ITS World Congress 2021: Vay startet elektrischen Tele-Shuttle-Service

Mobilitätspartnerschaft ermöglicht On-Demand-Dienst, bei dem per Telefahrer vorgefahren wird und nicht geparkt werden muss. Vollelektrische und hoch ausgelastete Flotte soll Verkehr reduzieren.

Selbst ist der Shuttle: Der Vay-Niro kommt per Telefahrer angefahren und wird am Ziel von diesem geparkt. | Foto: Vay
Selbst ist der Shuttle: Der Vay-Niro kommt per Telefahrer angefahren und wird am Ziel von diesem geparkt. | Foto: Vay
Johannes Reichel

Das Berliner Tele-Fahr-Unternehmen Vay und die Hansestadt Hamburg haben im Umfeld des ITS World Kongress den Startschuss für einen vollelektrischen Teleshuttle-Dienst gegeben, der ab dem ersten Quartal 2022 die Vorteile automatisierten Fahrens mit niedrigen Kosten vereinen soll. Durch die hohe Auslastung soll sich zudem der Verkehr und die Umweltverschmutzung reduzieren lassen, verspricht der Anbieter. Nach der Bestellung per App sollen die Fahrzeuge vom Typ Kia e-Niro binnen weniger Minuten beim Nutzer sein, der das Fahrzeug anschließend eigenständig ans Ziel lenkt und dann die Parkplatzsuche wieder an den Telefahrer übergibt.

Vom Personalaufwand soll das Verhältnis weit niedriger als 1:1 sein, wie der Anbieter versichert. Die Kamera-Technik in den Fahrzeugen soll nur wenige tausend Euro kosten, einen Bruchteil der Sensorkosten vollautomatisierter Fahrzeuge. Das Projekt startet im Stadtteil Bergedorf außerhalb der Innenstadt und soll sukzessive auf weitere Stadtteile ausgedehnt werden. Zudem strebt man eine Integration in den ÖPNV und die Mobilitäts-App switch an, die neben Bahn und Bus auch Carsharing und On-Demand-Dienste vereint.

Niedrigere Kosten und Erschließung der äußeren Stadt

Der Tür-zu-Tür-Mobilitätsservice soll aufgrund niedriger Kosten eine Alternative zum eigenen Auto in der Mobilität der äußeren Stadt ermöglichen. Da die vollelektrische Flotte eine hohe Auslastung erreichen kann, werde sie zudem die Anzahl an Fahrzeugen sowie die Luftverschmutzung, der Sharing-Charakter soll den Parkdruck reduzieren. Ziel sei es, eine Ergänzung zum ÖPNV, zum Beispiel für den Weg zum Arbeitsplatz, insbesondere in den Hamburger Außenbezirken, anzubieten. Nach den Vorstellungen von Anjes Tjarks, Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende, soll die Hansestadt mit dem weltweit weltweit einzigartigen Mobilitätsservice seine Rolle als Modellstadt in Europa im Verkehrsbereich unterstreichenb. Man stärke den Innovations-Standort Hamburg und schaffe hochqualifizierte Arbeitsplätze.

"Darüber hinaus zahlt der neue Mobilitätsservice gleich mehrfach auf die Mobilitätswende ein: die elektrische Carsharing-Flotte erschließt in der äußeren Stadt Gebiete, die vom ÖPNV noch nicht vollends erschlossen sind, bietet dadurch eine bequeme, schnelle Alternative zum eigenen Auto und verringert auf diese Weise sowohl Straßenverkehr als auch Lärm- und CO2-Emissionen", glaubt Tjarks.

Aus seiner Sicht werde die Mobilitätswende außerhalb der Innenstädte gewonnen. Für Thomas von der Ohe, Gründer von Vay biete der Service das Potenzial, den Bürgerinnen und Bürgern einen Service anzubieten, der sie komfortabel, umweltfreundlich und preiswert in die Arbeit, zur nächsten Bus- oder Bahnhaltestelle oder zum Ziel ihrer Wahl bringt. Die Telefahrer arbeiten in Hamburg von der Hafencity aus, könnten aber auch von bis zu 100 Kilometern Entfernung aus arbeiten. Das Telefahrsystem sei durchgehend mit Redundanzen ausgestattet, wie etwa der gleichzeitigen Nutzung mehrerer 4G-Mobilfunknetzwerke, Netzwerkkarten und Nothaltsystem und wird seit zwei Jahren auf öffentlichen Straßen in Berlin und Hamburg getestet, derzeit noch mit Sicherheitsfahrer:innen hinter dem Steuer.

Mit der Stadt Hamburg wolle man den Zulassungsprozess für einen Service ohne Fahrer:in im Auto zum Start im kommenden Jahr abgeschlossen haben, teilte das Unternehmen weiter mit. Im Vergleich zu komplett automatisierten und fahrerlosen System wie dem Moia-Shuttle, das die Volkswagen-Tochter 2025 in Hamburg an den Start bringen will, sei das Telefahrersystem weniger fehleranfällig, wirbt der Anbieter.

"Solange Algorithmen nicht perfekt sind, braucht es den Menschen, der die Entscheidungen trifft", erklärte Vay-Chefingenieur Daniel Buchmueller beim Projektlaunch.

Das Unternehmen wurde im September 2018 von Thomas von der Ohe, Fabrizio Scelsi und Bogdan Djukic gegründet, viele Mitarbeiter kommen von Tesla, Google, Waymo, Zoox, Byton, Argo, Amazon, Uber sowie Audi, BMW und Daimler. Vay ist in der Vergangenheit mit über 28 Mio. EUR von führenden europäischen Investoren finanziert worden, auch etwa durch Patrick Pichette (Partner bei Inovia Capital, Vorstandsvorsitzender bei Twitter, ehemaliger globaler  Chief Financial Officer bei Google), Cristina Stenbeck (Vorstand bei Spotify, Vorstandsvorsitzende bei Zalando) und Formel 1 Champion Nico Rosberg. Das Unternehmen hat Büros in Berlin und Hamburg, sowie in Portland, Oregon.

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