Werbung
Werbung

Jaguar Land Rover: 15 Milliarden Pfund für die Zukunft

Diese Raubkatze hat mehr als sieben Leben: In den nächsten fünf Jahren investiert Jaguar Land Rover nach eigenen Angaben 15 Milliarden Pfund in Fertigung, Fahrzeugprogramme, Mitarbeiterqualifikation sowie autonome, KI- und digitale Technologien.

Auf dem Reimagine-Event zeigte man das kantig-gerundete Heck des künftigen Jaguar - kennt man thematisch so vom Polestar 1 - sieht gut aus. | Foto: Jaguar
Auf dem Reimagine-Event zeigte man das kantig-gerundete Heck des künftigen Jaguar - kennt man thematisch so vom Polestar 1 - sieht gut aus. | Foto: Jaguar
Werbung
Werbung
Gregor Soller

Jaguar Land Rover möchte perspektivisch zu den „weltweit führenden Herstellern moderner Luxusautos“ gehören und muss sich dafür schleunigst transformieren. Denn außer dem Jaguar I-Pace und einigen Plug-in-Hybriden haben die Briten aktuell nur Verbrenner im Programm – diese zwar durchaus mit Kultstatus, aber eben nicht zukunftssicher.

Jetzt gab das Unternehmen konkrete Pläne zur geplanten Transformation bekannt: Das britische Werk Halewood wird in eine rein elektrische Produktionsstätte umgewandelt und die nächste Generation Midsize-SUVs entsteht auf der elektrifizierten modularen Architektur (EMA) – wird also rein elektrisch angetrieben.

In der Firmenzentrale in Gaydon bekräftigte Adrian Mardell, der auf der Webseite weiter als Interims-CEO bezeichnet wird und seit 1990 an Bord ist und damit zu den Jaguar-Urgesteinen gehört, bekräftigte die Verpflichtung des Unternehmens für die „Reimagine“-Strategie, die das Jaguar Land Rover bis 2030 als modernen Luxusautohersteller mit Elektroantrieb neu positionieren soll.

Zunächst einmal muss aber Geld verdient werden und auch hier gibt man sich eher kryptisch: JLR erziele „Fortschritte bei der Erreichung seiner finanziellen Ziele: eine positive Nettoliquidität bis zum Geschäftsjahr 2025 und bis 2026 ein zweistelliges EBIT.“ Adrian Mardell ging etwas tiefer ins Detail:

„Vor zwei Jahren haben wir uns auf den Weg der Reimagine Strategie begeben und seitdem große Fortschritte erzielt – darunter die Markteinführung zweier neuer, von der Öffentlichkeit gefeierter moderner Luxusmodelle: Range Rover und Range Rover Sport ergänzen die Defender-Familie, für die es eine Rekordnachfrage gibt. Wir haben dies erreicht, während wir uns dem Gegenwind von Pandemie und Chip-Knappheit gestellt und die Produktion unserer profitabelsten Modelle erfolgreich hochgefahren haben. Dadurch konnten wir im dritten Quartal einen Gewinn erzielen. Ich bin stolz darauf, heute ankündigen zu können, dass wir unseren klaren Elektrifizierungskurs beschleunigen, indem wir eines unserer britischen Werke sowie die nächste Generation unserer Midsize-Luxus-SUV-Architektur vollständig elektrisch umsetzen. Diese Investition ermöglicht es uns, unsere Zukunft des modernen Luxus elektrisch zu verwirklichen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und unsere Verpflichtung zu bekräftigen, bis 2039 netto CO2-neutral zu sein.“

Heißt übersetzt: Defender und die beiden Range Rover laufen sehr gut und man schafft damit immerhin quartalsweise schwarze Zahlen. Oder umgekehrt: Diese gelingen nicht immer und Jaguar braucht dringend neue Modelle. Immerhin: Noch 2023 will man die Vorbestellungen für die rein elektrisch angetriebene Variante des Range Rover eröffnen, geliefert wird dann 2024.

Und 2025 soll dann ein vollelektrisches mittelgroßes Mitglied der Range Rover Familie folgen, welches in Halewood gefertigt wird und den Velar ablösen oder ergänzen könnte. Die „MLA“ genannte aktuelle Mischplattform, auf der Range Rover und Range Rover Sport stehen, behält man aber bei: Die flexible modulare Längsarchitektur (MLA) biete sämtliche Optionen: Verbrennungsmotor, Hybrid- und batterieelektrischer Antrieb. Damit verfüge man „über eine hohe Flexibilität, um seine Modellangebot an die Bedürfnisse der verschiedenen Märkte weltweit anzupassen, die sich mit unterschiedlichem Tempo in Richtung Netto-Null-Emissionsziel bewegen.“

 

Noch jung ist der Begriff „House of Brands“: Damit meint man die vier Modelle Range Rover, Defender, Discovery und Jaguar, die zu Marken werden sollen.

