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Kettenfreie Antriebe: Podbike begrüßt EU-Anerkennung als Pedelec

Neue EU-Regeln schaffen Rechtssicherheit für Pedelecs mit Seriell-Hybrid-Antrieb. Das betrifft Velomobile ebenso wie schwere Cargobikes, die für den wartungsfreien und robusten Antrieb damit auch den offiziellen Segen der EU haben.

Kann Fahrt aufnehmen: Mit der offiziellen Anerkennung von seriell via Generator angetriebenen Pedelecs hat das Frikar das Plazet der EU - und Rechtssicherheit. | Foto: J. Reichel
Kann Fahrt aufnehmen: Mit der offiziellen Anerkennung von seriell via Generator angetriebenen Pedelecs hat das Frikar das Plazet der EU - und Rechtssicherheit. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Elektrisch angetriebene Fahrräder mit einem Seriell-Hybrid-System zu dem auch das vierrädrige Velomobil Frikar gehört sind nun von der Europäischen Union rechtlich als E-Bikes (und nicht als Autos) anerkannt worden. Der norwegische Hersteller, der aktuell an der Markteinführung seines Modells arbeitet, begrüßte diesen Schritt, der lange fällig gewesen sei. Die seriellen Antriebe, die ohne Kette auskommen und die Tretleistung per Generator übertragen finden vor allem auch bei Cargobikes, die besonders robust und wartungsarm sein müssen, immer weitere Verbreitung. Jüngst hatte etwa Pendix auf der IAA Mobility 2021 in München ein solches System vorgestellt, das speziell für E-Lastenräder ausgelegt ist. Auch der Auto-Zulieferer Schaeffler hatte zur Eurobike 2021 ein mit dem Cargobike-Antriebsspezialisten Heinzmann entwickeltes kettenloses "Bike-by-Wire"-System aus Generator und E-Motor vorgestellt, das beim bayerischen Cargobikehersteller BAYK Premiere feiern soll und rekuperationsfähig ist. Lastenradhersteller wie Vowag, Citkar oder UM setzen ebenfalls bereits auf solche Lösungen. 

"Das ist ein bahnbrechender Moment für uns. Fünf Jahre Lobbyarbeit von Podbike und anderen europäischen Mitgliedern der Light Electric Vehicle Association (LEVA-EU) haben sich endlich ausgezahlt. Die Änderung hat einen bedeutenden regulatorischen Engpass beseitigt, der die technologische Entwicklung von E-Bikes in Europa eingeschränkt hat. Für E-Bikes in Europa ist das ein entscheidender Wendepunkt", erklärt der Hersteller.

Er verweist auf den technischen Pionier des seriellen Hybrid-Antriebs Mando, dessen Modell Footloose die Frage der Zulassung überhaupt erst aufgeworfen habe.

"Das Footloose war eine radikale Abkehr vom Standardfahrraddesign, denn es hatte keine Kette mehr. Stattdessen waren die Tretkurbeln mit einem vollständig geschlossenen Generator verbunden, der die vom Menschen erzeugte Energie von den Pedalen direkt an den Motor weiterleitete. Der Motor war direkt in der Nabe des Hinterrads verbaut", blickt der norwegische Anbieter zurück.

Insgesamt zwölf EU-Mitglieder äußerten gegenüber der Europäischen Kommission ihre Besorgnis über die mit dem Hybridsystem betriebenen Fahrräder. Das einzige EU-Land, das System-Hybrid-Räder vorsorglich zugelassen hat, waren die Niederlande. Die langsame Reaktion der EU habe Investitionen in die Entwicklung von Hybridfahrrädern entmutigt und wahrscheinlich andere E-Bike-Innovationen in den letzten fünf Jahren verhindert, kritisiert Podbike.

Fünf Jahre für eine Regelung, die selbstverständlich erscheint

Mit der Neuregelung sei das Problem der Hybridsystem-Regulierung endlich gelöst. LEVA-EU hat der Europäischen Kommission und den Mitgliedern der zwölf EU-Länder, die sich gegen das Hybridsystem gewehrt hatten, eine ausführliche Stellungnahme vorgelegt. Bei einem Treffen am 17. Februar 2022 wurden die technischen Aspekte und das Marktpotenzial dieses neuen Typs von Fahrzeugen mit menschlichem Antrieb und Batterieunterstützung im Detail erläutert, schilder der Anbieter weiter. In Konsequent gebe es jetzt vier verschiedene Kriterien, die Systemhybrid-Fahrräder erfüllen müssen, um als E-Bike eingestuft zu werden.

  • Die Leistungsabgabe des Elektromotors muss auf 250 Watt begrenzt sein.
  • Der Motor muss sich abschalten, wenn die Fahrenden aufhören zu treten.
  • Der Motor muss eine zusätzliche Energiequelle bleiben. Das heißt, es darf nicht möglich sein, das Fahrrad nur mit dem Motor anzutreiben. Dies ist eine bedeutende Änderung, da das Mando Footloose durch einfaches ziehen eines am Lenker angebrachten Hebels gefahren werden konnte, ohne dass die Fahrenden in die Pedale treten mussten.
  • Eine Kette zur Erzeugung der kinetischen Energie ist nicht mehr erforderlich, um als E-Bike eingestuft zu werden.

Jedes E-Bike, das diese genannten Kriterien erfüllt, entspricht jetzt den EU-Straßenverkehrsvorschriften. Diese Änderung der Verordnung 168/2013 öffne die Tür in der EU für FRIKAR und andere neue EPAC-Konstruktionen, insbesondere Lastenfahrräder, die auf einer Kombination aus menschlicher und Batteriekraft beruhen. E-Bikes sind im EU-Jargon offiziell als EPACs, Electrically Power Assisted Cycles, bekannt.

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