ITF-Prognose: Verkehr legt nach der Pandemie bis 2050 stark zu

Die Klimaziele im Verkehr sind nur zu halten, wenn Konjunktur-Programme der Dekarbonisierung dienen - und für Änderungen im Verhalten hin zum Umweltverbund in Städten, mahnt das ITF.

Mehr Mobilität und weniger Emissionen: Das geht nur, wenn man in Städten auf emissionsfreie Verkehrsmittel setzt und den Güterverkehr effizienter und elektrisch organisiert, mahnt das ITF im jüngsten "Outlook". | Foto: ITF
Mehr Mobilität und weniger Emissionen: Das geht nur, wenn man in Städten auf emissionsfreie Verkehrsmittel setzt und den Güterverkehr effizienter und elektrisch organisiert, mahnt das ITF im jüngsten "Outlook". | Foto: ITF
Johannes Reichel

Im Umfeld des Weltgipfels der Verkehrsminister in Leipzig (21.-23. Mai) hat das International Transport Forum der OECD eine Prognose zum Verkehrsaufkommen nach der Pandemie und in der Zeitschiene bis 2050 vorgelegt. Nach dem sogenannten "Transport Outlook 2021" würde die Mobilitätsnachfrage weiter drastisch steigen mit entsprechenden Folgen für das Klima. So könnte sich das Verkehrsaufkommen bei Passagieren bis 2050 mehr als verdoppeln, die Emissionen um 16 Prozent zulegen, sogar unter der Annahme, dass alle aktuellen Selbstverpflichtungen zum Klimaschutz eingehalten würden. Beim Güterverkehr käme es der Prognose nach zu einem noch stärkeren Anstieg um das 2,6-fache in Tonnenkilometern.

"Die aktuellen Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Verkehrs reichen nicht aus, um Personen-und Güterverkehr auf einen nachhaltigen Pfad zu lenken. Selbst wenn die gegenwärtigen Dekarbonisierungszusagen in vollem Umfang umgesetzt werden, steigen die CO2-Emissionen des Verkehrssektors bis 2050 um 16 Prozent. Der Emissionsrückgang, der durch die vorgesehenen Maßnahmen erzielt werden kann, wird durch die steigende Verkehrsnachfrage mehr als aufgewogen", konstatiert der Report. 

Eindämmen könnte man die zu erwartenden höheren Emissionen mit einer besseren Koordination der Lieferketten durch Bündelung und durch alternative und emissionsarme oder -freie Antriebe. Hier sieht das ITF ein Emissionsreduktionspotenzial von 72 Prozent. In den Städten ließen sich die Emissionen sogar um 80 Prozent reduzieren, sofern die Krise für Verhaltensänderungen genutzt und alternative Verkehrsmittel wie Fahrrad, ÖPNV sowie mehr Carsharing genutzt würden. Hier gehe es auch darum, eine inklusive Transformation zu ermöglichen, die weniger wohlhabende Gruppen der Gesellschaft nicht ausschließe, so die Forderung des ITF.

"Damit würde das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 ̊C zu begrenzen, in greifbare Nähe rücken. Dazu wären mehr und gezieltere Maßnahmen nötig, um unnötige Reisetätigkeit zu reduzieren, eine Verlagerung auf nachhaltigere Verkehrsträger herbeizuführen, die Energieeffizienz zu steigern und die Nutzung von Elektrofahrzeugen und emissionsarmen Energieträgern rasch auszuweiten", stellen die Autoren fest.

Der Ausblick entwickelt drei unterschiedliche Szenarien, bei dem die rasche Erholung der Konjunktur sowie die Rückkehr auf das Vor-Corona-Level bei Passagier- und Güterverkehr als wahrscheinlich angenommen wird. Um die Emissionen trotz steigendem Verkehrsaufkommen dennoch zu senken, müssten die Konjunkturprogramme zur Erholung nach der Pandemie einen klaren Fokus auf die Dekarbonisierung des Transports legen, fordert das ITF. Die Rückführung des CO2-Ausstoßes erfordere unterschiedliche Konzepte für die verschiedenen Teile des Verkehrssektors.

"Nicht alle Strategien zum „Vermeiden, Verändern und Verbessern“ lassen sich in allen Teilen des Sektors in gleicher Weise umsetzen", so die Einschätzung.

Die Emissionen des städtischen Personennahverkehrs ließen sich entlang jeder dieser drei Handlungsachsen drastisch reduzieren, etwa durch verkürzte Entfernungen, nichtmotorisierte Optionen und den Ausbau öffentlicher Verkehrsangebote, glaubt das ITF. Bei der Dekarbonisierung des Verkehrs auf regionaler Ebene bzw. zwischen verschiedenen städtischen Zentren spielten technologische Verbesserungen hingegen eine wichtigere Rolle, da sich die nichtstädtische Verkehrsnachfrage schwer steuern lasse, so die Einschätzung. Im Güterverkehr wiederum könnten Nachfrage und Emissionen am besten durch CO2-arme Technologien, Frachtenbündelung, kürzere Lieferketten, eine rasche Digitalisierung und mehr Standardisierung zur Optimierung der Aktivitäten gesenkt werden, plädierten die Autoren.

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