Karma: Van auf autonomer E-Flex-Plattform

Nach der Sportlimousine Revero GT zeigt der kalifornische Hersteller, wie ein autonmoner E-Transporter auf der E-Flex-Plattform aussehen könnte. Der soll schnell realisierbar sein.

Der Lieferwagen, der rollt - autonom und elektrisch: Karma legt weiter nach mit der Umsetzung der Anwendungsbeispiele für seine E-Flex-Plattform. Jetzt hat man einen Fiat-Ducato "autonomisiert". | Foto: Karma
Der Lieferwagen, der rollt - autonom und elektrisch: Karma legt weiter nach mit der Umsetzung der Anwendungsbeispiele für seine E-Flex-Plattform. Jetzt hat man einen Fiat-Ducato "autonomisiert". | Foto: Karma
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der kalifornische Automobilhersteller Karma Automotive, eine Tochter der chinesischen Wanxiang Group, hat nach der Ankündigung seiner autonomen Elektro-Plattform E-Flex jetzt erstmals einen Transporter realisiert. Dabei konstruierte man einen Fiat Ducato/Dodge Promaster auf die neue und skalierbare technische Basis, die neben dem vollelektrischen Antrieb über Automatisierungstechnologie nach Level 4 verfügen soll. Das will man mit der Plattform NVIDIA DRIVE AGX Pegasus umsetzten, die laut Hersteller 320 Trillionen Befehle pro Sekunde verarbeiten können und das sogenannte "deep learning" beherrschen soll.

Kombiniert werden zwei NVIDIA Xavier-Prozessoren zwei Tensor Core GPUs. Gemeinsam soll sich ein energieeffizienter, High-Performance-Computer ergeben, der mit künstlicher Intelligenz arbeitet und ein sicheres automatisiertes Fahren garantieren soll. Er wird mit Umgebungsdaten versorgt von einem Sensorpaket auf der Plattform von WeRide, die sich aus LiDar, Radar und Kamersystemen sowie GPS-Lokalisierung zusammensetzt und ein 360-Grad-Sichtfeld aufweisen soll. 

"Auf Basis der E-Flex-Plattform wollten wir mit kolaborativen Partnerschaften eine weite Spanne an Anwendungen darstellen. Die Zusammenarbeit mit Markführer wie NVDIA oder WeRide ermöglicht uns eine schnellere und effizientere Umsetzung einzigartiger Lösungen", erklärte Srini Gowda, Karma Automotive’s VP of Autonomous Driving/ADAS. 

Der Anbieter legt derzeit eine Serie von Fahrzeugbeispielen auf der E-Flex-Plattform auf, die mit dem Sportlimousine Revero GT gestartet war. Insgesamt seien 22 Konfigurationen denkbar, neben dem vollelektrischen Antrieb auch eine sogenannte EREV-Variante mit E-Antrieb und Range-Extender-Verbrenner, heißt es. Die E-Plattform verfügt über ein flaches Akku-Paket, adaptierbare Schnellladefähigkeit (400 oder 800 Volt, eigenentwickelte Silicon-Carbid-Inverter) sowie bidirektionales Laden, einen kompakt bauenden, dezentralen zweimotorischen, wahlweise viermotorischen Elektroantrieb (weniger Ladevolumen) und soll für die höchste Crash-Kategorie im NCAP-Test vorbereitet sein. Die mit der Power Electronic System Laboratory at University of Arkansas (PESLA) entwickelten SIC-Inverter befänden sich im Übrigen in der Endschleife vor der Markteinführung und sollen sich in den zwei Ausprägungen zu 400 und 800 Volt neben dem Automotive-Bereich auch für die Luftfahrt, Züge, Landwirtschaft oder Industrieanwendungen eignen.

Als Anwendung für die jetzt gezeigte Van-Variante sieht man die emissionsfreie Letzte-Meile-Belieferung in Städten wie auch die Bedienung von "unterversorgten" Gebieten mit lebensnotwendigen Gütern oder auch als "First Responder" für Katastrophen oder Krisen-Vorkommnisse.

Was bedeutet das?

Karma legt nach dem Europa-Debut und der überraschenden Präsentation der E-Flex-Plattform weiter nach. Das zeugt einerseits von großen Ambitionen im Bereich E-Mobilität und autonomes Fahren, die vor allem von der chinesichen Mutter beflügtelt sein dürften. Andererseits wirken die Angaben zu den Projekten noch reichlich unkonkret und nebulös, respektive technisch unpräzise. Auf die Räder stellen und für Hochglanzdarstellungen ablichten kann man freilich vieles, auch einen "autonomen Ducato". Ob solche Produkte wirklich so schnell das Licht des Marktes respektive der Verkehrsrealität erblicken, hängt freilich von ganz anderen Faktoren ab: Etwa der noch immer unklaren rechtlichen Situation im Kontext autonomer Konzepte. Immerhin: Als Treiber, Enabler und Technologielieferant könnte Karma viel größer rauskommen, als es der eigentlichen Firmengröße entspricht.

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