ITS World Congress 2021: Stellantis zieht Bilanz zu L3-Projekt autonomes Fahren

Wichtige Datensammlung zu Autobahnbetrieb, automatischem Parken und Home Zones über vier Jahre soll jetzt in einen Kodex einfließen, der das weitere Vorgehen beim autonomen Fahren definiert.

Zunehmend selbstständig: Der Stellantis-Konzern zieht Bilanz über seine Beteiligung am L3-Projekt zum autonomen Fahren. | Foto: Stellantis
Zunehmend selbstständig: Der Stellantis-Konzern zieht Bilanz über seine Beteiligung am L3-Projekt zum autonomen Fahren. | Foto: Stellantis
Johannes Reichel

Der Stellantis-Konzern hat im Rahmen des ITS World Congress (11.–15. Oktober) eine erste Bilanz seiner Beiträge zum L3-Pilot-Projekt für autonomes Fahren Bilanz angekündigt. Zu der Veranstaltung gehören auch Fahrdemonstrationen auf Autobahnen. Während des vierjährigen Projekts, an dem ein globales Netzwerk von 34 Partnern beteiligt war, darunter Zulieferer, Forschungsinstitute, Straßenverkehrsbehörden und andere Fahrzeughersteller, leiteteten die Teams für Forschung und Advanced Technologies von Stellantis die Fahrversuche.

An dem Projekt waren insgesamt beteiligt:

  • 70 mit autonomen Fahrfunktionen ausgestattete Fahrzeuge an 14 Pilotstandorten in sieben Ländern
  • 750 professionelle Fahrer, die Erfahrung mit Funktionen der SAE-Stufe 3 haben, entweder als Fahrer oder als Beifahrer
  • 400.000 auf Autobahnen zurückgelegte Kilometer, die Hälfte davon im autonomen Modus, die andere Hälfte als Referenz
  • 24.000 im städtischen Bereich gefahrene Kilometer, 22.200 davon im autonomen Modus, 1.800 km als Referenz.

„Die Teilnahme von Stellantis am L3Pilot-Projekt und seine führende Rolle in der Pilotphase zeigen ganz klar unser Engagement für die Entwicklung von autonomen Fahr-Technologien“, erklärte Harald Wester, Chief Engineering Officer von Stellantis.

Er zeigte sich von der Wichtigkeit solcher internationaler Projekte überzeugt, sie trügen dazu bei, dass automatisierte Technologien sicher und zuverlässig seien, bevor sie auf den Markt kämen. Sie seien zudem ein wesentlicher Bestandteil unserer kundenorientierten End-to-End-Software-Strategie“, fügte Yves Bonnefont, Chief Software Officer bei Stellantis an.

Beim autonomen Fahren der dritten SAE-Stufe muss der Fahrer die Fahrsituation nicht mehr ständig überwachen, aber in der Lage sein, die Kontrolle zu übernehmen, wenn es das System verlangt. Das europäische Leuchtturmprojekt für Forschung und Innovation L3Pilot ist eines der bedeutendsten Projekte für die Zukunft des automatisierten Fahrens, da es sich darauf konzentriert, die Technologie als sichere und effiziente Mobilitätslösung unter echten Verkehrsbedingungen zu testen und auszuwerten, skizziert der Konzern. Dabei würden auch technische Aspekte, Fahrverhalten, Benutzerakzeptanz und Auswirkungen auf den Straßenverkehr und die Sicherheit bewertet.

Klassische Alltagssituationen abgebildet

Die Pilotphase umfasste eine große Bandbreite an Fahrsituationen wie Einparken, Überholen auf Autobahnen, das Fahren über städtische Kreuzungen und Situationen im Nahverkehr. Dabei wurden folgende automatisierte Fahrfunktionen der dritten Stufe getestet:

  • Autobahn-Chauffeur: Fahren bei hoher Geschwindigkeit und automatisierter Spurwechsel • Stau-Chauffeur: Langsames Fahren bei stockendem Verkehrsfluss
  • Ferngesteuertes Parken: Situationen mit Parallel- oder Schrägparkplätzen
  • Home-Zone: Das System „merkt“ sich wiederholte Manöver zum Ein- und Ausparken auf Parkplätzen.

Das Feedback aller Partner soll nun dazu beitragen, die notwendigen Systemanforderungen zu definieren und einen Kodex bewährter Praktiken aufzustellen. L3Pilot habe einen wichtigen Beitrag zur Erprobung der Funktionen des autonomen Fahrens, zur Analyse der Leistung autonomer Systeme aus der Sicht des Nutzers und zum Verständnis der Auswirkungen des Technologieeinsatzes auf die Straßenverkehrssicherheit in einem Umfeld mit gemischten Verkehrsbedingungen geleistet, so das Fazit. Eine Flotte von 16 Stellantis-Prototypen wurde in verschiedenen Szenarien und Fahrsituationen, unter variablen Bedingungen in mehreren europäischen Ländern eingesetzt. Ziel sei es gewesen, Daten zu sammeln, Situationen zu erkennen und alle Aspekte der Fahrtests zu bewerten − ein wesentlicher Baustein zur Beantwortung der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit der Markteinführung dieser Systeme.

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