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Keine Bürgschaft für Flugtaxi: Volocopter-Chef verwundert über Absage aus Bayern

(dpa) Bayern hat keinen Bock auf Flugtaxis: Nach Absage einer Bürgschaft durch Wirtschaftsminister Aiwanger zeigt sich Volocopter-Chef Dirk Hoke irritiert. Vorangegangen war ein Streit zwischen CSU und Freien Wählern. Doch auch aus Baden-Württemberg kommt keine Hilfe. Dabei wäre das Bundesverkehrsministerium bereit.

Steht vor einem Rätsel: Volocopter-Chef Dirk Hoke kann sich die Absage
Steht vor einem Rätsel: Volocopter-Chef Dirk Hoke kann sich die Absage
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Johannes Reichel

Der Chef des badischen Flugtaxi-Herstellers Volocopter zeigt sich irritiert über die Absage staatlicher Unterstützung aus Baden-Württemberg und Bayern. Baden-Württemberg, wo das Unternehmen in Bruchsal seinen Stammsitz hat, habe die Entscheidung schon verschleppt und dann schlecht kommuniziert, sagte Dirk Hoke in einem am Montag veröffentlichten «Capital»-Interview. Dass in Bayern dann das Wirtschaftsministerium entgegen seiner Ankündigung eine Bürgschaft abgelehnt habe, könne er sich nicht so recht erklären, sagte Hoke dem Wirtschaftsmagazin.

Eigentlich ein positiver Besuch bei Aiwanger

Volocopter habe Minister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) das senkrecht abhebende und landende Fluggerät mit markantem Ring für die Rotoren auf dem Dach präsentiert. «Es war ein positiver Besuch», sagte Hoke. Aiwanger habe auch signalisiert, nicht zu blockieren, falls ein anderes Ressort unterstützen wolle. Das Start-up habe dann gute Gespräche mit dem CSU-geführten Wissenschaftsministerium geführt, letztlich aber die Information bekommen, dass das Wirtschaftsministerium doch ein Veto eingelegt habe, sagte Hoke. «Da darf man sich zumindest wundern.» Aiwangers Entscheidung hatte die CSU verärgert. Zuletzt war es den Angaben nach um insgesamt 100 Millionen Euro vom Bund und Bayern gegangen.

«Natürlich richtet man in einer derart technologisch komplexen und kapitalintensiven Branche wie unserer auch den Blick in Richtung des Staates», sagte Hoke. «Wir brauchen jetzt kurz vor der Kommerzialisierung Unterstützung.»

Bislang fehlt Volocopter eine Musterzulassung für den kommerziellen Passagierbetrieb. Die Firma hatte angekündigt, damit bei den Olympischen Spielen in Paris starten zu wollen.

Streit in der bayerischen Koalition zwischen CSU und FW

Die CSU hatte bereits am 24. April dem bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) vorgeworfen, eine Bürgschaft für den Elektro-Helikopter-Hersteller Volocopter und damit den Umzug des Start-ups nach Bayern zu blockieren. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek sagte am Mittwoch in München:

«Diese einmalige Chance dürfen wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unter keinen Umständen verstreichen lassen, sonst verspielen wir unseren Ruf als innovativer Wirtschaftsstandort.» 

Volocopter mit Sitz in Bruchsal bei Karlsruhe hatte im März vom Luftfahrtbundesamt grünes Licht für die Serienproduktion und die Pilotenausbildung erhalten. Der «Münchner Merkur» berichtete am damals, Volocopter brauche dringend 100 Millionen Euro, bekomme aber vom Land Baden-Württemberg keine Bürgschaft. Volocopter würde nach Bayern umzuziehen, wenn der Freistaat für 50 Millionen bürge. Die anderen 50 Millionen Euro wolle der Bund beisteuern. Aiwanger lehne das ab.  

FW: Unklar, ob das jemals wirtschaftlich tragfähig wird

Volocopter und das bayerische Wirtschaftsministerium äußerten sich zu dem Zeitpunkt auf dpa-Anfrage zunächst nicht. Freie-Wähler-Fraktionschef Florian Streibl sagte, die Verantwortung vor dem Steuerzahler gebiete den «Verzicht auf Hochrisiko-Investments durch die Staatsregierung». Es sei unklar, ob der Betrieb von Flugtaxis jemals wirtschaftlich tragfähig sei. «Wir haben ausführlich darüber beraten und tragen die Entscheidung des Wirtschaftsministers vollumfänglich mit», sagte Streibl. 

Holetschek sagte: «Für die CSU-Fraktion ist es nicht nachvollziehbar, dass der Wirtschaftsminister seine Zustimmung für die Bürgerschaft durch Bund und Land für diese wegweisende Volocopter-Investition mit einem möglichen Cluster mit anderen Firmen verweigert». In Oberpfaffenhofen bei München sitzt das Start-up Lilium, das ebenfalls elektrische Flugtaxis entwickelt. Holetschek erklärte: «Wir haben in diesem Bereich die Technologieführerschaft und sollten dieses Feld nicht den Chinesen überlassen.»

Wissing zu KfW-Kredit bereit, wenn Bayern bürgt

FDP-Landeschef Martin Hagen sagte, Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sei bereit, über die bundeseigene KfW-Bank 100 Millionen Euro beizusteuern, wenn der Freistaat für die Hälfte davon bürge. Aiwanger verhindere nun die Ansiedlung eines Technologieführers bei Elektro-Fluggeräten in Oberpfaffenhofen.

Volocopter wurde 2011 gegründet und will zweisitzige Elektro-Hubschrauber als Flugtaxis bauen. Zu seinen Investoren zählen Konzerne wie Mercedes-Benz, der chinesische Autokonzern Geely und der US-Vermögensverwalter Blackrock. 

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