben in Deutschland den Durchbruch geschafft. Der Markt hätte sogar noch mehr Potenzial, da die aktuellen Lieferengpässe auch Neuwagen mit alternativen Antrieben betreffen", konstatierte Reinhard Zirpel, Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK).

Die Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativen Antrieben insgesamt hat in den ersten sieben Monaten zugelegt. Unter den 636.108 neuen und alternativ angetriebenen Fahrzeugen finden sich Elektroautos, Hybride mit und ohne Stecker, Mild-Hybride und Gas-Pkw. Das ist ein Plus von 128 Prozent. Im Juli wurden über 96.500 neue Fahrzeuge mit alternativen Antrieben zugelassen (plus 36 Prozent). Dabei sei zu beachten, dass zu den Hybriden eine wachsende Zahl von Mildhybriden zählt, die nicht vollelektrisch fahren können. Eine Unterscheidung zwischen Voll- und Mildhybriden ist derzeit statistisch noch nicht möglich, so der VDIK weiter. Im gesamten Pkw-Markt verschöben sich die Gewichte weiter in Richtung der alternativen Antriebe, mit einem Antreil von 39 Prozent.

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