Dazu erklärt Chefdesigner Professor Gerry McGovern OBE, Chief Creative Officer JLR den neuen „House of Brands“-Ansatz etwas nebulös wie folgt:

„Im Mittelpunkt unserer Reimagine-Strategie steht die Schaffung einer House-of-Brands-Architektur. Sie stellt eine natürliche Entwicklung dar und zielt darauf ab, die Einzigartigkeit unserer charakterstarken britischen Marken hervorzuheben und zu stärken. Wir wollen für unsere Kunden tatsächlich emotional ansprechende Erlebnisse schaffen, die im Laufe der Zeit einen hohen Wert für unsere Marken aufbauen werden und für JLR eine dauerhafte Nachhaltigkeit.“

Beginnen wir mit Jaguar: Erstes von drei neu gestalteten Modellen wird hier ein viertüriger GT, der in Solihull gefertigt wird. Er könnte den in letzten Minute abgeblasenen elektrischen XJ und den F-Type ersetzen, ihrerseits einst ikonische Modelle im JLR-Portfoilo. Mit einer höheren Leistung als jeder bisherige Jaguar, einer elektrischen Reichweite von bis zu 700 Kilometern und Preisen ab 100 000 Pfund wird der neue Jaguar auf einer eigenen, einzigartigen Architektur namens JEA aufbauen. Weitere Details zu dem neuen viertürigen Jaguar GT Modell werden im Laufe des Jahres bekannt gegeben, der Verkauf startet 2024, mit Kundeauslieferungen in 2025. „Wir haben Jaguar von Grund auf als moderne Luxusmarke neu konzipiert“, erklärte McGovern und schob nach:

„Der Schlüssel zur Transformation von Jaguar liegt in einem einzigartigen Design, das absolut nichts kopiert.“

Neben der Nachricht, dass das Werk Halewood zu einer rein elektrischen Produktionsstätte wird und die nächste Generation der Midsize-SUV auf der elektrifizierten modularen Architektur (EMA) entsteht, gab JLR bekannt, dass das Motorenwerk in Wolverhampton, wo derzeit Ingenium-Verbrennungsmotoren vom Band laufen, eine elektrische Zukunft haben wird. Es soll künftig elektrische Antriebseinheiten und Batteriepacks für die nächste Fahrzeuggeneration von JLR produzieren. Um diesen Schritt zu verdeutlichen, wird das Werk in „Electric Propulsion Manufacturing Centre“ umbenannt.

Gute Nachrichten gibt es auch für die Zukunft des historischen Standorts Castle Bromwich: JLR bestätigte, dort das Presswerk zu erweitern – ein Fertigungsschritt, der weitgehend automatisiert, aber aufwändig und energieintensiv ist und bei vielen Unternehmen gern zentralisiert oder wo möglich weggespart wird. Man kann davon ausgehen, dass in Castle Bromwich das Pressteilewerk zentralisiert wird. Es soll in der elektrischen Zukunft des Unternehmens eine Schlüsselrolle spielen und Karosserieteile für die nächste Generation von Elektrofahrzeugen produzieren.

Allerdings könnte die das 1936 errichtete Werk verkleinert werden. Einst gehörte es zu den „Schattenfabriken“, die unter anderem von Herbert Austin geplant wurden, um die Fabriken der britischen Autoindustrie im Raum Birmingham-Coventry vor deutschen Luftangriffen zu schützen. Nach der Montage von Flugzeugen zog dort Fisher Ludlow ein – ein auf Karosseriepressteile spezialisierter Zulieferer der britischen Autoindustrie. Anschließend ging Castle Bromwich an BMC respektive British Leyland, bevor es mit Jaguar ausgegliedert wurde. Aktuell prüft Jaguar Land Rover „weiterhin Optionen für andere Teile des Standorts Castle Bromwich“.

Was bedeutet das?

Aktuell scheint man sich bei Jaguar Land Rover auf kultige (und renditestarke) Kernprodukte zu fokussieren, heißt: Man entwickelt Land Rover Defender, Range Rover und den Range Rover Sport weiter und wird unterhalb der Palette einen weiteren, aber ganz neuen elektrischen Midsize-Range Rover bringen, der eher im Zentrum des Premiummarktes Stückzahlen machen soll. Offen bleibt, wie es mit dem Discovery und den kompakten Evoque und Disco Sport weitergeht. Bei Jaguar stehen XE, XF und F-Type ohnehin am Ende ihrer Laufzeit – es gibt allerdings auch noch keine Aussage zu den –Pace-SUV, die den neuen Elektro-GT noch eine Zeit begleiten könnten. Perspektivisch braucht aber auch Jaguar mehr als einen viertürigen GT – Markenkern wäre eigentlich der F-Type, dessen Kunden man gemeinsam mit den deutschen Premiums (die derzeit auch keine E-Sportwagen planen) gerade in die Arme von MG treibt, wo mit dem Cyberster endlich ein Elektro-GT bereitsteht, dazu könnte Jaguar noch ein Luxus-CUV oder SUV brauchen. Markenfans dürfen also weiter ganz gespannt sein…

Werbung
Werbung